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Altpernstein, Burg#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Bezirkshauptmannschaft: Kirchdorf an der Krems Oberoesterreich, Kirchdorf an der Krems

Gemeinde: Micheldorf in Oberösterreich Oberoesterreich, Micheldorf in Oberösterreich

Katastralgemeinde: Untermicheldorf Oberoesterreich, Untermicheldorf

Schloss Altpernstein, Bild © Alfred Havlicek
Schloss Altpernstein
Bild © Alfred Havlicek

Gut erhaltene Burg, die auf einer Felsklippe hoch über dem Kremstal steht. Der viergeschoßige langgestreckte Hauptbau ist über eine dreibogige Brücke erreichbar. Rittersaal, Burgkapelle mit Stuck (1628), Rüstkammer, ein Renaissancetor, Brunnen im Innenhof. Der Hauptbau trägt ein steiles Satteldach. Seine zahlreichen Fenster weisen darauf hin, dass zur Zeit seiner Erbauung bereits das Wohnbedürfnis im Vordergrund stand und man die Schutzfunktion etwas vernachlässigte. In seinen Untergeschossen waren fensterlose Verliese eingerichtet, zu denen ein verwinkeltes Treppensystem führt. Zur Zeit der Hexenprozesse waren hier einige „Zauberer“ untergebracht.

1177-1200 urk. erwähnt. Die Burg dürfte aber deutlich älter sein und auf eine romanische Kleinburg zurückgehen. Möglicherweise befand sich hier bereits im 11. Jahrhundert eine Wehranlage zum Schutz vor Einfällen aus dem Osten.

Besitzer waren: Pillung von Pernstein, die Truchsen, die Herren von Wallsee, die Liechtenstein, die Jörger und die Heberstorff.

Schloss Altpernstein, Bild © Österreich Werbung
Schloss Altpernstein
Bild © Österreich Werbung
Die Jörger waren offen für religiöse Neuerungen und vertraten den Protestantismus. 1620 verlor der am protestantischen Adelsaufstand gegen den Kaiser führend beteiligte Karl Jörger seinen gesamten Besitz durch Enteignung. Anschließend gelangte die Burg an den durch die blutige Niederschlagung des oberösterreichischen Bauernaufstandes berüchtigten bayerischen Statthalter von Österreich ob der Enns, Adam Graf Herberstorff. Seine Witwe verkaufte Pernstein 1630 dem Stift Kremsmünster, dem es auch heute noch gehört. Dieses ließ wegen der drohenden Türkengefahr gegen Ende des 17. Jh. die Wehrhaftigkeit der Anlage durch den Ingenieur Le Maitre verbessern. 1689 wurde die Burg durch Blitzschlag und durch Brand beschädigt. Die Burg wurde in den folgenden Jahrhunderten nicht sehr gepflegt, aber sie wurde doch nie zur Ruine. Meist war sie von Jagdpersonal bewohnt.

Die Schlosskapelle liegt über dem inneren Teil der 11 m langen tonnengewölbten Durchfahrt. Sie ist ein zweijochiger gewölbter Raum, der 1626/29 unter Adam Graf Herberstorff mit reichem Stuck ausgestattet wurde. Am Altar steht eine Kopie der sog. Pernsteiner Madonna. Das Original aus dem späten 15. Jahrhundert wird aus Sicherheitsgründen im Stift Kremsmünster verwahrt. Die Verehrung dieses gotischen Gnadenbildes erfuhr um die Mitte des 19.Jahrhunderts eine Blütezeit. Reichlich Wallfahrten zur "Lieben Frau von Pernstein" wurden durchgrführt. Auch das Sensenschmiedehandwerk kam im 19. Jahrhundert zur Blüte.

1946 verpachtete Kremsmünster Altpernstein an die Diözese Linz, die es in den Jahren 1948 bis 1957 restaurieren ließ und seither als katholisches Jugendheim und als Tagungsstätte für religiöse Veranstaltungen benützt.

Teile der Burg sind heute mit modernem Komfort ausgestattet. Auch ein Burgstüberl ist eingerichtet. Die Burg ist Dienstag bis Sonntag 9-18 Uhr geöffnet.


Eigentümer: Seit 1629 Stift Kremsmünster

Quellen#

Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:

www.burgen-austria.com

Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann

und mit Webrecherchen.

Literatur#

  • Dehio Oberösterreich, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich, ErwinHainisch (bearb. von Kurt Woisetschläger), hg. vom Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes, 6. Aufl., Wien 1977, Seite 231.


Redaktion: K. Ziegler