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Burgring#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Naturhistorisches Museum
Naturhistorisches Museum
© Alfred Wolf

Den Burgring charakterisieren einerseits die ehemaligen Hofmuseen mit ihren beiden Kuppeln, andererseits Burgtor und Heldenplatz. Der Bereich Heldenplatz - Maria-Theresien-Platz bis hin zu den Hofstallungen in der Vorstadt war für das Kaiserforum vorgesehen. Sein Hauptstück sollte ein überkuppelter Thronsaal sein, von dessen Trakten aus halbkreisförmige Kolonnaden den querovalen Heldenplatz umschlossen hätten. Spätantike Kaiserpaläste und der Petersplatz in Rom dienten als großzügige Vorbilder. Über die Ringstraße hinweg sollten Triumphbogen die Einheit zwischen Hofburg und Hofmuseen herstellen. Obwohl nur etwa ein Drittel des Projekts verwirklicht wurde, erreichten die Kosten 21 Millionen Gulden - fast siebenmal so viel wie für die Votivkirche.

Nachdem ein Wettbewerb keine befriedigenden Ergebnisse für das Kaiserforum erbracht hatte, berief man den damals in Zürich lehrenden Architekturprofessor Gottfried Semper (1803-1879) als Schiedsrichter. Er legte einen eigenen Entwurf vor, der den Zuschlag erhielt. Allerdings unter der Bedingung, einen der Konkurrenten als Mitarbeiter zu engagieren. Seine Wahl fiel auf den 30 Jahre jüngeren Carl Hasenauer (1833-1894). Die Zusammenarbeit war von Rivalitäten gekennzeichnet, die nach fünf Jahren zu Sempers Rückzug führten. Sein Forumprojekt brachte neue Größenordnungen in die Ringstraßenarchitektur ein. Semper bediente sich der bis dahin in Wien wenig verwendeten Riesenordnung mit hoher Sockelzone - ideale Stilmittel, um die Distanz der kaiserlichen Gebäude von der Umwelt und den Betrachtern zu betonen. Zudem wirken die kühn schwingenden Kolonnaden ehrfurchtsgebietend. Vier Bauteile wurden von dem Projekt ausgeführt: Corps de Logis, ein annähernd quadratischer Palastbau mit glasgedecktem Innenhof (Völkerkundemuseum); der Burggartentrakt mit seiner 170 Meter langer Fassade (Nationalbibliothek), der Richtung Heldenplatz anschließende Kolonnadenbau mit den riesigen Säulenstellungen (Sammlungen des Kunsthistorischen Museums) und der Festsaaltrakt. Er stellt die Verbindung zu den älteren Teilen der Hofburg her. Nach entsprechenden Umbauten entstand in den 1950-er Jahren das Kongresszentrum Hofburg. Die Reiterdenkmäler auf dem Heldenplatz stellen auf der Westseite Erzherzog Carl und bei der Neuen Burg Prinz Eugen von Savoyen dar. Anton Dominik Fernkorn (1813-1878) gestaltete sie als Bronzeguss.

Fernkorn zählt mit Caspar Zumbusch (1830-1915) zu den bedeutendsten Monumentalplastikern der Ringstraßenzeit. Zumbusch schuf 1874-1888 als Mittelpunkt des Maria-Theresien-Platzes das Monument. Allein die sitzende Kolossalstatue der Herrscherin misst rund sechs Meter. Das fast 20 Meter hohe Denkmal nimmt eine Fläche von 632 m² ein und beinhaltet mit 24 Figuren eine „Geschichte Maria Theresias“, wie sie der Historiker Alfred Arneth aufgrund seiner Forschungen zusammengestellt hatte. Allegorien, Feldherren und andere verdiente Persönlichkeiten sind plastisch oder in Hochreliefs dargestellt. Im Park, der das Denkmal umgibt, befinden sich vier Wasserbecken mit Figurengruppen und zwei „Rossebändiger“ von Theodor Friedl (1842-1899), der sie 1888-1891 entwarf.

Burgring 5 und 7 befinden sich das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum. In Formen italienischer Renaissance erbaut, stehen die ehemaligen Hofmuseen (1871-1891) nach Plänen von Carl Hasenauer und Gottfried Semper einander symmetrisch gegenüber. Die je 170 Meter langen Gebäude sind viergeschossig mit achteckigen Kuppeltürmen, die fast 65 Meter Höhe erreichen, und je vier Nebenkuppeln. Die Fassaden zeigen Säulendekorationen und auf der Attika Statuen prominenter Vertreter der Kunst bzw. Naturwissenschaft. Bei der Gestaltung der Treppenhäuser und Vestibüle mit bunten Marmorsorten, Goldmontierungen und Wandmalereien erreichte die Prunkdekoration einen Höhepunkt. Maler wie Hans Makart (1840-1884), Franz Matsch (1861-1942), die Brüder Gustav und Ernst Klimt wirkten an der Ausstattung des Treppenhauses und Vestibüls im Kunsthistorischen Museum mit. Blickpunkt der Haupttreppe ist die Theseusgruppe von Antonio Canova (1757-1822) die sich zuvor im Theseustempel befand. Im Naturhistorischen Museum malte Hans Canon die Bilder des Vestibüls und Treppenhauses. Die international berühmten Bestände der beiden Museen gehen auf kaiserliche Sammlungen zurück.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt 2007
Redaktion: hmw