Braunes Bergschaf - Austria-Forum : Heimatlexikon
Braunes Bergschaf#

"Heimatlexikon - Unser Österreich"
Die Rasse läßt sich auf alte Bayrische und Tiroler Steinschafe zurückführen. In diesen Rassen oder Schlägen gab es schon immer auch dunkle Tiere, die sich wegen ihrer natürlich gefärbten Wolle großer Wertschätzung erfreuten; aus der braunen Wolle konnte man die typischen Lodenjanker fertigen.
Schon sehr früh - wahrscheinlich im späten 18. Jh. - erfolgte eine bedeutende Zufuhr von Bergamasker- und Paduaner-Blut, das aus Oberitalien nach Österreich eingeführt wurde. Die beiden italienischen Rassen erfreuten sich wegen ihres hohen Gewichts, der guten Fruchtbarkeit und ihrer Wolle großer Beliebtheit. In Bayern fanden sie um die Mitte des 19. Jh.s Eingang in die Schafzucht. Aus der Verschmelzung der Ausgangsformen Steinschaf und Bergamasker entstand das große, fruchtbare weiße Bergschaf. Eine ähnliche Entwicklung ging auch in Süd- und Nordtirol vor sich. Die weiße Variante drängte alle braunen und schwarzen Varianten zurück, auch wenn deren pigmentierte Wolle für den Hausgebrauch sehr geschätzt war.
1939 entschied man, daß alle Bergschaftypen zusammengefaßt und dem Typ des Bergamasker Schafes angeglichen werden sollten, unter der Bezeichnung „Deutsches Bergschaf". Obwohl im Zuchtziel die weiße Wolle verankert war, kamen immer wieder dunkle Tiere vor, die man duldete, allerdings gab es keine gezielte Zucht auf Pigmentierung. In Bayern wurde das braune Schaf beinahe ausgerottet.
Erst 1976 kam ein Antrag der Tegernseer Schafhalter auf Rassenanerkennung ein, 1979 gab es 13 Herdbuchbetriebe mit rund 100 Muttern und 10 Böcken. Als man die guten Eigenschaften erkannte und die Rasse neu aufbaute, kam es zu Einkäufen in Südtirol und Österreich. In Südtirol wurde man dadurch auf den Mangel an solchen Schafen aufmerksam und man begann dort ebenfalls, gezielte Erhaltungsmaßnahmen zu setzen. Einige Züchter im Raum Miesbach begannen die Arbeit, die bis heute fruchtet und die Landkreise Rosenheim und Garmisch-Partenkirchen umfaßt.
Nach anfänglichen Schwankungen gibt es heute wieder ein rundes Dutzend Zuchtbetriebe in Bayern, einige sogar auch weiter nördlich, sowie in der Schweiz. Der Bestand ist jedoch als gefährdet einzustufen.
Eigenschaften#
Mittelgroßes, ganz pigmentiertes Schaf im Typ des Deutschen Bergschafes. Ramsnasiger Kopf, unbehornt und schmal; hängende Ohren. Tiefer, breiter Rumpf, langer Rücken und stramme Lende. Kräftige Bei-ne mit harten Klauen, sehr steigfähig und witterungsunempfindlich. Robust und leichtfuttrig. Asaisonales Brunstverhalten; Frühreife und hohe Fruchtbarkeit sind rassetypisch. Grobe, lange Wolle, die guten Wetterschutz bietet. Bei lan¬ger Sonnenbestrahlung wird die cognac- bis dunkelbraune Wolle an den Haar-spitzen ganz hell.
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:
Martin Haller. Seltene Haus- und Nutztierrassen. Leopold Stocker Verlag, Graz 2000; 2. Auflage 2005.
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

