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Die heilige Kuh Numerus Clausus#

Hermann Maurer

Ein 2007 geschriebener Beitrag der noch immer aktuell ist, glaube ich!

Seit einigen Jahren wird bei der Zulassung zu Universitäten immer wieder diskutiert, ob Studiengebühren (und für wen und in welcher Höhe) gerechtfertigt sind oder nicht und wie man eine Überschwemmung der österreichischen Universitäten mit Ausländern verhindern kann, deren Ausbildung ja nicht nur Geld kostet, sondern die nach Studienabschluss vielleicht in ihre Heimat zurückkehren und wir dann ohne die notwendigen Akademiker dastehen.

Besonders entzündet hat sich die Diskussion im Bereich Medizin, weil Studierende, die oft auf Grund zu schlechter Noten in z.B. Deutschland dort nicht zum Medizinstudium zugelassen werden dann nach Österreich ausweichen, in das Land mit dem gesegneten freien Zugang zu höheren Schulen. Da wird über Ausländerquoten diskutiert (obwohl es ziemlich sicher ist, dass diese nicht EU konform sind), es wird das Problem der Zulassung mit dem Problem der Studiengebühren vermischt, usw.

Dabei ist die Lösung klar, nur traut sich niemand darüber zu reden:

(1) Alle begabten ÖsterreicherInnen sollen ohne Rücksicht auf ihre finanzielle Lage studieren können (notfalls über: Stipendien; über Kredite die nur dann rückzahlbar werden, wenn die Betroffenen eines Tages Dank ihrer Ausbildung gut verdienen; oder mit Hilfe einer anderen von einer Anzahl von Lösungen, die sich wo anders schon lange bewähren).

(2) Wir sollten in gewissen Fächern die Zulassung beschränken: es hat keinen Sinn arbeitslose Abgänger mit akademischen Graden in Psychologie, Germanistik, Philosophie, Zoologie, usw. auszubilden: die Anzahl der Studierenden muss sich schon auch an dem Bedarf orientieren! Ferner gibt es Bereiche, wo die Ausbildungsplätze so teuer sind, dass man sie bewirtschaften muss. In all diesen Fällen ist ein vernünftiges Auswahlverfahren notwendig.

(3) Das heißt, dass überall wo sich Angebot und Nachfrage nicht von selbst regelt, ein so genannter Numerus Clausus eingeführt werden muss: die besseren Studierenden (auf Grund der Maturanoten und eventuell von Interviews) werden den schwächeren vorgezogen, die sich dann eben für ein anderes Fach entscheiden müssen, wo für Abgänger vielleicht sogar bessere Berufschancen gegeben sein mögen.

(4) Es löst sich damit das Medizinerproblem (wir haben genug österreichische Maturanten mit guten Zeugnissen, die dann ganz gerechtfertigt anderen mit schwächeren Noten vorgezogen werden) und es wird endlich wieder ein bisschen "Gerechtigkeit" gegenüber Fachhochschulen hergestellt: es scheint den Durchschnittsösterreichern zu entgehen, dass es dort schon immer einen Numerus Clausus gibt. Typisch nimmt man nur die 40 besten eines Jahrgangs. Weil dort so "kleine" Gruppen betreut werden ist die Betreuung oft recht gut, sie kostet allerdings (wissen das alle Leser?) pro Jahr und Kopf doppelt so viel wie die Betreuung an den Universitäten!