unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
7

In einem Fahrzeug „in Fahrtrichtung“ zu sitzen ist irgendwie besser als „gegen“. „In Fahrtrichtung“ sind einfach die nobleren Plätze. Man sieht, wohin man fährt. Manchen wird sogar übel, wenn sie „gegen“ sitzen, oder sie behaupten es wenigstens. Vielleicht halten der Magen (oder die Psyche) die Beschleunigung (auch die negative beim Bremsen) ja wirklich besser aus, wenn man „in“ sitzt. Und so ein Fahrzeug beschleunigt und bremst ja sehr oft und eventuell auch heftig.

Beschleunigen kann ein Fahrzeug in 3 Richtungen: horizontal beim Fahrtaufnehmen, beim Fahrtwegnehmen (i. A. also beim Bremsen) und in Kurven sowie – in geringem Maße – vertikal bei Bodenwellen, Schlaglöchern usw. Die größte Beschleunigung tritt zweifellos beim Bremsen auf, im Extremfall beim „unfreiwilligen“, wenn das Fahrzeug auf ein Hindernis stößt und dabei extreme, sogar tödliche Kräfte auf die Insassen einwirken können.

Beim Auto sitzen alle Insassen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) „in Fahrtrichtung“, schon, weil der Lenker so sitzen muss. Die Anordnung der übrigen Sitze ergibt sich damit zwangsläufig. Extreme „positive“ Beschleunigung (= in Fahrtrichtung) tritt im Normalfall nicht einmal in einem 500 PS Porsche auf, mit einer Ausnahme: beim Heckaufprall. Hier helfen Rückenlehne und Kopfstütze großflächig, die auftretenden Kräfte aufzunehmen und abzubauen.

Beim Bremsen, angefangen von Notbremsungen bis hin zum Frontalaufprall, wirken die größten Kräfte auf den Körper ein. Hier schützen zunächst Knautschzone und Sicherheitslenksäule, dann Gurt und Airbag.

Einschub: Im Auto haben wir sog. 3-Punkt-Gurte. Das war nicht immer so. Die ersten Gurte waren primitive Beckengurte (wie heute noch im Flugzeug). Sie waren besser als gar nichts, aber gut waren sie nicht. Im Fall des Falles trat der „Klappmessereffekt“ auf, der Kopf knallte auf Lenkrad oder Armaturenbrett. Eine ganz wesentlich Verbesserung brachten die heute üblichen 3-Punkt-Gurte, die automatisch aufrollen, im Normalbetrieb locker sitzen und erst im Falle eines Unfalls (meist mit Hilfe einer Sprengladung!) gespannt werden. Andere Gute würde von den Insassen nicht akzeptiert werden; die so wichtige hohe Anschnallquote konnte nur durch diese Bequemlichkeit erreicht werden.

Wie ist das nun in einem Flugzeug? Nennenswerte Horizonatalbeschleunigung tritt nur beim Bremsen nach der Landung auf (die beeindruckende Beschleunigung beim Starten ist im Vergleich dazu gering). Gegen diese möglicherweise sehr starke Bremsverzögerung haben wir nur einen simplen Beckengurt. Einen Airbag (wie im Auto) gibt es nicht, nicht einmal 3-Punkt-Gurte. (Die Zeiten, wo man vor dem Landen aufgefordert wurde, einen Polster , quasi als Ersatz-„Airbag“ in Bauchhöhe gegen die Körper zu halten, sind ja auch vorbei.)

Viele sicherer säßen wir im Flugzeug daher „gegen die Fahrtrichtung“, zumal es eine solche (außer bei Start und Landung) spürbar nicht gibt. Die eigene Rückenlehne mit der sowieso integrierten Kopfstütze schütze uns dann bei extremer Verzögerung viel besser. Anders gesagt: Falsch sitzend fliegen wir!

Übrigens: Die Crewmitglieder sitzen bei Start und Landung auf Sitzen, die GEGEN die Fahrtrichtung angeordnet sind – und sie haben die viel besseren Hosenträgergurte (die man Autoinsassen oder Fluggästen „zuzumuten“ sich nicht getraut.