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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Domfriedhof (Stephansdom)#

Der Boden rund um den Stephansdom Stephansdom, Wien ist heiliger Boden.
Schon die erste Stephanskirche als Pfarrkirche war - wie jede andere Pfarrkirche auch - von einem Friedhof, dem Stephansfreithof, umgeben, der 1255 erstmals genannt wurde.


Ein Teil dieses Friedhofs fiel zu Beginn des 14. Jahrhunderts dem Chorbau zum Opfer, als Ersatz wurde im Jahr 1309 ein Teil des Deutschordenshauses erworben.

Im Norden begrenzt durch den alten Pfarrhof, im Osten durch die Domherrenhäuser, im Süden durch die ehemalige Stephansschule und die alte Steinhütte (das heutige Curhaus), im Westen durch eine niedrige Zeile aneinander gereihter Gebäude, die zu Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen wurden, bildete der Friedhof einen abgeschlossenen Ort.


Ein Stadtplan aus 1547 gibt eine nähere Beschreibung des Geländes: wahrscheinlich wurde nur ein Teil des gesamten Platzes tatsächlich als Begräbnisstätte verwendet; von Wegen durchbrochen, erstreckten sich insgesamt acht größere und kleinere Gräberfelder, auf denen alle jene, die keine Gruftbestattung erhielten, begraben wurden.

Fünf Tore, die im Morgengrauen geöffnet und in der Abenddämmerung geschlossen wurden, erlaubten den Zugang zum Friedhof: das Mesner-, das Schuler-, das Singer- oder Hüttentor, das Rauber- und das Zinnertor.


Friedhof beim Stephansdom Wien
Friedhof beim Stephansdom Wien ca 1700.
Foto: Wiener Friedhofsführer, Falter Verlag. Aus: Wikicommons
Ein 1530 von Ferdinand I. verordnetes Verbot der Begräbnisse am Stephansfreithof aus hygienischen Gründen blieb nicht lange aufrecht; 1732 erfolgte die Sperre des Friedhofs durch Kaiser Karl VI.

In Folge wurden unter der Kirche und auf einem Teil des Friedhofsgeländes die sogenannten "neuen Grüfte" erbaut, die im 19. Jahrhundert erst die Bezeichnung "Katakomben" erhielten.


Bis zum Verbot der Gruftbestattungen unter der Domkirche durch Kaiser Joseph II. wurden hier an die 11.000 Menschen beigesetzt. Nach der vollständigen Aufhebung des Friedhofs im Oktober 1783 übernahmen die Kommunalfriedhöfe außerhalb des Linienwalls die Aufgaben des alten Stephansfreithofs.

An diesen erinnern heute noch an den Kirchenwänden angebrachte Grabdenkmäler und Totenleuchten.


Als vor einigen Jahren das "Riesentor" renoviert wurde, hat man auf dem Stephansplatz die sterblichen Überreste von Hunderten Verstorbenen gefunden. Man hat sie geborgen und sie in den Katakomben beigesetzt, um ihnen die verdiente letzte Ruhestätte zu geben.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl