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Bildgießer#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Geschäftskarte
Geschäftskarte eines Wiener Fabrikanten für Bildhauer- und Galanterie-Arbeiten. Um 1840. Lithographie von Reiffenstein & Rösch
© Ch. Brandstätter Verlag

Bildgießer verstanden die Kunst, Büsten, Statuen, Standbilder und dergleichen aus Metall, meist Bronze, zu gießen. Bronze ist eine Legierung aus dem Hauptbestandteil Kupfer mit Zusätzen von Zinn, Zink und Messing. Die Metallmischung musste dünn- und leichtflüssig sein, durfte beim Guß nicht porös werden und musste sich überarbeiten lassen. Alle Erzeugnisse der Bildgießerei wurden hohl gegossen.

Die Anfertigung der Gussform, die aus einem Kern (meist aus Gips), der die innere Höhlung des Gusses von Metall freihielt, und dem Mantel (meist aus Ton), der die äußeren Umrisse bestimmte, bestand, gehörte zu den schwierigsten Arbeiten. Zwischen Kern und Mantel lag eine Wachsschicht (aus weissem Pech, Talg und Fett) in der künftigen Metalldicke, die beim Brennen der Form ausgeschmolzen wurde. Durch Gießlöcher strömte das flüssige Metall aus dem Schmelzofen mit hoher Geschwindigkeit in die Form ein (Glocken- und Geschützgießer). Nach dem Erstarren des Metalls, meistens schon nach einigen Stunden, wurden der Mantel und der Kern entfernt, und das Gussstück wurde von Gussrückständen mit Meißeln, Feilen, Schabeisen und Grabsticheln gesäubert (ziseliert) und mit verdünnter Schwefelsäure gebeizt.

Der virtuose und einfallsreiche italienische Goldschmied und Bildhauer Benvenuto Cellini (1500–1571) wurde nicht zuletzt durch seine Bronzestatue des Perseus mit dem Medusenhaupt weltberühmt (eine Kopie steht in Florenz an der Piazza della Signoria). In seiner Selbstbiographie, von Goethe ins Deutsche übersetzt, schilderte er den aufregenden Guss dieser gewaltigen Figur, an der er fast zehn Jahre gearbeitet hatte. Die Schwierigkeit bestand darin, eine so ungeheuer große Menge Kupfer auf einmal zum Schmelzen zu bringen und diese, mit Zinn gemischt, in die komplizierte Form so hineinfließen zu lassen, dass sie alle Zwischenräume gleichmäßig und vollständig ausfüllte. Sein Auftraggeber, Herzog Cosimo I. von Florenz, zweifelte an der Durchführbarkeit, und tatsächlich wäre der Guss um ein Haar missglückt. Wegen seines Harzes, berichtete Cellini, entwickelte das für die Beheizung des Schmelzofens verwendete Pinienholz ein heftiges Feuer, das trotz verzweifelter Anstrengungen bald ausser Kontrolle geriet. Die Flammen griffen auf die Werkstatt über, gleichzeitig trieb heftiger Wind von aussen Kälte und Regen herein, so dass der Ofen die erforderliche Temperatur nicht erreichen konnte und das Metall nicht schmelzen wollte. Cellini brach erschöpft zusammen und glaubte sterben zu müssen. Doch er gab nicht auf. Die Frau seines Nachbarn, eines Fleischers, hatte ihm »einen Stoß Holz von jungen Eichen« versprochen, »die schon länger als ein Jahr ausgetrocknet waren«, und mit diesem Holz »triumphierte« er über das Metall. »Als nun der Metallkuchen dieses gewaltige Feuer empfand, fing er an zu schmelzen und zu blitzen« und füllte vortrefflich die gesamte Form. Ausser sich vor Freude, schickte der Meister ein Dankgebet zum Himmel und vertrieb seine bangen Gedanken ums Gelingen bei einem üppigen Mahl im Kreise seiner Gehilfen.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.