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Zypern übernimmt ab Juli 2012 die EU Präsidentschaft. Dazu ein paar Gedanken als Hilfe überzuschnappen oder depressiv zu werden.

1. Zypern ist EU Vollmitglied. Es wird aber von der Türkei völkerrechtlich nicht anerkannt. Das hindert die EU aber nicht daran, fröhlich mit der Türkei BEITRITTSverhandlungen zu führen.

Für den Fall, dass Zypern den Ratsvorsitz übernimmt, hat die Türkei angekündigt, echt bös zu werden und seine Beziehungen zur EU einzufrieren. Aber selbst wenn die Türken eine 3. Belagerung Wiens veranstalten wird die EU ungerührt weiter beitrittsverhandeln, denn: was sonst der "Erweiterungskommissar" sonst tun?

2. Zypern ist pleite. Nicht so arg pleite wie Griechenland, aber ziemlich. Na gut, das mit "pleite" stimmt nicht ganz, denn um als EU Staat pleite zu sein genügt es nicht, dass er zahlungsunfähig und maßlos überschuldet ist, sondern er muss auch zugeben, pleite zu sein. Gibt er es nicht zu, sondern sagt nur, er habe kein Geld mehr, um die pleitebedrohten Banken aufzufangen, ist er nicht wirklich pleite. Er bekommt daher aus der mittlerweile etwas unübersichtlich gewordenen Kollektion von "Rettungsschirmen" weiterhin Geld und kann seinen "Stolz" behalten. Für diesen Stolz kriegt er aber keinen Rabatt auf Zinsen für Staatsanleihen. Auch das ist gut, denn so verbraucht der Stolz sich nicht und kann sogar noch wachsen und den Zorn auf die wenigen Noch-nicht-pleite-daher-Zahlerstaaten kultivieren (wer, wenn nicht Deutschland ist schuld, dass die Griechen viele Jahre lang Party gefeiert und das ausgeborgte Geld verjuxt haben - und sich nun einem kalten Entzug unterziehen müssen?)

3. Der gute alte Edlinger, seinerzeit österr. Finanzminister, Erfinder zweier Sparpakete (mit enormer Erhöhung der Steuerlast und im Ergebnis dennoch höherer Staatsverschuldung), weiters kreativer Gründer so originneller Gesellschaften wie der ASFINAG, wo dutzende Milliarden Schulden der Republik geparkt wurden (und damit vor der der EU versteckt wurden, um die Beitrittskriterien zu erfüllen) hat es schon gesagt: "Liawa lossat i an Hund aufd Wuaschd aufbassn wia de Övaubeh aufs Göd". Mag sein, dass er damit recht hatte, wenn auch fraglich ist, wer von den österr. Parteien (Stichwort: aktuelle Verdoppelung der Parteienförderung) besser auf unser Geld aufpassen würde.

Und jetzt Zypern als Ratsvorsitzland: Der Hund verwaltet den EU Wurstvorat. Das hat Charme.


Ziemlich genialer und mutiger Text. Bei der dritten Türkenbelagerung stellt sich allerdings die Frage, weshalb die Türken auch sich selbst belagern sollten, hinsichtlich des Aufpassens auf das Geld erlaube ich mir auf den Schüsselschen Skandaltsunami zu verweisen, wobei der Name Mensdorff lediglich als Chiffre dienen möge für eine Gesamtheit der von Schüssel gesetzten Maßnahmen. (Usurpierung der Kanzlerposition obwohl nur dritter bei der Wahl, jetzt wissen wir warum etc.)

Es scheint übrigens nicht mehr relevant zu sein, wer die Päsidentschaft innehat, Merkel hat sowieso schon alle eliminiert, dabei hat ein Europa unter deutscher Führung im 20.Jhdt. ff noch immer in einer Katastrophe geendet. Sieben Jahre Merkel und wir sind dort, wo wir sind, so der empirische Befund.

-- Glaubauf Karl, Dienstag, 26. Juni 2012, 19:15