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Christus in der Kelter, die Kulmpäpste und die Quelle Maria Brunn#

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Christus in der Kelter
Christus in der Kelter
© Willi Senft

Die Legende berichtet, daß vor tausend Jahren auf dem Kulm bei Weiz (einem alten illyrisch-keltischen Wohnplatz), der damals den Namen „Himmelsberg" geführt haben soll, auch schon eine Kirche gestanden hat. In ihr sei das Bild „Christus in der Kelter" bzw. „Christus in der Presse" verehrt worden. Dieses Thema stellt den leidenden Heiland dar, wie er Trauben in einem holzgefassten Preßkorb tritt, während ein schwerer Holzbalken, der von einer Preßspindel niedergezwängt wird, dem Erlöser dicke Blutstrahlen aus den fünf Wunden drückt. Die Grundlage für dieses Motiv bezieht sich auf eine Stelle im Alten Testament, wo es heißt: „Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm, daher ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt."

In der Kapelle „Maria Brunn" am Kulm hängt dieses Votivbild als Kopie; das Original befindet sich im Museum von Pischelsdorf. Schon im vorigen Jahrhundert war das Gemälde zwischenzeitig aus der Kapelle entfernt worden, weil man der Meinung war, daß es kein Andachtsbild sei. Knapp vor 1900 kam es dann aber wieder zurück.

Christus ist hier sehr ungewöhnlich als Leidensmann dargestellt, indem er in eine Wein- oder Obstpresse eingespannt ist und derart Marterqualen erleidet. Das Bild scheint in der letzten Pestzeit angefertigt und aus Spendengeldern der Wallfahrer auf den Kulm bezahlt worden zu sein. Es sind europaweit nur noch wenige ähnliche Darstellungen des „Christus in der Preß" bekannt.

Bischof Johann IV, Graf von Wallenstein, ließ anläßlich einer Visitation am Kulm ein Bild mit diesem Motiv entfernen und im Jahre 1804 im Pfarrhof zu Stubenberg verbrennen. Jedoch bereits etliche Jahre später wurde wiederum ein Bildnis „Christus in der Preß" von Anger aus auf den Kulm gebracht, welches mit dem heutigen identisch sein soll.

Es gab aber auch noch einige andere bemerkenswerte Ereignisse, welche Zusammenhänge mit den Kulten am Kulm aufzeigen: so wurde im Jahre 1652 auf der östlichen Seite des Kulms von Johann Maximilian von Herberstein ein Augustiner-Barfüßer-Kloster gegründet. Die Mönche wurden mit einer merkwürdigen Aufgabe beauftragt. Sie mußten nämlich einige fanatische Religionsschwärmer, die sogenannten „Kulmpäpste", bekehren. Sie lagen wegen ihrer religiösen Tätigkeiten im Burgverlies zu Herberstein in Eisen. Ihre Namen sind überliefert: Matthias Lamer, Oswald Wimmer, Maria Sauruckin sowie Maria Konradin, alle entstammten der Kulmgegend.

Man weiß heute noch immer nicht, ob diese Personen vielleicht im Zuge der Hexenverfolgungen eingekerkert wurden. Da jedoch kein derartiger Prozeß bekannt ist, scheint es sich um einen eigenartigen Fall religiösen Sektierertums gehandelt zu haben, dessen genauere Ursachen und Auswirkungen bis heute noch immer nicht geklärt werden konnten.

Bereits im 18. Jahrhundert bildete sich dann insoferne ein Kult aus, als Wallfahrten zur Quelle „Maria Brunn" auf dem Kulm ausgeführt wurden, welche Blinde sehend machen sollte. Außerdem wurde behauptet: „So oft einer ein solches Bild küsse, könne durch das Blut Jesu eine Seele aus dem Fegefeuer erlöst werden."

Trotz der Proteste der umliegenden Pfarren konnte der Kult nicht eingestellt werden, und nach dem Verbrennen des ersten Bildes von 1804 wurde auch der Pfarrer von Puch beauftragt, seine Gemeinde aufzufordern, die Bilder zum „Heiland in der Presse" abzuliefern.

Aber dem Druck der Bevölkerung nachgebend, wurden dann neue Bilder gemalt, welche in der Darstellung des Motivs „anständig" waren.

Geblieben sind bis in die heutige Zeit aber die Wallfahrten der Gläubigen aus den Umgebungsgemeinden auf den Kulm, wobei die an der Außenwand der Kapelle gefaßte Quelle „Maria Brunn" - geschmückt mit einer kleinen Marienstatue und einem Tropfstein - den Mittelpunkt der Verehrung genießt. Noch aus alten Zeiten weiß man ja, daß das „heilige Wasser" gegen Augenleiden, Hörschwäche, rheumatische Beschwerden, offene Füße u. a. m. hilft.

Wandertip#

Auf den Kulm kann man schon von Puch über den Rosenkogel loswandern, oder wir fahren zum „Ackerwirt" auf 716m hinauf. Von dort gibt es einen flacher und einen steiler angelegten Pfad. Der steilere wurde vom Ackerwirt humorvoll als „Extremroute" beschildert. Dieser Pfad fuhrt uns vom Süden zuerst über Wiesen und dann durch Föhrenwald zügig aufwärts. Bald wird der Blick frei, und wir kommen auf das langgezogene Gipfelplateau. Hier war bis vor kurzem in Form eines kleinen Freilichtmuseums eine frühgeschichtliche Siedlung mit holzgebauten strohgedeckten Häusern errichtet. An der Südostseite steht ein hölzernes Gipfelkreuz (975 m), und daneben wurde eine Gedenkkapelle erbaut. An der Nordwestseite, wenige Meter unterhalb des Plateaus, steht das Kulmwirtshaus mit der daneben befindlichen Wallfahrtskirche „Maria Brunn". Der Gipfelrundblick ist allumfassend und reicht vom Bösenstein bis zum Bachern und in die ungarische Tiefebene. Den Rückweg zum Ackerwirt können wir auf markiertem Pfad an der Südostseite wählen.

(Gesamtgehzeit 2 1/2 Std., Kar¬te Freytag & Berndt Nr. 131)

Quellen#

  • Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft