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Das Beinhaus von Hallstatt#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die größte Schädelsammlung Europas

Totenschädel scheinen besonders uns Menschen des technischen Zeitalters, die wir uns von den natürlichen Lebensabläufen weit entfernt haben, als bedrohlich und furchterregend. Und schon gar nicht wollen wir mit den Gebeinen unserer verblichenen Vorfahren etwas zu tun haben. Andererseits gibt es Kulturen, etwa auf Neuguinea, in denen die Schädel der erschlagenen Feinde oder jene der Ahnen sogar den Alltag begleiten.

Dass man Gebeine dort, wo die Friedhofserde knapp ist oder auch von aufgelassenen Gräbern stammend, sammelt, ist ein Bestandteil unserer Kultur. Man denke nur an die vielen Karner aus romanischer Zeit. Dass man die Schädel allerdings, wie in Hallstatt, bemalt und schmückt - das ist eine Kuriosität und vielleicht dem künstlerischen Gestallungswillen der Menschen im Salzkammergut zuzuschreiben.


enge Gäßchen
Durch enge und verwinkelte Gäßchen steigt man zur katholischen Kirche hinauf.
© Willi Senft

Vorbei an malerischen Häusern sieben wir zur katholischen Kirche mit ihrem romanischen Turm und dem gotischen Langhaus hinauf. Nicht versäumen sollten wir eine ausgiebige Besichtigung des Kircheninneren mit seinen gotischen Schätzen. Es lässt sieh aber nicht leugnen, dass das besondere Interesse der meisten Besucher dem Beinhaus mit seiner Schädelsammlung gilt. Die Kirche ist vom Friedhof umgeben, dessen stilvolle Grabstätten sich im begrenzten Raum des steilen Berggeländes eng aneinanderdrängen. Laut Friedhofsordnung gibt es keine Familiengräber, und schon nach zehn Jahren kann - ja muss - ein Grab oft neu belegt werden.

Wenige Schritte hinter der Kirche steht die aus dem 12. Jahrhundert stammende Michaelskapelle, in deren Erdgeschoß sich das berühmte Beinhaus von Hallstatt mit seinen rund sechshundert, in Reihen geordneten, übereinandergelegten und bemalten Schädeln befindet. Einige davon wurden schon zu Ende des 18. Jahrhunderts, manche erst im 20. Jh. bemalt. Ihre Blüte hatte die Schädelmalerei aber während des 19. Jahrhunderts.

Totenschädel
Über sechshundert Totenschädel, säuberlich in Reihen geschlichtet, werden im Beinhaus von Hallstatt aufbewahrt
© Willi Senft


Musste ein Grab für eine neue Beerdigung wiederverwendet werden, wurde die Aufnahme der Knochen in ein Beinhaus als eine Art zweiter Bestattung aufgefasst. Mit der Bemalung und Beschriftung wurde die Identität der früheren Familienmitglieder gewahrt.

Die meisten Schädel in Hallstatt wurden zwischen 1780 und 1900 bemalt, und mit wenigen Ausnahmen ist die Art der Bemalung für eine gewisse Zeit charakteristisch. Schädel mit Kränzen sind die ältesten, schmale Kränze und ein farbiges Kreuz mit Randkontur die jüngsten dieser Art. Ein Blumenornament auf der Stirn kennzeichnet die nächste Phase. Dann folgen grüne Blätter an den Schläfen - meist Eiche, Efeu oder Oleander - , und in die Mitte der Stirn ist ein schwarzes Kreuz gesetzt.

Schädelmotiv
Die verschiedenen Motive sind jeweils für bestimmte Perioden typisch.
© Willi Senft

Die jüngsten Bemalungen sind durch dünne Efeuzweige und ein schmales Kreuz gekennzeichnet. Manche Schädel wurden nur mit dem Namen versehen.

In den letzten Jahren wurden übrigens nur noch vereinzelt Schädel im Beinhaus beigesetzt.


Wandervorschlag#

Rund um Hallstatt locken viele Bergziele. Besonders lohnend ist eine Besteigung des HOHEN PLASSEN direkt über dem Hallstätter Salzberg - eine an sich anspruchsvolle Bergwanderung, die lediglich Trittsicherheil erfordert. Am besten fährt man mit der Standseilbahn zum Salzbergwerk (Rudolfsturm) hinauf und folgt dort der Markierung Nr. 640. Eine Zeitlang verläuft der Weg durch Wald, und dann leitet ein Steiglein zum Ostrücken hinauf. Einige abschüssige Stellen sind durch ein Drahtseil versichert. Nach 3 Std. stehen wir beim Gipfelkreuz auf 1.953 m und genießen eine umfassende Aussicht bis zum Wiesbachhorn und Großvenediger. Für den Abstieg müssen wir 2 Std. einplanen (Kompass WK Nr. 20).

Motive
Motiv aus Hallstatt
© Willi Senft

Schädelbemalung
Die Schädel werden gewissenhaft beschriftet und kunstvoll verziert.
© Willi Senft

Sonnenuhr
Die kunsthistorisch wertvolle Sonnenuhr am alten Rathaus in Hallstatt.
© Willi Senft

Eingangsbereich Friedhof
Unglaublich malerisch ist der Eingangsbereich von Friedhof und Kirche.
© Willi Senft

Hallstatt
Hallstatt mit der evangelischen (rechts) und katholischen Kirche
© Willi Senft

Mehr zur Hallstatt#

Quellen#

Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft