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Anklöckler#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Für den vorweihnachtlichen Heischebrauch sind regional verschiedene Bezeichnungen üblich: Anklöpfeln, Anglöckeln, Klöpfeln, Glöckeln. Es geht nicht um Glocken, sondern um das Anklopfen.

Dramatisch lässt Matthäus Jesus beim Weltgericht zu den Gerechten sagen: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen ... Amen, das sage ich euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25, 35-40) Dementsprechend legte ein Salzburger Erzbischof schon 799 die Grundzüge der Fürsorge fest: Viermal im Jahr, u.a. am Samstag vor Weihnachten, sollten Armenmähler gegeben werden. Die Motivation lag vor allem in der Hoffnung, sich durch gute Werke Eingang in ein besseres Jenseits zu verschaffen. Die Armen trugen durch ihre Gebetsleistung für die Spender weiter dazu bei.

Die biblische Mahnung zur Umkehr („... dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft...“ Lk. 13, 25-30) erklärt auch das Auftreten der Klöpfler oder Klöckler. Sie ziehen an den drei Donnerstagen vor Weihnachten von Haus zu Haus, klopfen an, wünschen Glück und werden dafür belohnt. Der älteste bekannte Beleg aus einem Augsburger Kloster geht auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurück: „Der Adventt pringet dir hohen mutt / das ein ander zeitt nit tutt / wann die Clöpflinsnächt für ware / pringet dir glück und hayl zu diesem Jare / darumb magst du wol sein frisch und gail / Dann dir wirt vil freud zutayl...“ Sebastian Franck schildert den Brauch 1534 in seinem Weltbuch : „Drei Donrstag vor Weihnacht klopffen die maydlin und knaben von hauß zu hauß / durch die statt an den thüren an / die zukunft der Geburt des Herren verkündigende / unnd ein glückseliges jar den einwonern wünschende / darvon entpfahen sy von den haussessigen öpfel, biren nuß und auch pfennig zu lon“ . Während die gelehrten Reformatoren solches Heischen ablehnten, bestand es in den katholischen Gebieten Bayerns vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Die ganze Nacht hindurch zogen die jungen Leute von Haus zu Haus, klopften mit Stöcken an und sagten Verse wie: "… Will sie mir koa Küchl geb'n / Tua i's Haus auf d' Seiten leg'n / D'Henna tua i oi daschlong, / An Gockl recht im Hof rumjogn!" Nicht selten wurden die drastischen Strafandrohungen bei Gabenverweigerung in die Tat umgesetzt und zumindest die Fenster eingeschlagen.

1880 zogen im Rauriser Tal (Salzburg) die Anglöckler „schiach vermummt“ von Hof zu Hof. Sie kritisierten die Bewohner und wünschten ihnen dann Glück. Nüsse waren ihr Lohn. Im Gasteiner Tal (Salzburg) klopften die unkenntlich gemachten Glöckler noch 1924 mit langen Stöcken an Fenster und Türen.

Das "Anklöpfeln" ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Heischebrauch. Als Hirten verkleidete Sänger und Musikanten gehen - ursprünglich an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte), jetzt auch an anderen Abenden - von Haus zu Haus. Sie singen Weihnachtslieder, werden zu einem Imbiss eingeladen und erhalten Geldspenden (in jüngster Zeit für karitative Zwecke). Ausführende sind Angehörige örtlicher Gruppen und Vereine oder Brauchpfleger. Außer traditionellen bieten sie auch neuere Weihnachtslieder dar und singen nicht mehr nur bei den Nachbarn, sondern auch bei Feiern und anderen Veranstaltungen.Der Brauch wurde 2011 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich (Bereich Gesellschaftliche Praktiken) aufgenommen.

Quellen#

  • Helga Maria Wolf: Weihnachten Kultur & Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005
  • UNESCO


Redaktion: hmw