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Austropop#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Udo Jürgens
Udo Jürgens bei der Generalprobe des Großen Schlagerpreis der Eurovision in Luxemburg. 4. März 1966
© IMAGNO/Ullstein
Peter Alexander
Peter Alexander gibt Autogramme nach seinem Konzert in der Wiener Stadthalle. Photographie. 1971
© IMAGNO/Barbara Pflaum

Man könnten die Ursprünge des Austropop bereits im 19. Jahrhundert bei Nestroy und Raimund sehen, oder später bei Hans Moser, noch später bei Pirron und Knapp oder bei Gerhard Bronners "G’schupftem Ferdl". In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich der Schlager zu einer beliebten Musikrichtung: Udo Jürgens oder Peter Alexander feierten mit ihrer Mischung aus Popmusik, Schlager und Chanson in Österreich und Deutschland große Erfolge; die österreichische Pop- und Rockmusik war geprägt durch Imitation angloamerikanischer Popularmusikstile.

Wolfgang Ambros
Wolfgang Ambros. Photographie. 1.5.2001
© IMAGNO/Ullstein

Im Allgemeinen wird aber der Beginn des Austropop in den 1960er bzw. 1970er Jahren gesehen - mit der Hinwendung zur eigenen Sprache.

Eine Reihe von Künstlern sang im Dialekt - anfangs vor allem Wienerisch: unter den ersten populären Aufnahmen waren Marianne Mendts "Wia a Glock’n" (1970; Text: Gerhard Bronner) und Wolfgang Ambros’ "Da Hofa" (1971; Text: Joesi Prokopetz).

In den 1970ern war der Austropop eine Synthese aus Folkmusik, Folkrock, Beat- oder Rockmusik und österreichischen Elementen; die Musikproduktionen waren inhaltlich und sprachlich geprägt durch die Zusammenarbeit mit Josef Prokopetz (der die meisten Liedtexte verfasste) und Christian Kolonovits - der sie musikalisch arrangierte.

Daneben gab es viele Gruppen, die sowohl eine sprachliche, inhaltliche wie auch musikalische starke Orientierung an angloamerikanische Vorbildern aufwiesen und auch eine Reihe von jungen Musikern und Gruppen, die in der Nähe des deutschen Schlagers standen und von Eva Maria Kaiser von Ö3 gefördert wurden (ungeachtet des - gegen deutschsprachige Unterhaltungsmusik gerichteten - "Schnulzenerlasses" von ORF-Generalintendant Gerd Bacher).

Andre Heller
André Heller als Moderator des Radiosenders Ö3. Im Plattenarchiv des Funkhauses. Wien. Photographie. 1967
© IMAGNO/Archiv Hajek (Leo-Heinz Hajek)

Georg Danzer
Georg Danzer. Photgraphie. 1991
© IMAGNO/Ullstein

Trotz bemerkenswerter Anfangserfolge kam der Austropop in den folgenden Jahren zuerst nicht recht vom Fleck: mit Vertretern wie Waterloo & Robinson, Turning Point, Goldie Ens, Heinrich Walcher war die junge Szene nicht zu gewinnen, auch wenn sich mit Wolfgang Ambros, André Heller, Peter Cornelius, Sigi Maron und Georg Danzer eine passable Liedermacherszene formiert hatte und diese damals noch im (monopolistischen) Pop-Sender Ö3 recht regelmäßig gespielt wurde.

Mitte der 1970er Jahre entwickelte sich eine rege Politrocktheaterszene (Verbindung von Theater und Rockmusik), z.B. 'die Schmetterlinge', 'Drahdiwaberl' und 'The Hallucination Company'. Der heimische Austropop entwickelte sich zu einer bunten, vielfältigen Szene: Reinhard Fendrich mit seinen witzigen Texten, Ostbahn-Kurti als Prolo-Rocker, Ludwig Hirsch, STS, Wilfried u.v.m.

Ende der 1970er wurde Österreichs Musikmarkt von der Discowelle erfasst (Goldie Ens, Gilla, "Supermax"); auch Punk und New Wave hatten Österreich erreicht.

Falco feierte internationale Erfolge (bis heute ist er der international bedeutendste österreichische Popmusiker); 1982 hatte Steffi Werger ihrer Durchbruch auf dem deutschsprachigen Popmarkt, 1984 hatte die Band Opus einen internationalen Hit mit "Live Is Life".

Austropop bedeutete nicht automatisch Dialektlieder, sondern wurde eher als eine "heimatliche" Zuordnung empfunden (so gehört die Gruppe Opus, die nur englisch gesungen ebenso dazu wie die englischen Lieder von Falco).

Anfang der 1980er kamen die großen Erfolge der frühen EAV (damals noch "Erste Allgemeine Verunsicherung"), dann ebbte die Dialektwelle zunehmend ab. Erst 1981 war nach langer Zeit mit "Strada del Sole" von Rainhard Fendrich ein Lied im Dialekt an der Spitze der Hitliste zu finden.

Ab 1990 wurde es um den Austropop ruhiger - die EAV und Rainhard Fendrich erreichten noch einige Erfolge, Hubert von Goisern feierte 1992 mit seinen Original Alpinkatzen sein Debüt. Mit dem "Hiatamadl" entstand ein neues Genre, der "Alpenrock".

Falco
Falco, Photographie. Um 1995
© IMAGNO/Ullstein

Obwohl (oder weil?) Falco als erster österreichischer Pop-Star die Spitze der amerikanischen Charts erklommen hatte, wurde das Wort "Austropop" immer unbeliebter: Austropop wurde zum Synonym für Zurückgebliebenheit und Provinzialität.

Schließlich wollten nicht nur die Musiker selbst nichts mehr von Austropop wissen, sondern auch der Sender nicht, der ihn einst gefördert hatte: Mitte der 1990er Jahre verschwanden Ambros, Werger und andere Altgediente aus dem Ö3-Programm.

Danzer, Fendrich und Ambros gründeten für ein Benefizprojekt das Projekt "Austria 3" und tourten (mit den alten Liedern) durch den deutschsprachigen Raum.

Erst mit Starmania, einer umstrittenen Castingshow, fand Ö3 wieder Lust, österreichische Künstler zu präsentieren und heute tun sie das sogar unter dem Motto "Die neuen Österreicher".

Erfolgreichste Musikerin der letzten Jahre ist Christina Stürmer, die Zweitplatzierte der ersten Staffel von Starmania (2002/2003), daneben erlangten auch Formationen wie SheSays, Zweitfrau und Luttenberger*Klug national größere Bekanntheit.

2010 gab es wieder mehrere österreichische Hits in den Charts, die im Dialekt gesungen wurden und auch hohe Platzierungen erreichten (u.a. "Vo Mello bis ge Schoppornou" vom Holstuonarmusigbigbandclub, "Wann geda?" von Leo Aberer und "Oida taunz!" von Trackshittaz); Hubert von Goisern landete nach langer Zeit 2011 wieder einen Hit: mit seinem Lied "Brenna tuats guat" erreichte er die Nummer eins der österreichischen Charts.

Literatur#

  • P. Maurer: Danke man lebt. Kritische Lieder aus Wien. Wien 1987.
  • H. Pfeiler: Austropop, Die Entwicklung der österreichischen Rock- und Popmusik in den 60er und 70er Jahren. Graz 1995 (Diss.)
  • T. Rothschild: Liedermacher, Frankfurt/M. 1980
  • R. Schwendter: Theorie der Subkultur, Frankfurt/M. 1978
  • W. Wittmann: Österreichisches Hitlexikon, Graz 1984
  • W. Zink: Austro-Rock- Lexikon, Neufeld 1989

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl