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Barometermacher#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Barometerverkäufer
Barometerverkäufer. Figur aus der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Um 1760–1765
© Ch. Brandstätter Verlag

Barometermacher verfertigten Geräte zur Messung des Luftdrucks, für die der englische Physiker Robert Boyle um 1663 das Wort Barometer gebraucht hatte. Die Tatsache, dass Wasser trotz seines Gewichts durch eine Pumpe hochgesaugt wird, erklärte man nach Aristoteles durch den Abscheu der Natur vor dem Leeren (Horror vacui), und als Brunnenmacher in Florenz feststellten, dass im Saugrohr einer Pumpe das Wasser nicht höher als zehn Meter stieg, soll Galilei, den man um Aufklärung des merkwürdigen Phänomens bat, gemeint haben, dass dieser »Abscheu« eben Grenzen habe.

Die Antwort fand schließlich Galileis Schüler Evangelista Torricelli (1608–1647), der durch ein Experiment den Beweis für die Wirkung des Luftdrucks lieferte. Er füllte eine lange, dicke, an einem Ende zugeschmolzene Glasröhre mit Quecksilber, verschloss den unteren Teil mit seinem Daumen, tauchte die Röhre mit diesem Ende in ein Quecksilberbad und zog den Daumen weg. Das Quecksilber sank auf eine Höhe von etwa sechsundsiebzig Zentimetern, wobei sich darüber ein leerer Raum bildete, den man Torricellische Leere nannte. »Die Atmosphäre ist es, welche den Druck hervorbringt«, erkannte Torricelli den Grund der Veränderung; »die Luft ist ein schwerer Körper, sie hat ein Gewicht und lastet mit diesem Gewicht auf der Erde, wie das Wasser des Meeres schwer auf dem Grunde seines Bekkens ruht.«

Der Luftdruck kann aber verschieden groß sein: 1648 ließ der Gelehrte Blaise Pascal (1623–1662) durch seinen Schwager Périer die erste barometrische Höhenmessung auf dem nahe der Stadt Clermont-Ferrand gelegenen und 1465 Meter hohen Puy de Dôme ausführen. Am Gipfel stand die Quecksilbersäule in einer Torricellischen Röhre um acht Zentimeter niedriger als am Fuß des Berges, wodurch das Vorhandensein des Luftdrucks und die Abnahme nach oben endgültig bewiesen war.

Alle diese Erkenntnisse in Verbindung mit der Herstellung eines brauchbaren Apparats, der unter dem Begriff Wetterglas populär wurde, hatten einen überaus starken Einfluss auf die Entwicklung vor allem der Geographie, Geologie und Pflanzenkunde. Überdies war das Barometer in der Landwirtschaft »ein höchst nützliches und wichtiges Instrument«, wie Johann Georg Krünitz in seiner Öconomisch-technologischen Encyklopädie (1773ff) feststellte, »an welchem man zum voraus die Veränderung des Wetters abnehmen, und sowohl ein Gärtner als der Ackersmann mit dem Pflanzen, Säen, Aernden und anderen Garten- und Feldarbeiten sich darnach richten kann«.

Beruf: Barometermacher
»Der Barometermacher«. 1826. Aquarell von Johann Christian Schoeller
© Ch. Brandstätter Verlag

Eines der ersten Barometer überhaupt dürfte dasjenige des Herrn von Guericke, eines durch seine Luftpumpe berühmt gewordenen Physikers und langjährigen Bürgermeisters von Magdeburg, gewesen sein. Es war statt mit Quecksilber mit Wasser gefüllt, und auf der Flüssigkeit schwamm das sogenannte Wettermännchen, das mit einer Hand auf einer Skala die Veränderung des Luftdrucks anzeigte. Neben den einfachen Gefäß-Barometern erfreuten sich später die Heber-Barometer von Fortin und Gay-Lussac großer Beliebtheit, bei denen ein zweiter Schenkel der Röhre das Gefäß bildete. Leichter und sicherer zu transportieren waren die Aneroid-Barometer, 1844 von dem Mécanicien Lucien Vidie erfunden, die als wichtigsten Bestandteil eine geschlossene, luftleere Metalldose mit elastischen Deckeln hatten, auf die der Luftdruck einwirkte.

In Ferdinand Raimunds Posse Der Barometermacher auf der Zauberinsel (1823) wird der abgewirtschaftete Barometermacher Bartholo mäus Quecksilber durch einen Sturm auf eine Zauberinsel geworfen und erhält durch eine Fee drei Zaubergeschenke: einen Stab, durch dessen Berührung alles zu Gold wird; ein Horn, auf dessen Ton hin eine kampfbereite Armee von Zwergen und Amazonen erscheint, und eine Binde, welche die Kraft des Wünschelhuts hat.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010

... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.