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Stufenweise Pensionierung#

Ich verstehe nicht, warum in Österreich z.B. die meisten Männer mit 65 sofort in Pension gehen müssen, egal ob sie wollen oder nicht. Dadurch geht manchmal viel Wissen verloren, die Pensionierten leiden unter dem "Pensionsschock" und für die Wirtschaft und den Staat gäbe es billigere Lösugnen.

Hier ist ein Modell: Jemand verhandelt mit seiner Firma, dass er noch ein paar Jahre zu 50% weiterarbeitet. Er bekommt dafür nur 40% der bisherigen Bezüge (wird also für die Firma pro Stunde billiger), er bekommt von der Pension nur 80% (ist damit für die Pensionsversicherung billiger), verdient damit aber fast so viel wie vorher, und muss nur mehr 20 Stunden pro Woche arbeiten. Alle drei gewinnen!!

Warum werden solche Modelle nicht eingehend diskutiert und ausprobiert?

Hermann Maurer


Dabei ergeben sich Fragen, die teilweise tiefe Eingriffe in die Ruhestandregelungen wären. Zum Beispiel: Erwerben die (noch) länger Arbeitenden zusätzliche Pensionsansprüche? Es macht ja schon die "Hacklerregelung" große Probleme, ebenso der "Nachkauf von Beitragsjahren", bes. vor dem Hintergrund der stark steigenden Lebenserwartung.

Aber der Kern ist: Selbst wenn "alle drei gewinnen" - es spielen ja nicht nur drei mit, sondern vier. Es gibt einfach zu wenig Arbeit. Nur einer, der ausscheidet, macht ja Platz für einen neuen, den Vierten. Einer, der länger arbeitet, macht diesen Vierten zum Verlierer.

--Lechner Peter, Sonntag, 15. August 2010, 19:49


Der vorschlag sollte realisiert werden, da er eine echte win-win lösung für alle wäre. keineswegs gibt es in österreich zuwenig arbeit, wie die vielen ausländischen arbeitskräfte und der ständige ruf der wirtschaft nach mehr arbeitskräften zeigen.

natürlich würde das dargestellte modell überwiegend im bereich der qualifizierten arbeitskräfte greifen, da hier enorm viel kompetenz verloren geht, was bei nicht qualifizierten hilfskräften nicht der fall ist. zusätzlich sollten auch aus gesundheitsgründen pensionierte zumindest wieder teilzeit arbeiten können, wenn dies ihr gesundheitszustand zulässt. würde die pensionsversicherung massiv entlasten.....

--Glaubauf Karl, Montag, 16. August 2010, 09:36


Ich bin pro Glaubauf, anti Lechner: was soll's, dauernd heißt es, wir brauchen Zuwanderer, also wenn wir da weniger haben ist es ok wenn Leute die länger arbieten wollen, länger arbeiten. Ich hab HM nicht so verstanden, dass man mit länger arbeiten später mehr Pension bekommt, man kann nur länger arbieten wenn man will und der Ansteller will...und es gibt wohl einige Leute, die (reduziert) gerne weiter arbeiten, noch dazu weil 80% Pension und 40% Bezüge recht attraktiv sind.

--Herz Walter, Dienstag, 17. August 2010, 09:00


Warum werden solche Modelle nicht diskutiert und ausprobiert?

Sie wären absolut nützlich, insbesondere was das Erhalten von fachlicher Erfahrung im Betrieb angeht!

Aber -- meine Meinung:

Mit Anfang 90-er hat ein Gesinnungswandel bei den Unternehmern Einzug gehalten. Er hat angefangen bei großen internationalen Firmen und weiter um sich gegriffen. Wie sah der Gesinnungswandel aus? An die Stelle der Wertschätzung der Mitarbeiter kam eine distanzierte Haltung gegenüber dem "Humanpotential". Mehrleistung ohne Abgeltung wird gefordert, bei gleichzeitigem Anstieg des Betriebsergebnisses, der Managergehälter und Dividenden. Es wird von notwendigem Sparen geredet, bei gleichzeitiger Erhöhung von (teueren) Aufichtsratsposten.

Aber die "Ausführenden" sehen, daß sie betrogen werden und antworten dementsprechend, mit nur oberflächlichem Interesse am Betrieb, Bereitschaft schnell den Arbeitsplatz zu wechseln(es wird ja auch "Flexibilität" gewünscht) und dem Cowboy-Job Prinzip.

Es ist also keine Basis vorhanden, auf der sinnvolle Verbesserungen stattfinden könnten. Die müßte erst wieder geschaffen werden.

--Waldbär der VI, Mittwoch, 8. September 2010, 17:36


Völllig richtig, die Basis müsste erst geschaffen werden,da das ganze System (Generationenvertrag etc.) schon lange falsch ist. Einem Neuansatz stehen allerdings die oben von Waldbär dargelegten Entwicklungen entgegen. Dessenungeachtet sind die Überlegungen und Postulate von HM völlig richtig und sollten auf EU-Ebene diskutiert werden, was allerdings lediglich ein frommer Wunsch meinerseits bleiben dürfte.....

--Glaubauf Karl, Mittwoch, 8. September 2010, 20:42


@ völlig richtig

ich würde die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen und kleinere Schritte vorschlagen - unter Einbehalten des Ziels.

Wir sind hier ein Multipikator auf vernünftiger, menschlicher Basis (mit intellektuellem Hintergrund) --- ist meine Vorstellung.

Wir können Meinungsbildner sein.

Je mehr Menschen guten Willens wir in der Lage sind anzusprechen, desto schneller kommen positive Veränderungen in Griffweite.

Dazu gehört, ausgewählte Freunde auf diese Plattform aufmerksam zu machen!!!

Und dazu gehört, Beiträge nicht nur zu lesen, sondern auch zu kommentieren.

In diesem Sinne, danke, lb. Glaubauf Karl

--Waldbär der VI, Donnerstag, 9. September 2010, 00:54


Nichts zu danken, sehe das alles genauso, mehr Kommentare wären wünschenswert, weil sie zeigen, dass Beiträge rezipiert werden. HG KG

--Glaubauf Karl, Donnerstag, 9. September 2010, 07:11


also ich (70) arbeite derzeit selbstständig weiter
zahle ca 7500 Euro im Jahr Pensionsversicherung ein - na ja die Hälfte davon erspar ich mir an Steuer und bekomme dafür ab 2011 30 Euro mehr Pension - na gut: nur 15 Euto wegen der Steuer :-) Spaß macht's trotzdem. Beim AF krieg ich nix - und zahl auch keine Steuer

--Pachl W, Mittwoch, 9. Februar 2011, 22:48


Selbstverständlich gibt es zu wenig Arbeit!

-- Lechner Peter, Mittwoch, 7. Dezember 2011, 08:12


Es gibt - leider - wirklich zu wenig Arbeit. Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ist ja nicht zu übersehen. Und dazu hat sich Österreich eh schon einen "komfortablen", d. h. die Wirklichkeit schönfärbenden Zählmodus zurechtgelegt.

Wenn man Hermann Maurers Vorschlag kompromißlos aufnimmt, dann mit Aussprechen der ganzen Wahrheit:

1. Der Generationenvertrag funktioniert nicht mehr wie früher. So richtig hat er das nie getan und konnte es auch nicht tun, denn: er setzte ein stetiges Wirtschaftswachstum voraus und negierte die demographische Entwicklung.

2. Die Wahrheit: Ein erheblicher und immer größer werdender Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung findet (und wird immer weniger finden) adäquadte Arbeit. Er lebt somit von dem, was der arbeitende Teil der Bevölkerung erwirtschaftet. Das ist kein böser Vorwurf, es stimmt nur einfach. Die Wahrheit, die sich auszusprechen niemand getraut. - Ja, einer - Mitt Romney - hat sich getraut und wurde dafür bei der Wahl bestraft.

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3. Wenn man sich damit abfinden kann (ich kann es nicht und will es nicht), dann muss man eine weitere Wahrheit akzeptieren: Dass derjenige Teil der Bevölkerung, der (länger) arbeitet, einfach der höher qualifzierte und deswegen (potentiell) der produktive, kurz: der leistungsfähigere Teil sein muss. Sonst geht es sich nicht aus! Brutal polarisierend gesagt: Bauhilfshackler gehen früher in Pension, Uniprofessoren arbeiten länger. Aus dem Blickwinkel der political correctness unmöglich. Die "Arbeiter der Stirn" würden ebenso wie die "Arbeiter der Faust" wütend aufschreien.

In den USA ist es so: Knapp die Hälfte der Leute sind auf Sozialhilfe ganz oder teilweise angewiesen. Romnney hat das dieser Hälfte grob und als Vorwurf ins Gesicht gesagt. Was er nicht gesagt hat: Dass die Leute keine Alternative (mehr) haben.

Wollen wir auch so eine halbe-halbe Gesellschaft? Ich halte schon die aktuelle 85 : 15 % Gesellschaft für eine Katastrophe!

-- Lechner Peter, Sonntag, 30. Juni 2013, 09:05