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Barbarazweige#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Barbarazweige
Barbarazweige
© Peter Diem

Barbara, am 4. Dezember, steht nach dem 2. Vatikanischen Konzil als historisch nicht gesicherte Heilige nur noch im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet, nicht mehr im römischen Generalkalender. Die Legende erzählt von einer schönen, klugen Jungfrau aus Nikomedien (heute: Izmit, Türkei). Ihr Vater, Dioskuros, hielt sie in einem Turm gefangen. Als Dioskuros erfuhr, dass Barbara Christin geworden war, lieferte er sie im Jahr 306 der Christenverfolgung aus. Zur Strafe fand er den Tod durch Blitzschlag. Die Tochter erhielt die Verheißung, dass niemand, der sie als Helferin anrufe, eines unversehenen Todes (ohne Sakramentenempfang) sterben werde.

Eine Reihe von Bräuchen knüpft(e) sich an den 4. Dezember. Am bekanntesten ist der, Zweige von Kirsch-, Weichsel- und anderen Obstbäumen oder Ziersträuchern zu schneiden und daheim einzuwässern. Bis Weihnachten erblüht, sollen sie Glück und Segen bringen. Eine erklärende Legende will wissen, dass sich auf dem Weg zur Hinrichtung ein Kirschzweig in Barbaras Kleid verfangen habe, der bei ihrem Tod aufblühte. Die mittelalterliche Legendenliteratur stellte eine Analogie zum grünenden Stab Aarons her. Eine andere Deutung bringt das Gleichnis vom Feigenbaum (Lk 21,29-31) ins Spiel. Dabei sagt Jesus: "... Sobald ihr merkt, dass sie Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist... Martin Luther predigte zu dieser Stelle: "Die Blätter an den Bäumen zeigen nicht den Winter an, dass es frieren, schneien und kalt werden soll, sondern sie zeigen die fröhliche Zeit an... So sollt auch ihr, sagt Christus, wenn ihr diese Zeichen seht, fest der Meinung sein, dass die Zeit eurer Erlösung da ist."

Barbarazweige waren ein Ernte- und Liebesorakel. Um ihre Blüte zu garantieren, sollte man sie unter besonderen Bedingungen schneiden (vor Sonnenaufgang oder beim Vesperläuten), oft wässern und zum Ofen stellen. Je reicher die Blätter und Blüten am Christtag erschienen, umso üppiger falle die Ernte aus, glaubte man. Manche versahen die Zweige mit Namenskärtchen, um daraus das persönliche Schicksal zu ergründen. In Wien trugen die Kärtchen Nummern, zeigte sich eine Blüte, wurde die entsprechende Zahl in der Lotterie gesetzt. Da man den Barbarazweigen magische Wirkungen nachsagte; sollten sie, in die Christmette mitgenommen, Verborgenes sichtbar machen.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur und Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005


Redaktion: hmw