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Ante pante populore#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Kirchleintragen in Eisenkappel
Kirchleintragen
© Alex Harisch

Bis vor circa 40 Jahren war "Maria Lichtmess" das Schlussfest der Weihnachtszeit. Im Allgemeinen römischen Kalender von 1969 heißt es jetzt "Darstellung des Herrn". Geblieben ist aber eine Reihe von Lichterbräuchen um den 2. Februar. Eine Spezialität ist das "Kirchleintragen" im Kärntnerischen Eisenkappel, der südlichsten Marktgemeinde Österreichs.

Eisenkappel verdankt seinen Namen einer erstmals im 11. Jahrhundert genannten Kapelle. Der 13 km lange Gebirgsbach Vellach betrieb Eisenhämmer, die den Bürgern Wohlstand brachten. Er konnte aber auch wild und gefährlich werden. Daher kommt der Brauch des "Ante Pante". Als die Vellach Hochwasser führte, flüchteten die Bewohner zur höher gelegenen Wallfahrtskirche Maria Dorn. Sie fertigten ein beleuchtetes Kirchenmodell an und übergaben es der reißenden Flut. Daraufhin, so heißt es in der Überlieferung, ging das Hochwasser zurück und die Bewohner gelobten den Brauch für jedes Jahr. Vor 200 Jahren trugen fünf Männer ein großes Kirchenmodell zur Vellach. Dazu wurde das Evangelium des Lichtmesstages vorgetragen, in dem es heißt "… Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet…" Heute basteln die Schüler hunderte Kirchlein. A m Lichtmess-Vorabend (1. Februar) ziehen sie damit durch den Ort und rufen "Ante pante populore, Kozelna vrate cvilelore". Bei der Brücke setzen sie die Modelle ins Wasser. "Ante faciem omnium populorum" (Vor dem Angesicht aller Völker) geht auf den Evangelientext zurück. Der slowenische Reim "Kozelna vrate cvilelore" (...dass die Tür beim Haus Kozel knarrte) kam scherzhaft dazu.

Lichterprozessionen Anfang Februar gab es bei den alten Römern ebenso wie in der frühen Kirche. Seit dem 10. Jahrhundert ist die Segnung von Kerzen für den kirchlichen und häuslichen Gebrauch überliefert. Das fromme Volk erwartete von ihnen Hilfe bei Unheil, Krankheiten und Wetterkatastrophen. Dass man "das Feuer ins Wasser trägt", ist auch zu anderen Festen und andernorts Brauch, bei Weihnachtsorakeln im alten Wien oder den mit Kerzen besteckten Nikolausschiffchen in der Wachau. In Bayern lässt man Lucienhäuschen schwimmen. Goethe beschrieb das Lichterschwemmen am St. Nepomuks-Vorabend in Karlsbad. In früheren Zeiten wurden Bräuche oft nationalistisch gedeutet. Das Kirchleintragen beweist das Gegenteil. Deutsch- und slowenischsprachige Kärntner begehen es miteinander.

Quellen#

  • Kurt Grafschafter: So ist's Brauch in Kärnten. Klagenfurt 1999. S. 22
  • Dietz-Rüdiger Moser: Bräuche und Feste. Graz 1993. S. 283

Redaktion: hmw