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Büchsenschmiede#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Büchsenschmied
»Der Büchsenschmidt« (Büchsenschmied). Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Bild-Autor

Büchsenschmiede (auch Rohrschmiede) entwickelten sich aus den Grobschmieden, die seit der Erfindung des Schießpulvers bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts Handkanonen und Feuerrohre ohne besonderen künstlerischen Anspruch herstellten. Mit den Büchsenschmieden entstand ein selbständiges zünftiges Gewerbe, dessen Ansehen mit der kriegstechnischen Bedeutung der Handfeuerwaffen wuchs. Gutes Material, vorzügliche Schmiedearbeit (Schweißung) und sorgfältige Bohrung waren kennzeichnend für die Gewehrherstellung im 16. Jahrhundert, die durch den rapide ansteigenden Bedarf schon bald von einer rein handwerklichen in eine manufakturielle überging.

Vorläufer der Handfeuerwaffen ist die Feuerlanze, ein ausgehöhlter, mit Zündmasse gefüllter, brennender Holzschaft, der mit der Hand geworfen wurde. Die arabische Madfaa sowie die deutsche Donnerbüchse waren die ältesten geschmiedeten Handgeschütze. Aus ihnen entwickelten sich die Knall und die Hakenbüchsen, auch Arke -busen genannt. Bei diesen wurde das Zündkraut, feines Pulver, auf eine Pfanne oben oder seitwärts am Lauf mit der Hand und der Lunte gezündet. Mit dem Aufkommen des Luntenschlosses konnten die Zielmöglichkeit und die Feuergeschwindigkeit wesentlich verbessert werden. Bei diesem wurde eine Lunte oder ein Feuerschwamm an einen Hahn geklemmt, der mit der Hand, später mit einer Feder auf die Pfanne niedergedrückt wurde und das Pulver entzündete.

Es folgte die Einführung der Muskete, die mit Luntenschloss, später auch mit dem weit vorteilhafteren Radschloss versehen war, bei dem der Funke durch Reibung eines Rades an einem Stück Schwefelkies erzeugt wurde. Der Vorteil dieses Schlosses war, dass beim Zünden keine Erschütterung durch das Aufschlagen des Hahns auf die Pfanne auftrat, wie dies beim Luntenschloß der Fall war. Ein längerer Lauf und eine stärkere Ladung steigerten Schussweite und Durchschlagskraft und machten die Muskete zu einer wirkungsvollen, weit verbreiteten Waffe. Die Musketiere unter Friedrich dem Großen schafften in der Regel bei trockenem Wetter fünf Schuss in der Minute. Dem Luntenschloss folgten das Stechschloss mit besonders leichtem Abzug und das Schnapphahnschloss, aus dem sich das Steinschloss entwickelte.

Die militärische Standardwaffe vom letzten Drittel des 17. bis in das erste des 19. Jahrhunderts wurde das Steinschlossgewehr mit aufgestecktem Bajonett. Das Gewehrschloss funktionierte mit einem zwischen die Hahnlippen geklemmten Feuerstein – englisch flint, daher die Bezeichnung »Flinte« –, der durch Reibung einen Funken erzeugte, wodurch das Pulver in der Zündpfanne entzündet wurde. Es schoss mit zehn Gramm Pulver eine fünfundzwanzig Gramm schwere Kugel. 1820 wurde das Perkussionsschloss erfunden und allgemein eingeführt. Hier kam bereits Knallquecksilber zur Anwendung, das, durch einen Zündstift zur Entzündung gebracht, das Treibmittel entflammte. Auch Gewehre mit gezogenen Läufen (Drall) wurden von Scharfschützen und Jägern geführt.

Über die Geschichte des »gezogenen Gewehrs« hat Friedrich Engels eine Artikelserie in The Volunteer Journal, for Lancashire and Cheshire (1860–1861) veröffentlicht. »Das gezogene Gewehr ist eine deutsche Erfindung«, bemerkte er, »die gegen Ende des 15. Jahrhunderts gemacht wurde. Die ersten gezogenen Gewehre wurden offenbar zu dem Zweck hergestellt, das Laden einer Waffe mit einer fast genau passenden Kugel zu erleichtern. Deshalb waren die Züge gerade, ohne jede Spiralwindung, und sie dienten lediglich dazu, die Reibung der Kugel im Lauf zu verringern. […] Später wurde die Beschaffenheit der Waffe durch die den Zügen gegebene Spiralwindung, die die Bohrung des Laufs in eine Art Schraubenmutter verwandelte, vollkommen verändert. Die Kugel, die wegen des eng anliegenden Pflasters den Zügen und damit auch der Schraubenwindung folgen musste, behielt so eine spiralförmige Umdrehung während ihrer ganzen Flugbahn. Es stellte sich bald heraus, dass dieses Verfahren, das die Kugel in Rotation versetzt, Schussweite und Genauigkeit der Waffe gewaltig steigerte, und so verdrängten die spiralförmigen Züge sehr schnell die geraden. Dies war das Modell des gezogenen Gewehrs, das mehr als zweihundert Jahre allgemein benutzt wurde. Wenn man von den Stechern und sorgfältig gearbeiteten Visieren absieht, ist es bis 1818 kaum verbessert worden.«

Preußen ging 1841 durch Ausrüstung seiner Armee mit dem ersten Hinterlader, dem 15-mm-Zündnadelgewehr, in der Waffenentwicklung entscheidend voran. Seine Feuergeschwindigkeit machte es allen Vorderladern überlegen, was wesentlich zur vernichtenden Niederlage der österreichischen Armeen in der Entscheidungsschlacht des preußisch-deutschen Kriegs bei Königgrätz im Juli 1866 beitrug. Der Erfinder war ein Schlosser namens Nikolaus Dreyse aus Sömmerda bei Erfurt, der zum mächtigen Waffenfabrikanten aufstieg und geadelt wurde. Die Rohrläufe wurden aus Eisenplatinen, die aus den Zainhämmern kamen, im rotglühenden Zustand über einem Dorn zu Rohren geschmiedet, verschweißt und danach mit Hilfe von Wasserkraft und Stangenbohrern mit scharfen, spiralförmigen Schneiden ausgebohrt, geschliffen und poliert. Die Feuerschlösser zu den geschmiedeten Gewehr- und Pistolenläufen stellten ursprünglich die Schlosser her, von denen sich die Feuerschlossmacher als eigener Berufszweig abspalteten.

Aus diesem Handwerk entwickelte sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts das der Büchsenmacher. Die Holzschäftung der Feuerwaffen besorgten die Büchsenschäfter, die vorwiegend mit den Tischlern eine Gilde bildeten. Berühmte Zentren des Büchsenmacherhandwerks waren Suhl im Thüringer Wald, Nürnberg, Augsburg, Dresden, Braunschweig, Brescia, Ferlach und Steyr.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010

... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.