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Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Benediktiner und ihre Wirtschaftsbetriebe#

(OSB = Ordo Sancti Benedicti)#

Die Benediktiner sind ein im 6. Jahrhundert vom heiligen Benedikt von Nursia gegründeter katholischer Orden.

Benedikt von Nursia, um 480 in der umbrischen Stadt Nursia geboren, lebte nach einigen Jahren des Studiums in Rom als Einsiedler in der Nähe von Subiaco bei Rom.

Bald sammelten sich Mönche um ihn, die unter seiner Leitung in zwölf kleinen Klöstern lebten. Um 529 übersiedelte er mit ihnen nach Süditalien und gründete das Kloster auf dem Monte Cassino, für das er auch seine Klosterregel verfasste. Damit legte Benedikt die Grundlage nicht nur für die benediktinische Ordensfamilie, sondern auch für das ganze abendländische Mönchtum.

Die 73 Kapitel seiner Regel wurden im Motto "Ora et labora et lege" (Bete, arbeite und lies) zusammengefasst.

Benedikt starb am 21. März 547 auf Monte Cassino und wurde neben seiner Schwester Scholastika in der dortigen Kirche bestattet.


Europakloster Gut Aich
Europakloster Gut Aich
© Servus TV
Die ersten Niederlassungen in Österreich zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert leisteten einen Großteil der Rodung, Kultivierung und Christianisierung des Landes. Die Arbeit wurde durch die Ungarneinfälle (10. Jahrhundert) wieder zerstört.

In der darauf folgenden Blütezeit des Benediktinerordens (1060-1230) entstanden die meisten österreichischen Benediktinerstifte (von den 22 benediktinischen Männerklöstern des 12. Jahrhunderts existiert heute noch die Hälfte).
Die Melker Reform im 15. Jahrhundert brachte neuen benediktinischen Geist in die Abteien. Die Glanzzeit der Benediktiner in Österreich aber wurde das Barock im 17. und 18. Jahrhundert: die bekanntesten Künstler arbeiteten für die neuerrichteten "Kloster-Schlösser", die zu Zentren des Barocktheaters, des Ordensdramas, der Künste und Wissenschaften wurden. Berühmtheit erlangte die benediktinische Universität in Salzburg (1623-1810).

Heute gehören neben der Seelsorge Erziehung und Wissenschaft zu den wichtigsten Aufgaben. Die meisten Benediktinerstifte besitzen Gymnasien und Erziehungseinrichtungen. 1930 wurde die österreichische Kongregation gegründet, die aber die Selbständigkeit der einzelnen Stifte unangetastet lässt.

Folgende in Österreich bestehende benediktinische Niederlassungen sind nach ihrem Gründungsjahr zu nennen:

Das Kloster Gut Aich wurde erst 1993 gegründet und 2004 von der Österreichischen Benediktinerkongregation als selbstständiges Priorat anerkannt. Besonderes Ziel des Klosters ist es, einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben von Menschen und Völkern in Europa zu leisten. Daher bezeichnet sich das Kloster als "Europakloster".

Von den ehemals 14 Klöstern der Benediktinerinnen existiert noch Nonnberg in Salzburg. Das 1888 in Prag gegründete Frauenkloster St. Gabriel (Abtei seit 1891) bezog 1919 die Burg Bertholdstein bei Fehring in der Steiermark. 2008 erfolgten der Übertritt in die Föderation der Benediktinerinnen von der hl. Lioba und die Übersiedlung nach St. Johann bei Herberstein. Der Konvent, dem nur noch wenige Schwestern angehören, zog in ein kleines neues Kloster in unmittelbarer Nähe des diözesanen Bildungshauses "Haus der Frauen". Der benediktinischen Tradition folgend, sind die Abteien und Stifte nicht nur Träger von Schulen sondern auch von Wirtschaftsbetrieben: u.a. meist Land- und Forstwirtschaft, Gärtnereien, Stiftsbäckereien, Klosterladen, Gastronomiebetriebe, die eigenständig oder von Pächtern bewirtschaftet werden.

Auch eine Mühle ist unter den Betrieben oder die Kräuterlikörerzeugung im Europakloster Gut Aich.

Durch nachhaltiges Wirtschaften sorgen die Klöster nicht nur aus eigener Kraft für den Lebensunterhalt der Mönche, sondern schaffen auch Arbeitsplätze und die finanzielle Basis für die seelsorglichen, sozialen und kulturellen Aufgaben.

Göttweig
Benediktinerstift Göttweig. Stiftskirche mit klassizistischer Fassade (1756). Furth. Wachau. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1900
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Benediktinerinnenstift Nonnberg
Romanische Kirche 1099 fertiggestellt im Benediktinerinnenstift Nonnberg in Salzburg. Photographie. Um 1990
© IMAGNO/Oskar Anrather

Benediktinerstift Admont
Benediktinerstift Admont. Admont. Steiermark. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910.
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Benediktinerstift Melk
Benediktinerstift Melk auf dem Donauarm im Vordergrund das Dampfschiff Aggstein . Wachau. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. 1909
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Literatur#

  • M. Heimbucher, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche, Band 1, 1933
  • Benediktinisches Mönchtum in Österreich, 1949

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl