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Grade geht sie wieder los, die Debatte der Großmeister des guten Küchengeschmacks. Thema: Junkfood. Man will eine Steuer darauf erheben, weil das ja so ungesund ist und a) die Jugend dick macht und b) eben "junk" ist. Junk. Schweinefraß.

Wer mit Junkfood gemeint st, ist klar. Macdonalds, der Gottseibeiuns der Feinschmecker. Besonders in Frankreich, wo alles stark oder nur nach Knofel schmeckt, und natürlich auch bei uns, im schönen Wien, wo die "Gute Wiener Küche" ihr Hauptquartier hat. Und per definitionen natürlich nicht "junk" ist.

Man muss den Macdonalds nicht mögen, über Geschmack läßt sich nicht streiten. Aber auch darüber kann man nicht streiten, dass beim Mac alles frisch ist (die Pommes dürfen nicht älter als 10 Minuten sein. Das Frittierfett wird ständig erneuert). Das Fleisch ist mager und nur gegrillt, mit ganz wenig Fett. Die früher reichlich verwendete Mayonaise wurde stark reduziert. Ich habe bei Macdonalds in verschiedenen Ländern gegessen, und das mit den immer frischen Pommes stimmt zu 98%. Wie schaut es damit in unseren Wirtshäusern aus??? X-mal im Dampfgarer gepimpte Pommes, die wie schlappe Nudeln traurig von der Gabel hängen.

Und wie schaut es überhaupt mit der achsoguten Wiener Küche aus? Hier gibt es lauter wunderbare Sachen. Die Liebhaber dieser edlen Speisen geben ihren Favoriten verzärtelnde Namen ("Vögerl", "Tascherl", "Laberl" ...) und schnaufen in Großtrommelträgerhaltung und mit Bluthochdruck ins Wirtshaus. Aber nur in solche, wo man nicht mehr als drei Stufen steigen muss.

Hier eine Auswahl kulinarischer Highlights der Guten Wiener Küche:

Beuschel: (Lunge und andere Innereien) in fettiger Pampe

"Sulz" (Sülze): Fett und das, woraus man sonst Rinderwahn und Klebstoff herstellt

Schmalzgebackenes: Brösel in reinem Cholesterin angekohlt, das perfekte Schmirgelmaterial für die Magenwand

Gemüse: immer zu Tode gekocht, und "eingebrannt" mit Mehlpapp. Kalt wird es so zum Pudding, alias Tapetenkleister

Bauchfleisch: Der Stoff, aus dem die Arterienverkalkungen sind.

Kuheuter: Ja, wirklich, wird hier gegessen.

Leber: Des Körpers Deponie für Sondermüll

"Blunzen" (Blutwurst): Man vergegenwärtige sich den Herstellungsprozess.

In den Salat kommt Zucker.

Und zu allem das gute, gesunde Schlagobers.

Dies alles in KEIN Junkfood? Gesund ist es offensichtlich auch, weil sonst würde man ja auch darauf eine Steuer erheben wollen.

Verzweifelte Kinder sitzen neben ihren Eltern im Wirtshaus, müssen so etwas essen, (statt Mac-Junkfood) und werden angebrüllt, weil ihr noch unverdorbener Körper rebelliert. Zu Hause müssen sie, wenn die Übelkeit abgeklungen ist, Klavierspielen lernen - das Wiener Essen hat nicht nur die Arterien, sondern auch die Herzen der Eltern verhärtet.

So ist Wien, geprägt und zermürbt von seiner Küche.