unbekannter Gast
Frage:

Wie funktioniert das Lindeverfahren?
maxz

Antworten:

Gase erwärmen sich beim Verdichten und kühlen sich beim Entspannen (=Druck wird gemindert)wieder ab.

Diesen Effekt kann man bei einer Spraydose beobachten. --> sprüht man länger, wird die Dose kalt.
chrissy

Detail am Rande - das Lindeverfahren hat auch einen Österreichbezug. Ich hab mir erlaubt, den Artikel, zumal er aus der Presse ist, einzuscannen:

[NN]: Das Bier, das aus der Kälte kommt. In: Die Presse, Niederösterreich-Jorunal, 22.01.2001.
In Schwechater Kesseln wurde vor 160 Jahren das erste untergärige Lagerbier der Welt erfunden: Eine kleine Geschichte österreichischer Braukunst.
WIEN (w. g). Jedem Bundesland sein Bier: Den Vorarlbergern ist ihr Fohrenburger heilig, die Salzburger schwören auf Stiegl, und die Steirer sind auf Gösser oder Puntigamer stolz.
Auch für die Niederösterreicher haben einen bevorzugten Gerstensaft: das Schwechater. Wer - den Blick in den Schaum und die Hand fest ans Glas gepresst - den ersten Schluck nimmt, denkt wohl kaum daran, dass er auch ein Produkt niederösterreichischen Erfindergeistes trinkt. Das untergärige Schwechater-Lagerbier. Denn wer Bier bestellt, bekommt genau dieses ins Seidel oder Krügel gefüllt: Kein Wunder, dass es die mit Abstand meistgetrunkene Biersorte des Landes ist.
Für die Revolution
Der Bierbrauer Anton Dreher senior stellte 1841 in der .Klein-Schwechater Brauerei" das erste untergärige Lagerbier der Braugeschichte her. Es trat einen beispiellosen Siegeszug an: Schon 1848 wurde die Produktion vervierfacht - auch um die revolutionären Kehlen zu wässern.
Dreher, und nach ihm sein Sohn Anton Dreher junior, errichteten das größte Bräu-Imperium der k.u.k. Monarchie. Manche Braumeister wanderten aus und brachten die Kunst der Lagerbierherstellung nach Mexiko, Kanada, Australien und in die USA. Weltweit wurde die in Schwechater Sudkesseln geborene Biersorte zur meistgetrunkenen: Man spricht im Englischen vom .Vienna Lager Style.
Untergäriges Bier wird mit untergäriger Hefe hergestellt. Wegen ihrer geringen Größe sinken diese Hefezellen beim Gärungs- und Reifeprozess zu Boden, daher der Name. Untergärige Hefe erledigt ihre Arbeit - die Vergärung von Zucker in Aromastoffe, Kohlensäure und natürlich Alkohol - bei kühlen Temperaturen: Zwischen sechs und neun Grad Celsius fühlt sie sich am wohlsten. Darüber bleibt sie weitgehend inaktiv.
Diese niedrigen Temperaturen konnten die Braumeister früherer Jahre technisch jedoch kaum erreichen. Bis 1841 waren daher nur obergärige Biere wie Weißbier, Altbier oder Kölsch üblich. Deren Hefe taut zwischen 15 und 20 Grad Celsius so richtig auf. War der goldene Trank gebraut, empfahl sich sein baldiger Konsum. Die ungekühlt nach wie vor aktiven Hefen machten das Bier nämlich
schon nach wenigen Tagen ungenießbar.
Dreher senior erkannte den Vorteil der untergärigen Hefe. Mit ihr ließen sich länger lagerfähige Biere herstellen. Dazu musste er aber erst das Kühlproblem lösen. Zu diesem Zweck legte er riesige Keller und Gruben an, in denen Eis zur Kühlung der Sudkessel gelagert wurde. Die Herstellung sowie Einlagerung untergärigen Bieres war nun für die Hälfte eines Jahres möglich.
Vom Bier zur Kältetechnik
Der eisfreie Winter 1872 nötigte den Sohn, Anton Dreher junior, sich nach technischen Kühlmethoden umzusehen. Der deutsche Physiker Carl von Linde konstruierte im Auftrag Drehers 1877 die erste Kühlmaschine. Sie wurde in der Brauerei von Triest eingesetzt und ermöglichte die ganzjährige Lagerbierproduktion. So trug Bier sogar zur Entwicklung der modernen Kältetechnologie bei.
.Bier wird heute leider als Konserve betrachtet", sagt Johann Brück, der Braumeister von Schwechat, mit einem Anflug von Traurigkeit. Das beste Bier sei das frische Bier. Es sollte gleich getrunken werden, meint der Herr über 900.000 Hektoliter Bier, die jährlich die Brauerei Schwechat verlassen. Mit Hingabe weist er auf das neue, unfiltrierte Zwickl Bier hin. Die Flasche trägt einen Abreißverschluß. Schon "Mundl" Edmund Sackbauer riss fluchend an einem solchen. Der Verschluss sei ein Rückgriff auf alte Werte. Aber Bier solle ja - so wie früher - gleich getrunken werden. Und damit hat er eigentlich Recht.
www.bbag.com/brunion/schwech
www.bier.de
www.beer.com
joadl

Hallo maxz,
Nachtag zur Antwort von chrissy am 30.10.06 (17:41:48): Das dem Lindeverfahren zugrunde liegende physikalische Prinzip, nämlich die Ausdehnung von Gasen ohne Verrichten von Arbeit heisst "Adiabatische Ausdehnung".
trazenje

Nach dem Linde-Verfahren wird Luft angesaugt und zusammen gepresst. Durch das Zusammenpressen steigt die Temperatur der Luft. In einem Kühler wird sie vorgekühlt. Dehnt sich die Luft wieder aus, sinkt ihre Temperatur. Bei Druckerniedrigung um 1 bar sinkt die Temperatur um ca. 1/4 .C. Die Temperatur sinkt unter die ursprüngliche Temperatur, da die Luft im Kühler vorgekühlt wurde. Der Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die Luft bei -200.C kondensiert. Durch Destillation der flüssigen Luft lassen sich nun die einzelnen Bestandteile der Luft trennen.
elmar

PS: es geht auch umgekehrt: Wärmepumpen entnehmen die dem komprimierten Medium die thermische Energie.
trazenje