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Cottageviertel#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Cottageviertel
Cottageviertel in der Hasenauerstraße um 1900.
Aus: Wikicommons

18. und 19., in einem Geviert zwischen Sternwartepark, Türkenschanzpark und der Hasenauerstraße (Cottagegasse, Blaasstraße, Weimarer Straße, Felix-Mottl-Straße, Sternwartestraße) Sternwartepark, Türkenschanzpark, Hasenauerstraße, Wien

Die aus England stammende Cottage-Bewegung führten Heinrich von Ferstel und Rudolf von Eitelberger in Wien ein. 1860 veröffentlichten sie gemeinsam eine Schrift über „Das bürgerliche Wohnhaus und das Wiener Zinshaus“, in der sie Einfamilienhäuser für den bürgerlichen Mittelstand, die Verbindung von Arbeits- und Wohnstätten und eine Auflockerung der Verbauung durch Gartenanlagen propagierten.

Cottageviertel
Die Villa von Arthur Schnitzler in der Sternwartestraße 71 in Wien. Arthur Schnitzler mit seiner Tochter Lili am Balkon. Im Garten seine Frau Olga mit dem Sohn Heinrich. Photographie. Um 1910.
© IMAGNO/Austrian Archives

Auf Initiative von Edmund Kral und Heinrich von Ferstel wurde am 13. 4. 1872 der Wiener Cottage-Verein gegründet. Er plante den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern mit umliegenden Gärten auf dem unverbauten Gebiet zwischen Döbling und Währing und befasste sich mit der Ausgestaltung des Wohnbereichs.

Die ersten 50 Bauten in einfacher, gotisierender Form wurden unter der Leitung von Architekt Carl von Borkowski, von dem auch die Parzellierungspläne stammen, errichtet. Nach der Übernahme der Bauleitung durch Hermann Müller wurden die Bauten mit dem Ansteigen der Grundstückspreise immer größer und eleganter.

Cottageviertel
Cottage Anlagen. Das Bild zeigt die Cottage Anlagen in Wien. Lithographie koloriert. 1875.
© IMAGNO/Austrian Archives

Am 26. 3. 1873 fand der erste Spatenstich für zunächst 50 Objekte statt, die unter der Leitung Karl von Borkowskis und unter Mitarbeit von Anton Zöchmann, Julius Deininger und Karl Haas errichtet wurden. Alle Häuser waren durch unregelmäßige Grundrisse, Erker, Holzveranden und abgestufte Giebel sehr abwechslungsreich gestaltet. Die geplante vertikale Anordnung der Räume übereinander fand jedoch wenig Zustimmung und musste zugunsten der horizontalen Wohnungseinheiten weichen. Sehr bald entstanden Zweifamilienhäuser und auch wieder Zinsvillen. 1884 war das erste Areal in Währing komplett verbaut, und der Cottage-Verein erschloss nun auch Döbling, wo sich rasch der Typus der eleganten Familienvilla etablierte.

Insgesamt errichtete der Wiener Cottage Verein mehr als 350 Häuser. Ähnliche Anlagen wurden schließlich um die Jahrhundertwende auch in Hütteldorf, Ober Sankt Veit und Hetzendorf errichtet.

Das Währinger und Döblinger Cottageviertel gehört zu den vornehmsten und teuersten Wohngegenden Wiens. Charakteristisch sind die vielen alten Villen und noblen Häuser sowie die Gassen voller Bäume und Grünflächen. Viele Prominente wohnen und wohnten hier, zum Beispiel Thomas Hampson und Arik Brauer. Die Villen im „Cottage-Stil“ haben oft rote Backsteinfassaden oder zeichnen sich durch ländliche Bauelemente aus. Sie waren meistens bürgerliche Familienhäuser, die in den Jahren 1873–74 anstelle teurer Zinspaläste errichtet wurden.

Quellen#

  • Lexikon der Wiener Kunst und Kultur. Nina Nemetschke, Georg J. Klüger, Mitarbeit von Ulrike Müller Kaspar. Ueberreuter Verlag, Wien. 1990.
  • Weiterführende Information


Redaktion: K. Ziegler