unbekannter Gast

Frage:

Spielt die Drehrichtung einer Schiffsschraube bei der präzisen Navigation eines Motorbootes, wie zum Beispiel beim Anlegen, eine Rolle? Und wenn ja, erkläre bitte die physikalischen Zusammenhänge.
flo

Antworten:

Ich habe dazu keine Antwort gefunden, aber eine interessante Geschichte:

Die Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern der Schiffsschraube und denen des Schaufelradantriebs wurde in Form eines Wettkampfs herbeigeführt. Mitten in der Nordsee wurden im April 1845 die Rattler, erstes schraubengetriebenes Schiff der Royal Navy, und die schaufelradgetriebene Alecto am Heck mit Tauen aneinander gebunden. Auf das Startsignal hin fuhren beide mit ihren 200-PS-Dampfmaschinen in entgegengesetzter Richtung. Die Sache war rasch entschieden: Die Rattler zog die Alecto mit sage und schreibe 2,8 Knoten (5,2 km/h) hinter sich her.
Leo

Die Antwort ist gar nicht so leicht zu beantworten, da man sehr viele Anwendungen unterscheiden muss. Die sichtbaren Schiffsschrauben (unter dem Schiffsrumpf) bei zweiwellig gleitenden Schiffen drehen meist nach außen (die rechte nach rechts, ergo die linke nach links). Wichtig ist eigentlich nur, dass beide Propellerschrauben in unterschiedliche Richtungen drehen. Wäre das nicht der Fall, würde das Schiff bei der Fahrt in eine Richtung wegdriften. Im Hafen wäre dies gar nicht so entscheidend, da die Ruderstellung entscheident ist. Wobei hier auch wieder verschiedene Anwendungen verschieden reagieren. Oberflächenpropeller (der größte Teil der Schraube(n) sind im Wasser), an schnellen Yachten, verhalten sich anders als Unterwasserpropelle. Bei diesen ist entscheidend, in welche Richtung ich einparke: den rechtsdrehenden Propeller wenn ich nach rechts manövriere und den Linken für die linke Richtung ... Bei diesen Aussenboardmotoren werden oft die ganze Motoreneinheit, manchesmal auch nur die Schraubeneinheit, unabhängig vom Schiffskörper zu Manövrierzwecken gedreht.
Die Ausnahme in diesen Antriebskonzepten bildet der Waterjet. Dieser Antrieb spült Wasser von "unten nach hinten" wie eine Pumpe. Hier gibt es also keinen direkten Kontakt der Propeller im offenen Wasser, sondern erst im Ansaugrohr. Hier drehen fast alle Propeller in eine Richtung. Vorteil: die Getriebe sind etwas leichter und einfacher konstruiert, zumal sie auch gar keinen Rückwärtsgang brauchen. Bei vielen Jettriebwerken wird ganz einfach das Ausstossrohr zum Manövrieren gedreht. (Antwort von einem guten Bekannten "Andre`" der Waterjetelektroniker ist)georg

Natürlich spielt die Drehrichtung des Propellers eine gewichtige Rolle beim Anlegen im Hafen mit einer Yacht (Motor- oder Segelyacht), egal ob am Steg angelegt oder in eine "Box" gefahren wird. In der Regel hat man es mit rechtsdrehenden Props zu tun und jeder der schon einmal mit einem Segelboot unterwegs war, kennt das Problem des "Versatzes" durch den Propeller. Auch Katamarane haben das gleiche Problem, da man aus Kostengründen bei beiden Motoren geich drehende Propeller verwendet. Auf längere Strecken merkt man kaum was davon, da der "Versatz" durch ein gutes Ruder kompensiert wird. Am Besten kann man das physikalisch verstehen, wenn man sich statt des Propellers ein kleines Schaufelrad vorstellt
Ali Baba