unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
5


Der Europa-Gott#

Werner DePauli-Schimanovich "Es war als hätt' der Himmel die Erde sanft geküsst."

Ein Gott nahm den Globus in die Hand, um zu sehen, was da auf der Erde entstand: Hier war ein Fleck (nämlich Afrika), wo sich Tiere zu Menschen entwickelt hatten.

Und siehe da! Dort entstand sogar so etwas ähnliches wie eine Kultur: Es war in China, 4.000 Jahre vor Christus. Der Gott betrachtete es genau. Und indem er seine Aufmerksamkeit auf China konzentrierte, entstand dort etwas, so als ob der Gott diesem Gott-verdammten Erdflecken seinen Geist eingehaucht hätte. Die Wiege der menschlichen Kultur war entstanden.

Nachdem der Gott China betrachtet hatte, drehte er den Erdball ein bisschen weiter, um zu sehen, was sonst noch wo auf der Erde los war. Er richtete sein Augenmerk auf Indien, und dort entstand sofort der Buddhismus. Er drehte den Erdball weiter, blickte auf Mesopotamien, und überall wo er hinblickte, entstand eine neue Kultur. Nach Mesopotamien in Ägypten, wo sein Blick einige Zeit verweilte. Er sah beispielsweise zu, wie 2.000 Jahren vor Christus die Pyramiden gebaut wurden.

Doch dann wurde es dem Gott beim Anblick Ägyptens zu fad, und er sah auf Europa. Zuerst fiel sein Blick auf Griechenland, wo er die primitive Philosophie des Sokrates und Plato über sich ergehen ließ, und auch die primitive Mathematik des Pythagoras und des Euklids. Erst bei Aristoteles und Archimedes war der Gott einigermaßen befriedigt und drehte den Erdball weiter.

Er richtete seinen Blick diesmal auf Italien, und schon entstand das Römische Reich! Das Imperium Romanum breitete sich über das ganze Mittelmeer aus, und noch weiter bis Nord-Europa, bis es von Herrmann dem Kerusker im Teutoburger Wald gestoppt wurde. Seither ging der Aufstieg der Teutonen, Tedeskos, Alemanos, etc stetig einher. Zwischendurch drehte der Gott den Globus einmal zurück und schaute kurz einmal auf die Mongolei, woraufhin Attila sofort mit seinen Hunnen-Horden über Europa herfiel. Ihm folgten die Goten auf samtenen Pfoten, die von ihm vertrieben wurden und ständig vor sich hingeschoben wurden.

Europa versank darauf hin in Anarchie und Unregiertheit, kurzum: ins finstere Mittelalter. Das wunderte den Gott sehr, denn er hatte mit einer stetigen Aufwärts-Entwicklung gerechnet. Doch auch Götter können irren. Deshalb verweilte sein Blick ungewöhnlich lange auf Europa, denn er wollte wissen, was nun weiter geschehen würde. Und siehe da: Es ging wieder aufwärts in Europa.

Diesmal war jedoch das Zentrum der Aktivitäten weiter nördlich angesiedelt, wohin der Blick des Gottes sich diesmal hingewendet hatte. Karl der Große baute das Frankenreich auf: vom Frankenland in Bayern startend überquerte er bei Frankfurt die Oder und dann beim anderen Frankfurt den Main, bis er schließlich um Paris herum den Kern von Frankreich gegründet hatte: die Grande Nation! Doch damit hatte Carolus Magnus einen eminenten Fehler begangen. Denn der Gott dachte sich nämlich: So einfach sollen die es nicht haben! Und das Frankenreich zerfiel wieder in seine ursprünglichen Bestandteile, und fortan gab es Kriege zwischen Frankreich (wo nun gar keine Franken mehr waren) und den Englischen Normannen, und das sogar 100 Jahre lang! Eine Feindschaft entstand, die bis heute anhält. Aber auch mit den Teutschen Landen (wo jeder Fürst machte, was er wollte), gab es Krieg!

Es bedurfte erst zweier Weltkriege, bis sich Europa aus dem Bannstrahl des Gottes befreien konnte, und seine internen Feindschaften überwunden hatte. Mit diesem Ergebnis war der Gott einverstanden. Seine sozio-evolutionären Gesetze hatten also gesiegt, sogar gegen seinen Versuch einer aktiven Beeinflussung der Geschichte. Seine Theorie wurde also im Experiment bestätigt. Er drehte den Erdball weiter und landete schließlich bei Nord-Amerika.

Inzwischen hatte der Gott zwar mitbekommen, dass da einige Leute von Europa nach Amerika hinüber gefahren sind, aber es hat sich bisher nichts besonderes dort abgespielt, weshalb es für ihn vorher nicht der Rede Wert war, den Globus weiter zu drehen. Europa war einfach viel interessanter. Deshalb hatte er auch 2000 lang Jahre sein Auge darauf gerichtet und Europa so genau betrachtet, auch wenn es für ihn nur 2 Sekunden waren. Doch nun war es auch dort schon fad, und er drehte den Ball weiter, in dieselbe Richtung, in die er ihn schon bisher gedreht hatte. Schließlich landete er in den USA.

Zur Überraschung das Gottes war dort nicht sehr viel Interessantes zu sehen. Die Indianer waren schon fast alle ausgerottet worden. Und statt Ihnen hatten sich die Kriminellen, die aus Europa (besonders England) verbannt worden waren, über ganz Nord-Amerika ausgebreitet. Ebenso die Angehörigen von fanatischen Religionen und Sekten (wie die Calvinisten, andere Protestanten, Husitten, Hugenotten und Jakobiner, welche aus Europa vertrieben wurden).

Doch diese Randgruppen der Gesellschaft waren gewohnt zu kämpfen. Und die USA begann daher Europa wirtschaftlich zu überholen. Trotzdem war keine neue Kultur entstanden. Daher interessierte dieser neue Kontinent den Gott herzlich wenig, und er drehte den Erdball rasch weiter. Wirtschaftliche Macht war für ihn nur eine Ausgeburt der Dummheit. Ihn interessierte vor allem die Kunst, Kultur und besonders die Musik.

Nun betrachtete der Gott kurz Japan, und eine neue Wirtschaftsmacht entstand sofort. Wieder war nichts von kultureller Hochblüte zu spüren. Doch der Buddhismus, Schintuismus, und Konfutionismus, etc interessierten ihn herzlich wenig. Und die Kreativitätslosigkeit der Japaner, die nur alles bis zur Perfektionitis kopieren konnten, hat ihn massiv abgestoßen. Ihn störte es einfach, dass sie alles kopierten, auch wenn sie es zur 100-fachen Perfektion weiter entwickelt hatten. Den Gott interessierte die Erfindungsgabe; und diese besaßen die Japsen nur in verkümmerten Maße. Deshalb drehte er den Erdball noch schneller weiter als bei Amerika, natürlich in derselben Richtung wie bisher, und er landete auf einmal dort, wo er schon einmal war.

"Aha" sagte der Gott, "kaum pass ich nicht auf und schau nicht hin, versinkt auch schon alles gleich in Anarchie und Kommunismus!" Wie recht hatte er doch. "Ich muss mich wieder auf China konzentrieren, wo einst die Wiege der Kultur stand, auf dieser beschissenen Erde!" Und plötzlich erblühte der Kapitalismus inmitten des Kommunismus. Die wirtschaftliche Prosperität erglühte, und alles wurde wieder heil und grün.

Hier stehen wir heute an der Wende zum 3-ten Jahrtausend. Und es bleibt die große Frage offen, was der Gott nun weiterhin mit der Erde in Zukunft machen wird. Wird er sie weiterdrehen, und wenn ja: mit welcher Geschwindigkeit, und in welche Richtung? Oder schmeißt er sie vielleicht in ein Eck des Weltalls auf den Müllhaufen der Geschichte? Darüber lässt es sich nur spekulieren.

Ich aber sage Euch als Prophet: Seid ruhig mit Eurer Weltuntergangs-Hysterie! Einstweilen wird der Gott die Erde noch nicht ins finstere Eck schmeißen, weil ihn noch viel zu sehr die weitere Entwicklung von Europa interessiert. Er kann sie zwar mit seinem konzentrierten Blick beeinflussen, jedoch nicht vollkommen steuern (wie eine Marionette). Deshalb wird er den Globus schnell von China weg über Indien und Arabien gleitend wieder weiter nach Europa drehen. Und dann wird es sich auf der Welt abspielen!

Wenn der Gott im Jahre 2020 seinen Blick wieder auf Europa fokusieren wird, dann wird Europa die kulturelle, wirtschaftliche und politische Führung der Welt übernehmen! Weder die USA, noch Arabien oder China können dies verhindern. Denn der unbekannte Gott (den es ja genau genommen gar nicht gibt, weil es nur den Weltgeist gibt), will es so! Und sein Auge wird dann bei Europa bleiben, was schon in der Bibel steht.

Denn sein Geist schwebte über den Wassern. Und der Geist des Europa-Gottes wird weiterhin über Europa schweben.

1. Fassung: Granada ..... 7. Oktober 1997


Werner DePauli-Schimanovich TU-Vienna, Institute for Information Systems, Department for Databases and A. I., Favoritenstrasse 9 - 11, A-1040 WIEN / Austria, Phone: (+43.1-) 58801-184.45, Fax: ....-184.92, Middle March to January: (+43-) 676.537.0215, Middle January to March: (+34-) 628.103.381, Homepages: http://www.univie.ac.at/bvi/jimmy http://www.univie.ac.at/cognition/oldstuff/jimmy Europolis: http://www.univie.ac.at/bvi/europolis