unbekannter Gast


Frage:

Caritas-Präsident Franz Küberl sagt in seinem Artikel: "Die Mindestsicherung sei keine soziale Hängematte". Es gibt Theoretiker, die nicht nur eine bedarfsabhängige sondern sogar eine bedarfsunabhängige Grundsicherung vorschlagen, also ohne Kontrolle von BEdürftigkeit, Arbeitsfähigkeit oder -willigkeit. Die Protagonisten sind nicht nur bei den Sozialdemokraten und Grünen, sondern auch bei den Liberalen (wer immer die auch sein mögen) und in der Kath. Sozialakademie zu finden. Was meint die Community dazu?
Hofnarr Antworten:

Ich glaube, dass in einem Land in dem mehrere Millionen Katzen und Hunde höchst komfortabel in geheizten Wohungen und ohne Gegenleistung gut gefüttert leben können, muss es auch möglich sein, Menschen die gar nicht arbeiten wollen zu unterstützen. Die Frage ist nur: ist immer Geld die Antwort? Wer in der Schweiz im Ort x geboren wird, hat in x das Bürgerrecht: er/sie hat, was immer geschehen sein mag in diesem Ort das Recht auf gratis Logis, Essen, Kleidung und Taschengeld. Unterkunft mag einfach sein, Essen auch, Kleidung gebraucht, Taschengeld halt 50 Euro im Monat. Dieses URALTE Modell halte ich für sinnvoll, eine Basissumme weniger, weil manche mit Geld einfach nicht umgehen können: die geben es vielleicht in wenigen Tagen für Alkohol oder Rauschgift aus.
Hermann Maurer

Den Aussagen von Hermann Maurer bezüglich den Heimtieren ist meiner Meinung nach nichts hinzuzufügen. Noch dazu, wo Österreich zur Gruppe der 10 reichsten Ländern der Welt gehört (gemessen an Vermögen pro Kopf, was zugegebnermassen nichts über die Verteilung des Reichtums aussagt). Wie allerdings eine derartige Grundsicherung aussehen soll, ist diskutierbar. Da gibt es sicher mehrere mögliche Modelle.
Ich persönlich glaube, dass so ziemlich jeder Mensch so etwas wie einen natürlichen Betätigungsdrang hat und nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz (oder gar Promillesatz?) als ausdrücklich arbeitsunwillig einzustufen ist. Und diesen Anteil sollten wir aushalten können.
Zudem hätte eine Grundsicherung sogar psychosoziale Vorteile: der finanzielle Druck zur Erwerbsarbeit wäre weit geringer: es wäre nämlich einfacher möglich, auf den Job zu warten, der einem zusagt. Und Firmen wären zu einer höheren Gehaltsgerechtigkeit angehalten. Ich denke dabei hauptsächlich an die meiner Meinung nach absolut schändliche Einkommensschere zwischen Frauen und Männern bei gleicher Arbeit.
trazenje

Nachdem meine Frage inzwischen von der ersten Seite "verdrängt" wurde, möchte ich zu den bisher (leider nur) zwei Antworten Stellung nehmen (hoffentlich nicht endgültig, sondern anreizend):
Der Vorschlag von Hermann Maurer, den ich voll und ganz unterstütze, bezieht sich auf eine Wiedereinführung des Armenrechtes, wie es in Österreich weitgehend noch bis 1938 galt (Heimatrecht, -rolle, -schein). Gegen dieses "Armenhaus"- Modell sprichechen sich die Grundsicherer wegen der damit verbundenen Einschränkung der Freiheitaus. Sie fordern freie Wahl des privaten Umfelds (Wohnung, Nahrung, Gesellschaft) und der Beschäftigung (Lohnarbeit, selbstständig, Hobbykünstler, Leseratte, sozial oder sonst engagiert, Schrebergärtner, untätig).
Zur Meinung von trazenje möchte ich ergänzen, dass mehr als ein kleiner Prozentsatz des "natürlichen Betätigungsdrangs" auf Konsumation (von Unterhaltung, Kommunikation, Genussmitteln) entfällt, ein weiterer auf untentgeltliche Beschäftigungen (überwiegend Hobbys, kaum Sozialarbeit), während sich der Drang zu Erwerbsarbeit in Grenzen hält. Die notwendige Aufbesserung der Grundsicherung (die es derzeit als Sozialhilfe bereits gibt, wenn auch niedrig und "bedingt" an deklarierte Einkommens- und Vermögenslosigkeit) erfolgt eher über Schattenwirtschaft (nicht deklariert, "Pfusch"). Kein Wunder, wenn einem fast jeder Zuverdienst von der Sozial/Notstandhilfe abgezogen wird. Eine wirkungsvolle "unbedingte Grundischerung" müsste also diesen Herausforderungen gerecht werden. Und das sollte man zuvor in kleinem Rahmen (Pilotprojekt, zB in einer Notstandsregion) erproben.
Hofnarr