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Elisabeth Rieger#

* 30. Juni 1915 in Wien

† 21. Februar 2009 in Matrei am Brenner


Künstlerin, Galeristin des "Alten Lanthaler Hofs", in Mühlbachl / Matrei am Brenner,
Mitglied der Tiroler Künstlerschaft von 1974 bis 2007.

Rieger Elisabeth

Umfangreiches künstlerisches Schaffen in zwei verschiedenen Richtungen:

  • Keramiken: Statuen, kleine Büsten, Schalen, Dosen, Becher, Krüge, Vasen und Schmuck.
  • Werke der Handwebekunst: Tücher, Decken, Ponchos, Bänder, feine textile Bild-Objekte, Wandbehänge, und große Wandteppiche.

Leben und Arbeit#

Elisabeth Helene Agnes Rieger, geborene Hofmann, kam am 30. Juni 1915 in Wien zur Welt.

Ihr Vater war der Bildhauer Prof. Alfred Hofmann, Mitglied Wiener Secession, von 1906 bis zu deren Auflösung durch die NSDAP 1939.
Hofmanns waren ursprünglich Seidenweber aus Böhmen, die ab etwa 1860 mit einem Geschäft auf der Wollzeile in der Wiener Innenstadt auftraten.
Sie wuchs teils in Wien auf teils, in Preßburg / Bratislava. In Wien wurde Fr. Rieger in Kunst von ihrem Vater in Bildender Kunst unterwiesen, in Preßburg erlernte sie Seide, Wolle und Leinen färben und zu weben.
Sie besuchte die Kunstschule in Breslau, die sie aber nicht beenden durfte.

1937 heiratete sie, zog nach Schlesien und wurde Mutter von 6 Kindern, deren eines, Renate Baumgärtner, geb. Rieger, ihrer Mutter in künstlerischer Hinsicht folgt.

Während des 2. Weltkriegs verschlug es sie mit ihren Kindern nach Augsburg, von wo sie dann nach Tirol zog.

Sie stellte die Zirmach-Alm im Stubaital wieder her und bewirtschaftete diese von 1964 bis 1976.
Sie stellte dort Kunstgegenstände her und verkaufte sie. Damit konnte sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreiten. Elisabeth wurde dadurch weithin bekannt und, freundlich-wohlwollend, "die Hex von der Zirmach-Alm" bezeichnet.


Bild 'Alter Lanthaler Hof'
Bild 'hof b+w'
Bild 'im Lantaler Hof 02 web'



Ab September 1973 pachtete sie den ca. 300 Jahre alten "Alten Lanthaler Hof" in Matrei am Brenner, adaptierte ihn zusammen mit ihren Kindern und richtete ihn als Werkstätte für Workshops und als Ausstellungsgebäude ein.

Von 1974 an, bis 2007 machte sie den "Alte Lanthaler Hof" zu einer regional, wie international bedeutsamen, hoch frequentierten Kunstgalerie.
Es gab zeitlich begrenzte, wie auch eine permanente Ausstellung, von Kunstgegenständen und Kunsthandwerk sowie Verkauf derselben.
Natürlich stellte sie hier auch ihre eigenen Werke aus.

Darstellung von Wasser mit keramischen Mitteln.
Darstellung von Wasser mit keramischen Mitteln.

1974 trat Fr. Rieger als aktives Mitglied der Tiroler Künstlerschaft bei.

Ab 1975 hielt sie "Offne Tage im Alten Lanthaler Hof“ ab.
Diese waren ein jährlich wiederkehrender, ca. 2 Monate dauernder, international offener Kunstmarkt und Kunsthandwerksmarkt. Er wurde von vielen Interessierten besucht und war durch gute Verkäufe ausgezeichnet.
Elisabeth Rieger organisierte und bewarb die "Offenen Tage" größtenteils persönlich und allein.
Während der Offenen Tage mußten aber die Künstler und Kunsthandwerker persönlich anwesend sein, damit der Kontakt, das Gespräch, mit ihnen ermöglicht sei. Das war ihr wichtig.
Zur Förderung von Kunst und Kunstverständnis veranstaltete Elisabeth Rieger Seminare Aus- und Fortbildungskurse Kurse in den Räumen des alten Bauernhofs. Einer ihrer Sätze war:
"nur kunstverständiges Publikum kauft auch Kunst

Reisen Fr. Elisabeth Riegers nach St. Petersburg und Peru veränderten den Stil der Kunstgegenstände, die sie fertigte, sowohl in den Keramiken, als auch in den textilen Objekten.
Die Ausdrucksformen der präinkaischen Kulturen der peruanischen Pazifikküste, insbesondere die Paracas-Kultur, mit ihren extrem fein gesponnenen und gewobenen Textilien, fanden Niederschlag in ihren Werken, Fachgesprächen und Ausbildungskursen im "Alten Lanthaler Hof", von und mit Fr. Elisabeth Rieger.

Elisabeth Rieger verstarb am 21. Feber 2009, 94-jährig. Sie ist in Matrei am Brenner begraben.

Eng verbunden mit dem Wirken von Elisabeth Rieger, wurde ihre Hauptwirkstätte, der "Alte Lanthaler Hof" aufgelassen, nachdem sie ihn 2007, altersbedingt, verlassen mußte. Er wurde, in weiterer Folge, abgetragen.


Bild 'Streifen web'


Elisabeth Rieger – die Aktive#


Selbst klein von Statur, Elisabeth Rieger fuhr mit ihrem Kleinwagen tausende von Kilometern, um für die Tiroler Künstlerschaft und sich Kontakte zu pflegen, um Ausstellungen zu beliefern und um sich an Fachgesprächen zu beteiligen.

Ihr Bekanntheitsgrad wuchs schnell. Bald standen ihr Name und der des "Alten Lanthaler Hofs" als Schwerpunkte für Kunst und Kunstförderung in Tirol.

Unterstützend und in Anerkennung ihrer Aktivitäten erhielt Elisabeth Rieger vom Land Tirol dafür Förderungen für die Galerie, wie auch für Märkte.

Der "Alte Lanthaler Hof" war Galerie, Seminarhaus, Künstlertreff, Künstlerwerkstatt, Diskussionsort und Markt, von ihr getragen. Elisabeth Rieger hielt ihr großes altes Haus stets für Freunde und Kunstinteressierte geöffnet.

Es war ein Ort der Begegnung und Kommunikation, für Kunsthandwerkskurse, Informations-Weitergabe, Tee-Stunden und Diskussionen.

Zum großen Kreis der Personen, die man bei Elisabeth Rieger im "Alten Lanthaler Hof" antreffen konnte, gehörten, neben der einheimischen Bevölkerung, Mitglieder der Tiroler Künstlerschaft, Weber aus diversen europäischen Ländern, die peruanische Künstler und Schamanen Don Eduardo Calderon Palomino und Agustin Rivas Vasquez wie auch ihre persönlichen Freunde Wilhelmine und Arnold Keyserling.

Zu den Künstlern, die hier ausstellten und verkauften, gehörten, neben anderen, die tiroler Künstler Herbert Danler, Angelika Defner, Michael Defner, Liesa Jenewein, Anne-Marie Julien-Klimbacher, Franz Josef Niederleimbacher, Walther Reitmair und Reiner Schiestl.


Eule
"Die Eule" von Elisabeth Rieger.
Signatur
Auf der Unterseite ihrer Keramiken ist ihre Signatur zu finden.



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--Waldbär der VI., 2012-03-29