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Am Hof, Wien 1 Am Hof, Wien 1 #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Auf dem Platz Am Hof hat man schon um 1280 Markt gehalten und auch in der Gegenwart wird er zeitweilig zu diesem Zweck genutzt. Der Platz verdankt seinen Namen der Babenberger-Pfalz. Er entstand innerhalb der römischen Lagermauern, Baureste des Legionslagers Vindobona sind unter dem Haus Nr. 9 museal konserviert. Mitte des 12. Jahrhunderts verlegte Herzog Heinrich II. („Jasomirgott“, 1107-1177) seine Residenz nach Wien. Die Babenbergerresidenz war keine wehrhafte Burg, sondern ein Gebäudekomplex mit dem Wohnhaus des Herzogs. Im Norden und Osten schützten Tore den Platz.

1340 bestand Am Hof ein Markt für Kleidung, Ende des 14. Jahrhunderts war der Platz ein Zentrum des Textilverkaufs. 1404 war von Haubenmachern die Rede, 1419 von „Gewandhütten“. 1358 handelte man Am Hof mit Wein, später wurden auch Fische und Krebse verkauft. Auch andere Lebensmittel, wie Obst und Gemüse oder Brot auswärtiger Bäcker, gelangten Am Hof zum Verkauf. Die erste Käsehandlung Wiens befand sich 1683 im Haus Nr. 5. Seit 1842 stand der Christkindlmarkt immer wieder Am Hof, ab 1973 vorübergehend der Flohmarkt.

Ausführlich schilderte der Chronist Wilhelm Kisch „das Volksleben am Hof“: „Maria Theresia und Joseph II. widmeten demselben eine besondere Aufmerksamkeit und die Abend-Serenaden, die von der Militärmusik ausgeführt wurden, zogen stets eine große Menschenmenge herbei, die oft bis spät in die Nacht zur Sommerzeit zu promenieren pflegte. [...] Viele schöne weltliche Feste wurden hier begangen, so z.B. errichtete der Stadtrath am 13. April 1741, wie aus den Stadtrechnungen zu ersehen ist, einen großartigen ‚Freudentempel‘ zur Feier der Geburt des Kronprinzen Josef und führte vor dem Tempel einen Brunnen auf, aus dem den ganzen Tag über rother und weißer Wein floß. Ganz Wien und das Landvolk nahmen an diesem hoch patriotischen und bedeutsamen Feste den herzlichsten und aufrichtigsten Antheil.“

Um 1400 entstand die Karmeliterkirche „Zu den neun Chören der Engel“. Die dreischiffige Hallenkirche, deren gotischer Chor auf dem Schulhof genannten Platz zu erkennen ist, verfiel in der Reformationszeit. 1554 übergab sie Ferdinand I. (1503-1564) der Gesellschaft Jesu, wobei Petrus Canisius (1521-1597) ihr erster Rektor wurde. Nach einem Brand vergrößerte der Orden das Gotteshaus 1610 im „Jesuitenbarock“. Charakteristisch ist die 1662 vorgebaute Westfassade mit einem Balkon, der an die römische Kirchenarchitektur erinnert. Die bis 1773 von den Jesuiten betreute Kirche ist Mittelpunkt der von ihnen geförderten Verehrung des hl. Judas Thaddäus. Hunderte Votivtafeln im Eingangsbereich sind dem Helfer in aussichtslosen Anliegen gewidmet. Nachdem Papst Clemens XIV. (1705-1774) den Orden aufgehoben hatte (1773-1814), hatte die Militärverwaltung im ehemaligen Konventsgebäude ihren Sitz. Zu Ostern 1782 spendete Pius VI. den Segen vom Balkon der Kirche am Hof. Er war gekommenm, um Kaiser Joseph II. von seinen Reformen in Kirchensachen abzubringen, was dem heiligen Vater aber nicht gelang.

Den Platz Am Hof ziert eine Mariensäule. Ferdinand III. (1608-1657) gelobte ihre Errichtung im 30-jährigen Krieg. Vorbild der Marmorsäule zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis war die Münchener Mariensäule. 1667 abgetragen, kam die Wiener Marmormadonna zum Schloss Wernberg am Inn (Oberösterreich). An ihre Stelle trat, mit gleichem Motiv, ein Metallmonument mit zwei Springbrunnen. Die krönende Figur der Immaculata ist aus Bronze, die vier Figurengruppen am Sockel sind aus Erz gegossen. Sie zeigen geharnischte Putten, die gegen allegorische Tiere kämpfen. Diese Gruppen erinnern an alte Darstellungen der Apokalyptischen Reiter. Deren Symbole (Tod, Pest, Krieg, Hungersnot) wurden jedoch im Sinne der Gegenreformation auf „Ketzerei“, Pest, Krieg und Hungersnot abgeändert.

Markante Gebäude sind das Haus Nr. 7, das Märkleinsche Haus, eines der schönsten barocken Wiens, nach Plänen Johann Lukas von Hildebrandts errichtet, und das Haus Nr. 9, das Unterkammeramtsgebäude, in dem sich die Geräte der Feuerwehr und die Dienstwohnung des Bürgermeisters befanden. Zur Feuerwehrzentrale wurde Ende des 19. Jahrhunderts das Haus Nr. 10, das ehemalige bürgerliche Zeughaus. Beim Umbau gestaltete Anton Ospel (1677-1756) nach französischen und spanischen Vorbildern seine charakteristische Giebelfassade. Sie ist mit Figuren von Lorenzo Mattielli (1687-1748) gestaltet. Die Allegorien der Beharrlichkeit und Stärke tragen eine vergoldete Weltkugel und symbolisieren den Wahlspruch Karls VI. (1685-1740) „Constantia et fortitudo“. Beim Haus Nr. 11 erinnert der Name Ledererhof an das Gewerbe, das hier seit dem 14. Jahrhundert sein Zunfthaus und eine Herberge hatte. Das barocke Urbanihaus Nr. 12 zeigt über den Erkern ein Muttergottesrelief. Sein schmiedeeisernes Geschäftszeichen verweist auf das Gasthaus und den Weinkeller. Das Palais Collalto, Am Hof 13/Schulhof 8, befindet sich an der Stelle des Jesuitenkollegiums, eine Tafel erinnert an das erste öffentliche Auftreten des sechsjährigen Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).

Quelle#

  • Helga Maria Wolf. Die Märkte Alt-Wiens. Geschichte & Geschichten. Wien 2006


Redaktion: hmw