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Wo zur Teufelin bleibt die Bundesadlerin#

Jetzt haben wir sie also drin in der Bundeshymne, die großen Töchter. Die Verfassung, der Text von Paula v. Preradovic und die deutsche Sprache haben dran glauben müssen, damit die beleidigte Fr. Rauch-Kallat ihren unheimlich halbstarken Abgang inszenieren konnte. Ein Tor ist immer willig, wenn eine Törin will (© Heinrich Heine) – und also haben auch div. Männer im Parlament zugestimmt.

Halbe Sachen führen zum Teufel bzw. zur Teufelin. Die Töchter, wenigstens die großen (politisch unkorrekte Diskriminierung der Kleinwüchsigen?) haben wir untergebracht, aber das kann ja nur ein Anfang sein. Bleiben wir bei den Staatssymbolen, allen voran beim Obermacho der Republik: dem Bundesadler. Wohlgemerkt: Adler! Nicht Adlerin! Der Herr Adler fliegt lustig herum, ab und zu bringt er eine tote Maus ins Nest, während die Frau Adlerin auf ihren Eiern sitzen muss und dann, wenn die Jungen geschlüpft sind, den Haushalt schupft und darauf schaut, dass die Kinder nicht ins eigene Nest sondern in das darunter. So ein maskulin geprägtes Familienbild soll ein Vorbild sein? Wie soll Fr. Adlerin sich da selbstverwirklichen?

Abgesehen von der Gemeinheit der Evolution, wonach die Frauen die Last des Kinderkriegens tragen, während die Männer nur ihren Spaß haben: Zumindest in unserer Verfassung sollten wir Ordnung schaffen. Ab sofort muss das Staatswappen (das ist in einem Verfassungsgesetz festgelegt, hier im Austria Forum einfach nachzulesen) so adaptiert werden, dass es genderneutral ist, das Bild also Frau und Mann gleichermaßen darstellt. Wie könnte das gehen, auch unter Berücksichtigung des Gebotes der Sparsamkeit (wenn man zu viel ändert kostet das einen Haufen Geld, weil ja alles Alte sofort weggeschmissen werden muss)?

Frau und Mann unterscheiden sich in einigem, z. B. im Geschlecht, und zwar nicht nur im sprachlich. Es geht einerseits um die Stimme (gut, die/der neue AdlerIn muss nicht singen), aber es sind, horribile dictu, die ins Auge springenden sog. sekundären Geschlechtsmerkmale.

Einschub: Die Darstellung der menschlichen Geschlechtsmerkmale in der Öffentlichkeit ist schon ein Problem, in der Kunst, im Film, im von Zwangsbeiträgen wohlgenährten Staatsfernsehen und in Schulbüchern. Das war auch früher so: Im Hauptquartier der Tugend, dem Vatikan der Borgia-Renaissancezeit, hat man männlichen Statuen unschickliche Körperteile abgeschlagen und dieselben im sog. Penisorium aufbewahrt (bis heute!). Das darf frau/man nur dann besichtigen, wenn ein wissenschaftliches Interesse daran nachgewiesen wird.

Es ist also bei der Metamorphose des Bundesadlers behutsam und unter Wahrung von Anstand und Sitte vorzugehen.

Die Ausgangslage:

Der (noch) aktuelle Adler weist auf den ersten Blick keine Geschlechtsmerkmale auf. Abgesehen vom Namen ist er als männlicher Vogel nur daran zu erkennen, dass er in seinen Fängen Arbeitswerkzeuge (erfunden von seinen männlichen Vorfahren) hält. Oberweite hat er sowieso nicht (ein paar Brustmuskel vielleicht), und dort, wo der prächtige, heraldisch wunderschön verschnörkelte Schwanz anfängt, ist auch nichts, was auf Männlichkeit hindeutete (warum fällt mir da der Schüttelreim mit der Lodenhose ein?).

Überhaupt ist das Herausstellen von Geschlechtsmerkmalen nicht Männersache. Abgesehen von einer bestimmten Berufsgruppe, die in engen langen Unterhosen neben Ausdruckstanz auch Anschauung bietet, verhüllen sich Männer immer. Bei Frauen ist das anders: Da gibt es den sog. Ausschnitt (den es in vielen Fällen besser nicht gäbe, siehe Opernball!), da gibt es den Minirock, und es tragen viele Frauen im Freibad einen so minimalistischen Bikini, dass man aus einer durchschnittlichen Männerbadehose zwei davon schneidern könnte, und da bleibt noch Stoff über.

Adlerin wie Adler tragen keine Kleidung, sondern Federn, ein gewaltiger Vorteil. Trüge die Bundesadlerin textile Kleidung wäre es undenkbar, dass sie zweimal hintereinander dasselbe anzieht; bei einem Staatswappen ein unlösbares Problem. Hier darf man also auf gar keinen Fall was ändern!

Die Oberweite der Adlerin wird vom rot-weiß-rotem Wappenschild verdeckt. Dieser ist zwar flach wie ein Brett, kann und sollte so bleiben. Es wird zwar von zu früh abgestillten Männern und von Frauen, die von Mutter Natur diesbez. großzügiger ausgestattet wurden als ihre flacheren Geschlechtsgenossinnen, verlangt werden, dass der Wappenschild an den anatomisch notwendigen Stellen eine doppelte Auswölbung erhalten müsse. Das kann aber mit dem Hinweis, dass Änderungen was kosten und auch damit, dass so nur der Absatz von Silikonimplanten angeheizt würde, abgeschmettert werden. (Mein Klassenvorstand war sowieso der Meinung, im Ideal sei der Busen einer Frau so wie wenn eine Maus eine Faust macht …). Der Wappenschild bleibe demnach so wie er ist.

Sind da noch die Werkzeuge. Auch das ist bei einigem guten Willen einfach: Der Hammer kann bleiben, die sowieso altmodische Sichel wird durch eine Gucci-Handtasche ersetzt. Basta! Fertig ist die/der genderneutrale AdlerIn, rein damit in die Verfassung!


Wie dumm die ganze Genderei ist wird am österreichischen Rechtsbestand – und hier ernsthaft – sichtbar. Gesetzestexte sind zuallererst nach dem Wortlaut zu interpretieren. NUR dann, wenn diese Interpretation nicht möglich ist, müssen (dürfen) andere Interpretationsmethoden angewendet werden.

So gut wie der ganze Bestand an Gesetzen ist nach dem allgemeinen Sprachgebrauch formuliert. Das ABGB verwendet an ungezählten Stellen Begriffe wie „Käufer“, „Verkäufer“, „Erbe“, „Kaufmann“ usw., immer in männlicher Form. Das Strafgesetzbuch kennt nur „Täter“, keine „Täterin“. Selbstverständlich wird kein Rechtsanwender auf die hirnrissige Idee kommen, nicht auch die weibliche Form darunter zu verstehen – sonst könnte man eine Mörderin oder eine Betrügerin nicht belangen, eine Verkäuferin nicht klagen, eine Frau könnte nicht erben!

Aber eben weil das so ist, weil nach Vernunft vorgegangen wird, weil man nicht so eine schreckliche Sprachverhunzung betreiben wollte/will, ist es so schändlich, wenn jetzt das Gegenteil in Mode kommt. Ideologie, Provokation und Demolieren - weil man nur zum Niederreißen, nicht aber zum Aufbauen fähig ist – werden der Normalfall statt kuriose Ausnahme.

Robert Musil hat „Kakanien“ nicht zu Unrecht als das Land gelobt, wo nicht – wie es anderswo der Brauch ist – schon der Lümmel als Genie gilt. Daran sollte sich auch das nachkakanische Österreich halten.

Ach ja: Frauen sind bessere Autofahrerinnen.


Ich fordere, dass ab sofort in einer mathematischen Gleichung das, was man sucht, "der Unbekannte" genannt werde. Seit ewigen Zeiten ist das immer nur "die Unbekannte". Mit dieser Diskriminierung muss endlich Schluss sein! Außerdem protestiere ich gegen die ständige Bevorzugung des "x".

Wie das erreichen? An die in Genderangelegenheiten bekanntlich überaus engagierten Grünen mag ich mich mit diesem so wichtigen Anliegen nicht wenden, weil ich in Fragen mathematischen Zusammenhangs an ihrer Kompetenz zweifle. Hat doch E. Glawischnig vor einiger Zeit eine Vermögenssteuer in der Größe zwischen 1 Promille und 0,1 Prozent verlangt.

Ich habe ihr damals gleich geschrieben, dass ich gerne das Doppelte zahlen möchte. Auf eine Antwort warte ich noch ...

-- Lechner Peter, Montag, 30. Januar 2012, 18:02