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Die Erlöserkirche (Christus-Salvator-Kirche) #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum


von

Mag. pharm. Dr. Bernd Mader


Erlöserkirche
Die Kirche am LKH-Univ. Klinikum Graz.
© Klinoptikum

Es mag manchen Besucher überraschen, aber die Kirche im LKH-Klinikum Graz ist nicht nur ein Baujuwel, sondern auch schon seit 1919 eine eigenständige Pfarrkirche. Bei deren Errichtung diente den beiden Hauptverantwortlichen für den Bau, Baurat Karl Hupfer und Architekt Ing. Franz Gabrić, die Otto- Wagner-Kirche „St. Leopold“ am Steinhof in Wien als Vorbild. Außen- und Innenausstattung der Grazer Kirche weisen immer wieder Stilformen der Wiener Secession auf.

Genau in der Mittelachse des ursprünglichen LKH gelegen, fügt sich die Kirche, in erhöhter Lage liegend und über eine verzweigte Stiege erreichbar, am Ende einer in Nord-Südrichtung verlaufenden Allee als Gesamtkunstwerk nahtlos in das Ensemble ein. Die Kirche weist einen kreuzförmigen Grundriss auf. Eine zentrale, mit Kupfer eingedeckte Kuppel und ein daraufgesetzter Tambour, der ein Kreuz trägt, überdecken die Vierung.

Erlöserkirche
Auch der Innenraum der Kirche ...
© Klinoptikum

Die Schauseite der Kirche begrenzt links und rechts ein niedriger Stumpfturm. Die zwei Posaunen blasende Engel, die zu beiden Seiten des Rundbogenfensters, welches sich über dem mit einem Glasvordach gedeckten Eingang befindet, zu sehen sind, erweckten anfangs kirchlicherseits heftige Proteste. Sie hatten nackte Brüste und man war der Ansicht, dass man Engel nur als Jünglinge darstellen dürfe. Neben Stuckgirlanden ziert auch noch eine Uhr die Schauseite unserer Erlöserkirche.

Im Inneren besitzen der Chor und die Querarme ein Tonnengewölbe, unter der Empore findet man eine kassettierte Flachdecke. Dort steht auch links und rechts je ein Beichtstuhl. Je ein Weihwasserbecken befindet sich im Vorraum. Die Verglasung der Rundbogenfenster an drei Seiten der Kirche weist einfache geometrische Muster auf.

Über dem Altarretabel aus Marmor befindet sich das von Prof. Alfred Schrötter, Ritter von Kristelli (1856 –1935) geschaffene Altarbild „Christus als Erlöser“ (sign. 1912). Der Künstler wählte die Worte aus dem Evangelium „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ (Mt. II, 28) als Thema seines Bildes.

Die Chorschranke und der Ambos entsprechen dem Stil der Einrichtung und auch der neue Volksaltar ist kein Fremdkörper im Gesamtensemble.

Erlöserkirche
... wurde ganz im Jugendstil gestaltet.
© Klinoptikum

Von der 14 m hohen Innenkuppel hängend, dient ein sehr schöner Messing-Kristallluster dem Ausleuchten des Kircheninneren. Im Raum unter der Kuppel sind auf vier schmalen Dreieckszwickeln in Medaillons die vier Evangelisten mit ihren biblischen Symbolen auf goldenem Hintergrund in Relieftechnik dargestellt.

Entlang der seitlichen Querhausarme schmücken vergoldete Kreuzwegbilder in Reliefform, die vom Grazer Bildhauer Peter Neuböck stammen, das Kircheninnere. Im Bereich unterhalb der Kuppel findet man auf der linken Seite eine schlichte oktogonale Kanzel mit Schalldeckel, auf der rechten Seite findet man an dieser Stelle an der Wand ein Marienrelief, eine Nachbildung eines Werks von Donatello. Im rechten Querhausarm ist eine kleine Andachtsstätte mit einer Marienstatue im Stil des 18. Jh. vorhanden, im linken Querhausarm findet man ein Taufbecken.

Seit 1982 zieren zwei neue Reliefs den Eingangsbereich der Kirche. Sie zeigen auf der rechten Seite den hl. Josef mit Jesuskind und mit unserer Kirche, auf der linken Seite die hl. Katharina Laboure mit der „Wundertätigen Medaille“. Beide Reliefs stammen vom Grazer Künstler Walter Pisk.

Großen Wert legte man auf eine sorgfältige und hygienisch einwandfreie Innenausstattung. So wurde der Fußboden mit leicht zu pflegenden Keramikplatten ausgestattet. Als Fliesenschmuck dienen große und kleine Rhomben in Blau und Gelb. Bänke und Türen wurden zum Fußboden hin mit Stoßbändern aus Messing ausgestattet, um das Holz vor Nässe und Beschädigung zu schützen.

Die Bankreihen sehen 148 Sitzplätze vor. Alle Bänke erhielten abgerundete Ecken um Verletzungen zu vermeiden, die seitlichen Bankstützen weisen als schlichtes Zierelement ein Doppelquadrat auf.

Trotz finanzieller Engpässe legte man viel Wert auf eine hochwertige Ausführung der Türgriffe und Türbleche, vor allem die Verkleidung der Heizkörper mit einem beweglichen Messingvorhang bestechen durch ihre Ausführung.

1936 #

Die II. Augenabteilung wird zum Primariat. Der Grazer Pharmakologe Otto Loewi wird für den Nachweis, dass für die nervale Erregung außer einem elektrischen Potential auch ein chemisches Agens nötig ist, mit dem Nobelpreis gewürdigt.

1938 #

Nach dem Anschluss Österreichs am 12. März kam es zu zahlreichen Entlassungen. Darunter befanden sich auch die Nobelpreisträger Otto Loewi, Victor Franz Hess und Erwin Schrödinger.

1938 #

Das Grazer Landeskrankenhaus wird in ein Gaukrankenhaus umgewandelt.

1939 #

Die Urologische Station wird als Primariat errichtet. Auf der New Yorker Weltausstellung wird das Fernsehen vorgestellt.

1940 #

Der österreichisch-amerikanische Hämatologe Karl Landsteiner und sein amerikanischer Kollege Alexander Solomon Wiener entdecken den Rhesus-Faktor.

1941 #

Die Universität wird in „Karl- Franzens-Reichsuniversität Graz“ und im darauf folgenden Jahr in „Reichsuniversität Graz“ umbenannt.

Quelle#

  • Klinoptikum (Ausgabe 1/2012)


Redaktion: Mag. pharm. Dr. Bernd Mader



Das Hochaltarbild der Kirche wurde von Prof. Alfred Schrötter von Kristelli (1856 - 1935), zusammen mit seinem Sohn Hans Schrötter von Kristelli (1891-1956)geschaffen. Vgl. dazu: Norbert Weiss, Das Grazer Universitäts-Klinikum. Eine Jubiläumsgeschichte in hundert Bildern. Graz 2ß013, S. 209

-- Mader Bernd, Donnerstag, 28. August 2014, 17:21