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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Bau einer mittelalterlichen Burg in Friesach#

In Friesach Friesach, Kärnten in Kärnten wird ein historisches Experiment realisiert: es wird eine mittelalterliche Burg mit mittelalterlichen Methoden gebaut.

Bewusst wird auf alles verzichtet, was der technische Fortschritt in den letzten Jahrhunderten an Erleichterungen gebracht hat. Die Arbeiter werden - unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Universität Klagenfurt - in traditionelle Handwerkstechniken eingeschult und bewahren diese dadurch vor dem Aussterben.

Gebaut wird authentisch mit mittelalterlichen Handwerksmethoden - moderne Werkzeuge oder gar Maschinen sind hier nicht zu finden - und es werden ausschließlich natürliche Stoffe wie Holz, Stein, Kalk verbaut, die vor Ort gewonnen werden.

Das Burgbau-Experiment mit wissenschaftlicher Begleitung startete im Frühjahr 2009 und ist auf 30 Jahre angelegt. Es wird anfangs von der Gemeinde Friesach, dem Land Kärnten, dem AMS und der EU finanziert, später soll sich dieses Projekt durch Sponsoren und Eintrittsgelder wirtschaftlich alleine erhalten.

Cementarius
"Faber" - der Schmied
© Renate Jernej/Gertrud Pollak
Auf ca. 4000 m² wird die Burganlage errichtet: geplant ist eine staufische Höhenburg mit Bergfried, Wohngebäude (Palas), Wirtschaftsgebäude, eine Kapelle, ein Garten sowie eine Ringmauer mit Toranlage. Der Bau liegt auf einem Hügel mit zwei Terrassenstufen unmittelbar südlich der Stadt Friesach. Rund um die Burg entstehen die Bauhütten der Handwerker, Unterstände für Tiere und eine kleine Landwirtschaft.

Ein "Faber" (Schmied), eine "Serrator" (Säger), ein "Cementarius" (Maurer), Zimmerleute und Steinmetze in Kleidung des Hochmittelalters arbeiten wie im Mittelalter auf der Baustelle. Und - wie jede moderne Baustelle - benötigt auch eine mittelalterliche Burg einen Polier, einen "Parlarius".

(Das Wort stammt vom französichen Wort "parler" ab und bedeutet sprechen; der "Parlarius" war also der Sprecher der Baustelle. Später wurde daraus der "Parlier" und im Neuhochdeutschen entwickelte sich daraus die Bezeichnung "Polier", die heute noch verwendet wird.)


Die Baustelle soll für Wissenschaftler und Touristen, die den Werktätigen bei ihrer Arbeit zusehen können, gleichermaßen Anziehungspunkt sein und so auch die Wirtschaft der Region beleben.

Cementarius
"Cementarius" - ein Maurer
© Renate Jernej/Gertrud Pollak

Idee und Konzept einer mittelalterliche Baustelle mitten in Friesach stammen von der Klagenfurter Historikerin Renate Jernej und ihrer Geschäftspartnerin Gertrud Pollak. Sie entstanden während eines Restaurierungsprojektes mit Arbeitslosen und ähneln nur auf den ersten Blick einem gut besuchten Burgneubauprojekt, das es im französischen Guédelon bereits gibt.


Es sollten nicht nur alte Techniken erforscht und bewahrt werden, sondern eine "Schule des Bauens" geschaffen werden, in der auch neue Lern- und Managementstrategien ausprobiert werden und Barrierefreiheit, "gender diversity" und die Begegnung von Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten gefördert werden.
Die Vision, die das Projekt Burg Friesach bewegt: Wissen erweitert die Kenntnis von vergangenen Gesellschaftsentwürfen und erhöht die Denkmöglichkeiten. Ziel ist das Lernen aus der Vergangenheit. Die Burg Friesach wird als Denkraum verstanden; Lebens-, Arbeits- und Zeitmodelle für eine künftige Gesellschaft sollen hier einen Platz haben.

(Auf Grund von Auffassungsunterschieden haben sich mittlerweile die Initiatorinnen und die Stadt Friesach als Eigentümerin der Projektgesellschaft getrennt.)

Quellen#


Redaktion: K. Ziegler