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Arzberger Bergbau#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Pfarrkirche des heiligen Jakobus der Ältere
Die Kirche von Arzberg. Gegenüber das Heimatmuseum
Foto: H. Maurer

Die Gemeinde Arzberg Arzberg, Steiermark liegt ca. 30 km nordöstlich von Graz in einer hügeligen bis bergigen Gegend am oberen Ende der Raabklamm mit einem der schönsten Wanderwege in dieser Gegend.

Zuerst ins Auge sticht beim Besuch von Arzberg die Katholische Pfarrkirche des heiligen Jakobus der Ältere und der blumengeschmückte Friedhof mit Ummauerung und Initienkapellen.

Berühmt ist aber Arzberg durch seine jahrhunderte lange Rolle als Bergbauort, in jüngster Zeit aber auch durch den Käsestollen (siehe getrennten Beitrag).

Die Bergbautätigkeit im Raum Arzberg reicht bis in das frühe Mittelalter zurück. Die erste urkundliche Erwähnung von Arzberg (Aerzeperck) findet sich in einer Schenkungsurkunde vom 12. Juli 1242.

Die Bedeutung der Bergbautätigkeit ist aus der „Rechberger Bergordnung“ erkennbar, die den Abbau rechtlich regelte. Beim Abbau kann man vier Perioden unterscheiden:

(1) Die mittelalterlich-frühneuzeitliche Gewinnung von silberhältigem Bleiglanz als Rohstoff für eine beachtliche Silbererzeugung

(2) Die Gewinnung von silberhältigem Bleiglanz und Zinkblende zur Silber- und Bleierzeugung im 18. und 19. Jahrhundert

(3) Die Gewinnung von silberhältigem Bleiglanz und Zinkblende zur Gewinnung von Blei, Zink und Silber im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Die Bergbautätigkeit wurde in Arzberg 1927 endgültig eingestellt

(4) Eine erneute Untersuchung der Lagerstätten von 1973- 1975 unter wesentlicher Beteiligung von Leopold Weber von der Bleiberger Bergwerks Union z.B. durch Tiefbohrungen und geologische Kartierungen haben mit seiner Unterstützung nach umfangreichen Renovierungen zur Eröffnung des Abbaugebietes als Schau- und Lehrstollen 1995 geführt: dabei wird unter Führung ein großes Stollensystem erschlossen und erläutert.

Im Bild sieht man rechts die Kirche eingzeichnet.

Vis-a-vis davon ist das Heimatmuseum und dort meldet man sich für eine Führung an.

Dann geht man oberirdisch durch das Dorf, über den Fluss (die Raab) und an der alten Säge vorbei bis zum Eingang des Raabstollen (neben dem sich übrigens auch der Eingang des Käsestollen, siehe getrennter Beitrag) befindet.

Im Rahmen einer Führung geht man durch den Raabstollen, sieht in Nischen alte Geräte und Abbaustellen, durch vertikale Schächte auf tiefer gelegene Ebenen mit klarem Wasser. Schließlich kommt man beim Erbstollen tiefer als der Eingang des Raabstollen und unweit der Kirche wieder ans Licht.

Eingang Raabstollen
Otto Schinnerl vor dem Eingang zum Raabstollen
Foto: H. Maurer

Einer der Führer ist der ehemalige Direktor der Volksschule, Otto Schinnerl. Die Bilder stammen aus einer Führung unter seiner Leitung und wurden direkt oder von Schautafeln vom Verfasser dieses Beitrags aufgenommen. Während der Führung erfährt man von der geologischen Geschichte, über Geräte, Erzaufbereitung und Leben unter Tag viel Interessantes, das hier nur ansatzweise und nur mit wenigen Bildern (alle frei verwendbar) widergegeben wird:

Die Gesteine und Erze dieser Lagerstätten entstanden im Erdaltertum vor rund 400 Millionen Jahren. Damals waren große Teile des Grazer Berglands (bis in die Südsteiermark) von einem Meer bedeckt. Es gab gewaltige unterseeische Vulkanausbrüche, die metallhaltigen Schlamm nach oben (Meeresboden) spülten. Durch den Druck der afrikanischen Platte auf die europäische, die zur Auffaltung unserer Gebirge und Anhebung des Bodens kam verschwand das Wasser und erzhaltige Verwerfungen entstanden in den Bergen.

Der Abbau in Arzberg erfolgte zunächst zur Silbergewinnung: das Silber wird zusammen mit Bleiglanz gefördert, lässt sich aber wegen der im Vergleich zum Silber niedrigen Schmelztemperatur (327 vs. 962 Grad) leicht vom Blei trennen. Eine Tonne Bleiglanz ergab 1/2 kg Silber. Im Laufe der Zeit wurde Blei wichtiger als Silber, und auch das vorhanden Zink (zur Messingherstellung notwendig) überflügelte Silber an Bedeutung.

Arzberg ist eines der wenigen Bergwerke, das (zeitlich gestaffelt) zuerst das Erz mit Hintos, später mit Hunten, aus den Stollen befördert.

Während anfangs nur mechanisch abgebaut wurde, verwendete man später Schwarzpulver (für allerdings nur kopfgroße Sprengungen). Ein effizienterer Abbau war erst später mit Dynamitversionen (z.B.Donarit) möglich, das man in geeignet angeordnete Bohrlöcher presste und dann in einer bestimmten Reihenfolge zündete.

Um sich zwischen den einzelnen Schachtebenen zu bewegen wurden Steigbäume für Menschen, und und Seilwinden zum Hochziehen von mit Erz gefüllten Kübeln verwendet. Der Grundwasserspiegel in der Höhle ist recht konstant, die Temperatur mit 6 Grad "erfrischend".

Steigbaum
Steigbaum
Foto:H. Maurer
Bohrer
Pressluftbohrer für Sprenglöcher
Foto: H. Maurer
Im Stollendunkel
Im Stollendunkel
Foto: H. Maurer
Heilige Barbara
Die heilige Barbara
Foto: H. Maurer
Tropfsteine an Stollendecke
Erste Tropfsteinbildung
Foto: H. Maurer
Erbstollen
Erbstollenausgang
Foto: H.Maurer
P1030546.JPG
Verwildertes Knappenhaus neben Ausgang
Foto: H.Maurer

Eine gute Darstellung als Flash File findet sich unter „Reise durch’n Berg“ unter http://www.arzberg.at einer insgesamt schön gestalteten Website.

Quellen#


Redaktion: H. Maurer