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Bodensee Bodensee, Österreich #

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Bodensee
Bodensee
Foto: Hilde und Willi Senft
Der Bodensee wurde in den Eiszeiten der letzten 500.000 Jahre geschaffen, wobei die Rheingletscher mit dem unvorstellbaren Druck ihrer gewaltigen Eismassen das hier vorliegende Konglomeratgestein über 250 Meter tief ausschürften. Als nach der letzten, der Würmeiszeit, wieder eine – unsere – Wärmeperiode kam, da füllte sich das Becken mit dem Schmelzwasser der Gletscher.

An der gewaltigen Ausdehnung des Bodensees mit mehr als fünfhundert Quadratkilometern hat Österreich nur einen Anteil von 11 %. Der Bodensee ist mit 57 % Anteil vielmehr das "Binnenmeer der Deutschen", während auf die Schweiz 32 % entfallen. Die österreichische Seefläche ist aber immerhin so groß, dass Vorarlberg mit seinem Seeanteil nach dem Burgenland mit dem Neusiedlersee in der Rangliste der Bundesländer an zweiter Stelle steht, weit vor Kärnten mit dem Wörthersee. – Aber das sind ja nur Zahlenspielereien, die keinesfalls die besonderen landschaftlichen Reize des Sees auch nur im Geringsten verdecken sollen:
Der Bodensee ist geprägt von einer majestätisch weiten Wasserfläche, die ein Kranz alter Uferstädte und freundlicher Ortschaften umschließt. Den großen Rahmen bilden im Süden bewaldete Berge, darüber in der Ferne die Kette der Appenzeller Alpen mit dem Säntis, weiter östlich die Vorarlberger Alpen und darüber Rätikon und Schesaplana sowie im Osten der Bregenzer Wald mit dem Pfänder und den angrenzenden Allgäuer Alpen. Die Ufer des fast meerartigen südöstlichen Teils, des "Obersees" sind weithin flach und besonders im Bereich des Mündungsdeltas von Rhein, Bregenzer- und Dornbirner Ach durch weite Buchten gekennzeichnet.
Die großen Wassermassen haben einen nachhaltigen Einfluss auf das Klima der umliegenden Landschaften. Im Winter sind die am Ufer gelegenen Ortschaften immer um etwa drei Grad wärmer als die dahinter liegenden Gebiete. Rund um den See florieren Obst-, Gemüse- und Weinbau mit besten Qualitäten. So friert auch der Obersee eher selten zu – in den letzten tausend Jahren etwa dreißig Mal.
Die Wasser des Sees bilden ein bedeutendes und wichtiges Reservoir für die Trinkwasserversorgung: Das Wasser wird in sechzig Meter Tiefe entnommen und nach Aufbereitung über 200 Kilometer vor allem in den Raum Stuttgart/Baden-Württemberg geleitet, wo 4,5 Millionen Menschen damit versorgt werdeen. Der Wasserspiegel wird dadurch aber in keiner Weise negativ beeinflusst und die "Fischerin vom Bodensee" hat nach wie vor genügend Arbeit ...


Bodensee
Bodensee
Foto: Hilde und Willi Senft

Die Fischerei spielt seit alten Zeiten eine große Rolle. Es sind am Bodensee an die vierhundert Berufsfischer auch heute noch am Werk. Den See bevölkern rund dreißig verschiedene Fischarten, von denen die Blaufelchen (zugleich eine gastronomische Spezialität) die wichtigsten sind. Hecht, Wels, Aal, Barsch, Seeforelle, Äsche und Trüsche kommen aber ebenfalls in großen Mengen und oft rekordverdächtigen Größen vor. Mehrere Fischbrutanstalten auf deutschem Staatsgebiet setzen jährlich viele Millionen Jungfische aus.
Im Mündungsgebiet des Rheins wurde auf österreichischem Staatsgebiet das Naturschutzgebiet "Rheindelta" eingerichtet. Hier kann man eine der selten gewordenen ursprünglichen Flusslandschaften mit all ihrer Tier- und Pflanzenwelt erleben. 330 Vogelarten, davon 127 Brutvögel haben hier ihren Lebensraum. Die größte Brutkolonie der Fluss-Seeschwalbe in Österreich ist zu finden und bis zu 1.200 Exemplare des Großen Brachvogels überwintern in diesem Bereich. Besonders bemerkenswert ist, dass die gesamte Population des alpinen Gänsegeiers im Rheindelta ihren Mauserplatz hat.


Insgesamt lassen sich am See Jahr für Jahr an die 300.000 Wasservögel nieder und vertilgen dabei – wie uns die Biologen sagen – 30.000 Tonnen seiner überreichen Biomasse. Wenn sie ausblieben, würde der See an Faulschlamm und Überdüngung ersticken.
Kulturhistorische Sehenswürdigkeiten finden sich rund um den Bodensee: Über die Kelten- und Römerzeit informiert man sich am besten im Vorarlbergischen Landesmuseum in Bregenz, dem alten "Brigantium" der Römer. Aus der frühchristlich-karolingischen Zeit erzählen die drei Kirchen auf der Insel Reichenau. Die Abteien Reichenau und St.Gallen waren einst geistig-kulturelle Mittelpunkte des Abendlandes. Viele bauliche Kleinode des Mittelalters finden sich in Konstanz und Überlingen.
Die baulich "hohe Zeit" am See war aber der Barock. "Wie schlanke Schiffe stehen die Barockkirchen in der Landschaft" hat sich ein Poet geäußert. In den Barockbauten lebt die Zeit, da weite Gebiete am See zu Vorderösterreich gehörten, am stärksten im Bild der Landschaft weiter. Zwischen 1660 und 1780 ereignete sich hier ein kleines Wirtschaftswunder, das vor alllem auch in der Kunst seinen Niederschlag fand. Die Bauern, Handwerker und Bürger schufen eine einzigartige Barocklandschaft, seither das Schwäbische Himmelreich genannt. Mit 120 Pfarrkirchen, 50 Klosterkirchen und einem Dutzend Wallfahrtskirchen dürfte das Bodenseeufer eine der welthöchsten Kirchendichten haben.

Bodensee
Bodensee
Foto: Hilde und Willi Senft

Eine besondere Bedeutung hatte die alte Freie Reichsstadt Konstanz, wo 1414 bis 1418 die gesamte kirchliche und weltliche Prominenz des Abendlandes zum Konzil zusammenkam. Damals beherbergte die kleine Stadt mit ihren 6.000 Einwohnern zeitweise 50.000 (!) Gäste, von Kardinälen, Bischöfen, Herzogen bis hinunter zu Knechten und Mägden. Dort geschah damals etwas weltbewegendes, der Reformator Jan Hus aus Prag wurde verbrannt, König Sigismund zum Kaiser gekürt und ein hohenzollerischer Burggraf namens Friedrich mit der Mark Brandenburg belehnt. 1499 besetzte die neue helvetische Eidgenossenschaft das Südufer und schied damit auch aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aus. Nicht vergessen werden darf Friedrichshafen, das mit seinem Zeppelinmuseum an die große Zeit der Luftfahrt am See erinnert.
Nun aber näheres über die beiden österreichischen Orte am See: "Bregenz, ein Zipfel Österreich und ein Stückchen Schweiz" – so nennen viele die Landeshauptstadt von Vorarlberg. Sie ist die einzige Stadt, in der See und Berge ganz nah bei einander liegen. Regen Schiffsbetrieb zeigt der Bregenzer Hafen. Sehr schön sind die vielen alten Häuser in der Oberstadt. Zu den Wahrzeichen der Stadt gehört – neben der prächtig gelegenen Burg Hohenbregenz – der Martinsturm. Er stammt aus dem 14. Jhdt. und erhielt seine heutige imposante Gestalt zwischen 1599 und 1602. Die dazugehörende Kapelle aus dem Jahre 1362 birgt eine Reihe schöner Fresken, darunter auch eine Darstellung der „Heiligen Kümmernis“, der "Jungfrau mit Bart". Die Stadtpfarrkirche St.Gallus stammt aus 1783 und der nahe Kornmarktplatz weist mit alten Bauten auf die vergangenen vielseitigen Handelsbeziehungen hin.
Besondere Bedeutung erlangte Bregenz in unseren Tagen durch die schwimmende Seebühne und das angeschlossene Festspielhaus, in dem alljährlich die international besuchten "Bregenzer Festspiele" im Juli und August ein großes Publikum anziehen. Eine Kabinenseilbahn führt von Bregenz auf den 1.064 Meter hohen Pfänder mit Prachtaussicht über den See. Oberhalb von Bregenz liegt auf dem Gebhardsberg (einst Sitz der Grafen von Bregenz) eine der beliebtesten Wallfahrtskirchen des Bodenseegebietes.

Direkt an Bregenz nördlich anschließend liegt die kleine Stadt Lochau nahe der deutschen Grenze. Hier liegt das im Renaissancestil erbaute Schloss Hofen, überragt von der Ruine Althofen.

Wandervorschlag#

Von Gaissau zum Rheinspitz:

Diese Wanderung führt direkt in das Naturschutzgebiet im Rheindelta und nimmt in Gaißau, knapp an der Schweizer Grenze ihren Anfang (Parkplatz, Informationstafel): Wir folgen den am Rheinarm verlaufenden Pfad durch einen üppigen Auwald mit Eichen, Linden, Pappeln, Ahorn, Eschen und Fichten. Bärlauch und Gelbe Schwertlilien gedeihen hier in Massen. Man kann laufend Wasservögel beobachten. Neben Reihern sind die schwarzweißen Reiherenten, die rotschnäbeligen Kolbenenten, die braunköpfigen Tafelenten, die Knäckenten mit weißem Augenstreif, Schwäne und unzählige Möwen anzutreffen. Nach einer ¾ Stunde kommen wir zum Seeufer mit Blick über die Bregenzer Bucht bis Lindau. Als Rückweg wählen wir den parallelen Forstweg. Gesamtgehzeit 2 bis 3 Stunden.


Bergab vom Pfänder nach Bregenz:

Wer es sich leicht machen will, der fährt mit der "Pfänder-Kabinenseilbahn" hinauf zur Bergstation auf 1.063 Meter, genießt dort den Blick über weite Teile des Bodensees und den Bregenzerwald und steigt auf bequemen Wegen nach Bregenz ab. Jedenfalls lohnt es sich, aber vorher noch die wenigen Minuten zum sogenannten Pfänderspitz hinaufzusteigen, von wo die Aussicht noch weitreichendner ist und sich bis zum Allgäu erstreckt. Bei der Bergstation leitet eine Tafel vorerst zum "Alpenwildpark", wo einheimische Wildarten besichtigt und eine Vorführung mit Adlern erlebt werden kann. Am Ende des Wildpark-Rundganges weist uns die Beschilderung "Riese – Lohorn – Altreute" den Weiterweg. Der Weg bietet zuerst freien Blick über den See und führt dann in den Wald und in mäßigen Serpentinen bis hinunter nach Bregenz. Die Abstiegszeit beträgt 1 ½ Std.

Landkarte: Freytag & Berndt Nr. 364

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--> Bodenseeufer (Videos aus Österreich)

Quellen#

  • AEIOU
  • Hilde und Willi Senft. Die schönsten Seen Österreichs. Leopold Stocker Verlag, Graz- Stuttgart. 2005.


Redaktion: K. Ziegler