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Deutschordenshaus#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Deutschordenshaus
Sonderbriefmarke 1992
© Österreichische Post

Der Deutsche (Ritter-)Orden (Deutschherren) war, wie Johanniter und Templer, einer der drei großen Ritterorden, die zur Zeit der Kreuzzüge entstanden. 1190 gründeten deutsche Kaufleute in Akkon eine Spitalsbruderschaft, die 1198 in einen Ritterorden umgewandelt wurde. Herzog Leopold VI. berief den Deutschen Orden um 1200 nach Wien. Im 13. Jahrhundert entstanden Niederlassungen in ganz Europa. 1923 erfolgte die Umwandlung in einen geistlichen Orden, der sich auf religiöse und karitative Tätigkeiten konzentriert.

Die Schatzkammer des Deutschen Ordens bewahrt Insignien, Münzen, Medaillen, Siegel, Rüstungen und Uniformen des Ordens, kostbare liturgische Gegegnstände und die Kunstkammer ihres Hochmeisters Erzherzog Maximilian III. (1558-1618) mit Uhren, astronomischen Geräten und Prunkwaffen.

Das weitläufige Gebäude des Deutschordenshauses (Wien 1, Singerstraße 7) befand sich zwischen der Steinmetzhütte von St. Stephan und dem Domherrenhof. Im 13. und 14. Jahrhundert nahm die Kommende bedeutenden Aufschwung. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der mittelalterliche Komplex zusammengebaut und 1667 eine neue Kirche errichtet. Die älteste Fassade ist jene zur Blutgasse. Die Ableitung ihres Namens vom Blut erschlagener Tempelritter gehört der Legende an. Der Baukomplex gruppiert sich um zwei große Innenhöfe im Stil des 17. Jahrhunderts. Mehrere Gedenktafeln erinnern an prominente Bewohner: Die Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (im Gefolge des Salzburger Erzbischofs Graf Colloredo), Johannes Brahms und der Dichter Cornelius Ayrenhoff.

Singerstraße 7 befindet sich die Deutschordenskirche, das bedeutendste Beispiel barocker Nachgotik in Wien (um 1720 verändert). Sie hat einen niederländischen Flügelaltar (aus Mecheln, 1520), der drei Nischen mit Holzreliefs enthält und außen Gemälde von Heiligen trägt. Der Altar kam 1864 aus der Danziger Marienkirche nach Wien. Das frühere Hochaltarbild (Maria mit Kind und Heiligen, von Tobias Pock, 1668) hängt hinter dem Altar. An den Wänden befinden sich Wappenschilde der Deutschordensritter. Als bemerkenswert gelten der Epitaph des Humanisten Johannes Cuspinian (1515), das Wetzhausen-Grabmal (von Loy Hering, 1524) und das Grabmal von Guidobald Graf Starhemberg (1737).

Quelle#


Felix Czeike: Bezirkskulturführer Innere Stadt. Wien 1983
Redaktion: hmw