unbekannter Gast
Frage:

Kann jemand mir, der technisch nicht so versiert ist, erklären, warum nur bei Dieselmotoren Partikelfilter nachgerüstet werden müssen, will man trotz Fahrverbot fahren und wie ein solcher Partikelfilter funktioniert. Für mich ist es irgendwie unverständlich, dass man (sollte es im Winter ein Fahrverbot aufgrund der Überschreitung der Feinstaubobergrenzen geben) mit einem zB 30 Jahre alten benzingetriebenen Fahrzeug fahren darf, mit einem 3 Jahre alten dieselbetriebenen allerdings nicht.
mambo

Antworten:

Partikel (Ruß) entstehen vor allem bei der Verbrennung von Diesel. Sie sind als dunkle Färbung der Auspuffgase sichtbar, schlagen sich dann nieder und/oder werden herumgewirbelt und belasten so als Feinstaub die Umwelt. Da der Kraftfahrzeugverkehr nur zu einem geringen Teil zur Feinstaubbelastung beiträgt, kann letzter selbst durch flächendeckenden Einsatz von Partikelfiltern vermutlich nur um etwa 5% reduziert werden.

Beim Benzinmotor entsteht praktisch kein Ruß, dafür (in Folge unvollständiger Verbrennung) umso mehr giftige Abgase. Diese werden mit dem Katalysator (allerdings nur teilweise) unschädlich gemacht. Übrigens gibt es auch für Dieselotoren Katalysatoren.
Raimund Hofbauer

Bezüglich der "Betriebsgenehmigung" ist es so, dass sie seinerzeit auf Grund (nicht vorhandener) Normen erteilt worden ist und der Gesetzgeber es verabsäumte, im Nachhinein entsprechende Auflagen zu stellen. Es gibt solche "Logiken" auch zB bei Brandschutzauflagen im öffentlichen Schienenverkehr: da dürfen U-Bahnen oder Strassenbahnen aus anno Schnee fahren, obwohl sie in keiner Weise den heutigen Brandschutzanforderungen entsprechen. - Und neu gebaute, wesentlich sicherere Fahrzeuge bekommen keine Betriebsgenehmigung, weil sie vor "Kaprun" zu bauen begonnen worden waren und erst nach dem Erlass der entsprechenden Schutzvorschriften fertiggestellt wurden...
trazenje

Ein Partikelfilter funktioniert -stark vereinfacht- in etwa so. Der Abgasstrom wird im Partikelfilter durch ein feinporiges Material "geschickt". In diesem feinporigen Material lagern sich die Partikel ab. Um eine Information über den Beladezustand des Filters zu bekommen, wird der Druck im Abgasstrang einmal vor und einmal nach dem Filter gemessen. Der resultierende Differenzdruck gibt Aufschluss über den Beladegrad. Ab einem bestimmten Beldadegrad bzw. Differenzdruck wird der Partikelfilter freigebrannt um den Staudruck nicht zu stark ansteigen zu lassen. Dies hätte negative Auswirkungen auf den Betrieb des Motors. Zu diesem Zweck erfolgt eine mehrmalige gezielte Nacheinspritzung (Einspritzung in den Brennraum während des Expansions- bzw. Ausschubtaktes) um den Abgasstrang stark zu erwärmen. Diese Temperaturerhöhung ist notwendig um das Freibrennen des Partikelfilters zu starten. Der Fahrer merkt von diesem Vorgang im Normalfall nichts.

Ein wesentlicher Faktor in der Partikelproblematik ist auch die größe der ausgestoßenen Partikel. Da diese ab einer gewissen Größe bis in die Lunge des Menschen gelangen und sich dort ablagern können.
maxz


Um die Feinstaubproblematik in den Griff zu bekommen, hat die steirische Landesregierung vier Sanierungsgebiete definiert. Nur in einem der vier Gebiete, nämlich dem Großraum Graz, können Fahrverbote aufgrund der hier besonders starken Verkehrsbelastung erlassen werden. Gerade im Bereich Graz ist es daher nicht richtig, dass der Verkehr nur zu einem kleinen Teil der Emissionen beiträgt.

Auch während bestehender Fahrverbote dürfen Kfz, die mit einem Dieselmotor ohne Partikelfilter ausgestattet sind, betrieben werden, sofern sie maximal 0,025g PM10 pro km ausstoßen. Im Klartext bedeutet das, dass nur Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 3 (im Bereich des Partikelausstoßes) oder schlechter mit einem Partikelfilter nachgerüstet werden müssen, um einem Fahrverbot zu entgehen.
ger