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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Dreschen
Landarbeiter bei der Dreschmaschine, Oberösterreich um 1920
© IMAGNO, Austrian Archives

Erst nach dem Dreschen wird für den Bauern der Ertrag seiner Feldarbeit sichtbar. In vorindustrieller Zeit dauerte in Niederösterreich die Getreideernte vier Wochen in der Reihenfolge Roggen, Gerste, Weizen, Hafer. Vier Personen konnten pro Tag ein Joch (5.600 m²) bearbeiten. Die Garben wurden als "Mannderl" aufgestellt und zehn Tage zum Trocknen stehen gelassen. Dann brachte man sie auf vier Meter langen, von Ochsen oder Pferden gezogenen Leiterwagen heim.

Im Sommer wurde ein kleiner Teil der Roggen- und Weizenernte zur Saatgutgewinnung gedroschen. Die Hauptarbeit erfolgte im Winter, wenn mehr Zeit dafür war. Auf größeren Gütern sicherte diese den Tagelöhnern oft wochenlanges Einkommen. Die Drescherpartie bestand aus mehreren Arbeitern, die gut aufeinander eingespielt sein mussten. Die Bauern in der Wachau verwendeten bis in die zwanziger Jahres des 20. Jahrhunderts Dreschflegel (Drischel). Diese bestanden aus zwei beweglich verbundenen Stangen. Mit dem kürzeren oberen Teil schlug man das Korn von den Halmen. Aus der Steiermark wird berichtet, dass zwei Reihen mit je ca. 20 Garben mit den Ähren zueinander in der Tenne aufgebreitet fünf mal - in bestimmtem Takt - gedroschen wurden. Die ältere Volkskunde wusste von verschiedenen Bräuchen und Aberglauben beim Drusch. Wie bei der Ernte soll der letzten Garbe und dem letzten Drescher besondere Bedeutung zugekommen sein. Mit Dreschermahl und "Kehraustanz" feierten die Landarbeiter den Abschluss der schweren und staubigen Arbeit.

Als die Maschine den Dreschflegel ablöste, wurde diese zunächst durch die Kraft von Menschen oder Tieren, später durch Dampf oder Motoren angetrieben. Sie befand sich meist im Besitz mehrerer Bauern, die auch die Arbeit gemeinsam durchführten. Die dabei Beschäftigten stellten sich gerne einem Fotografen zum Gruppenbild. Mähdrescher, zuerst gezogen, sind seit den 1930-er Jahren im Einsatz. 1951 stellte eine deutsche Firma den ersten Selbstfahrer vor.

Quellen#


Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S 154
Richard Edl: Östliches Weinviertel. Alltag im Dorf. Erfurt 2003. S. 35 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 2/Sp. 463 f.
Michael Martischnig (Hg.) Sammeln und Sichten. Wien 1979. S. 197 f.
Film "Körndlbauern und Zegerltrager" von Anna Thaller, Andrea Müller und Helga Maria Wolf. Krems 2008
Redaktion: hmw