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Feld- und Waldbahnen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die Geschichte der Eisenbahn begann eigentlich bereits im Altertum mit den Spurrillen im Fels zur sicheren Führung von Fuhrwerken. Ab dem 16. Jahrhundert wurden (besonders in Bergwerken) der Länge nach aneinandergefügte Holzbohlen als Schienen verwendet; diese wurden 1767 in England zum ersten Mal mit Eisen beschlagen und die Räder zur Spurführung schon um 1730 mit Spurkränzen versehen.

1789 führte William Jessop (1745-1814) die Grundform der heutigen Schiene ein; 1820 gelang das Walzen von Stahlschienen, sie lösten die spröderen Schienen aus Gusseisen ab. 1801 erteilte das britische Parlament die Konzession für die erste öffentliche Pferdeeisenbahn von Wandsworth nach Croydon, deren Gleis jeder auch mit seinem eigenen Fuhrwerk benutzen konnte.

Nachdem in England 1823 die Anwendung der Dampfkraft und die Beförderung von Personen gestattet worden waren, wurde zwischen Stockton und Darlington (27. 9. 1825) die erste Eisenbahn der Welt (41 km) eröffnet - erstmals wurden hier mit einer Lokomotive auch Personen befördert.

Eisenbahn.jpg
Eröffnung der Eisenbahnstrecke Wien-Deutsch-Wagram am 6. Jänner 1838. Zeitgen. Lithographie
© Ch. Bandstätter Verlag, Wien


In Österreich begann 1825 der Bau der 1. Eisenbahn auf dem europäischen Kontinent und der längsten Pferdeeisenbahn der Welt von Budweis (Südböhmen) nach Linz (Pläne von F. A. von Gerstner; Länge 128 km; Spurweite: 110,6 cm).

1832 wurde der Betrieb bis Linz aufgenommen. Beim Bau konnten wertvolle Erfahrungen für Gebirgsbahnen gesammelt werden (Semmeringbahn). 1834-36 erfolgte die Verlängerung der Strecke über Lambach bis Gmunden (68 km); dieser Streckenteil wurde 1855/56 auf Lokomotivbetrieb umgestellt, doch zwischen Linz und Lambach bereits 1859/60 durch die Kaiserin-Elisabeth-(West-)Bahn ersetzt.

Linz- Budweis wurde 1872/73 auf Normalspur und Lokomotivbetrieb umgebaut, Lambach- Gmunden erst 1903 in Normalspur.


Die ersten Eisenbahnen waren nicht besonders lang, verbanden in der Regel ein paar Bergwerke oder eine Stadt mit einem nahe gelegenen Hafen.

England und Schottland waren wegen ihrer Vorreiterrolle in der Industrialisierung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts jene Länder, in denen die ersten Schritte sowohl in der Anlage eiserner Schienenwege als auch der neuzeitlichen Nutzung der Dampfkraft vollzogen wurden
(England unterschied danach zwischen "Tramway" (lokale Bahn mit Pferdebetrieb) und "Railway" (Eisenbahn mit Dampfbetrieb).

Waldviertler Schmalspurbahn
Die Waldviertler Schmalspurbahn. Ein normspuriger Lastwaggon auf Schmalspurrädern. Die Strecke der Schmalspurbahn verband damals die Städte Gmünd und Groß Gerungs. Waldviertel. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv


Die Spurweite der Strecke betrug 1435 mm und wurde in der Folge zum Standard bei den meisten Eisenbahnen der Welt.


Die erste Dampfbahn im Habsburgerreich fuhr 1837 zwischen Floridsdorf (heute Wien) und Deutsch-Wagram; sie war Teil der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn nach Österreichisch Schlesien, die am 7. Juli 1839 zunächst bis Brünn fertiggestellt werden konnte. Die Donaumonarchie tätigte wegweisende Pionierarbeiten im Gebirgsstreckenbau - so konnte am 17. Juli 1854 mit der Semmeringbahn die erste Gebirgsbahn der Welt eröffnet werden.


Nach der Spurweite werden unterschieden:

Eisenbahnen mit

  • Normalspur (Spurweite weltweit 1,435 m) in den meisten europäischen Ländern, Nordamerika und bisher auf allen Neubaustrecken
  • Breitspur (z. B. 1,520 m in Russland und Finnland, 1,600 m in Irland und Brasilien, 1,668 m in Spanien und Portugal, 1,676 m in Indien und Pakistan)
  • Kapspur (Spurweite 1,067 m) z. B. in Südafrika und Japan (außer Shinkansen)
  • Schmalspur (Spurweite 1,0 m bis 0,6 m) bei einfachen Betriebsverhältnissen und in topografisch schwierigem Gelände zur Verringerung von Bau- und Betriebskosten



Eisenbahnen mit einer Spurweite unterhalb der Normalspur (1435 mm), dazu zählte auch die 1. österreichische Eisenbahn, die Pferdeeisenbahn Budweis- Linz (1832, 1836 bis Gmunden), mit einer Spurweite von 1106 mm. Schmalspurbahnen ermöglichten mit schmalen Trassen, leichterem Unterbau und Rollmaterial sowie engeren Kurven die schnelle, kostengünstige Erschließung enger Täler und waren straßenbahnartige Lokalbahnen.

Schmalspur-Feldbahnlok
Schmalspur-Feldbahnlok der Breslauer Maschinenfabrik. Phot. E. Deltew. 1902
© IMAGNO/Archiv Lunzer

Die Spurweite 760 mm war auch für Bahnen des untergeordneten Verkehrs neben den Spurweiten 600 und 700 mm recht beliebt, sodass zahlreiche Feld-, Wald- und Industriebahnen entstanden.

Diese sind, auch wenn ihr Streckennetz oft kurz und ihre Lebensdauer beschränkt waren, insofern bedeutsam, da sie eine Vielzahl verschiedenster Fahrzeugtypen verwendeten, die auch heute noch auf verschiedenen Bahnen im Einsatz stehen. Alle Strecken sind heute ausnahmslos, bis auf einige minimale Reste eingestellt; Reste davon (Brücken etc.) kam man heute noch entdecken.


Bedeutende 760-mm-Bahnen:

Mariazeller Bahn (1898-1907, mit vergleichbarer Trassenführung wie die Semmeringbahn, 1911 elektrifiziert), Murtalbahn (1894), Pinzgauer Bahn (1898), Zillertalbahn (1900-02); die letzte 760-mm-Bahn wurde 1930 zwischen Birkfeld und Ratten eröffnet.



Weitere 760-mm-Bahnen:

Vorarlberg

  • Tschagguns–Partenen
  • Höhenbahn Trominier–Vermunt
  • Werksbahn zum Bau des Arlbergtunnels

Tirol

  • Klammbach-Waldbahn
  • Waldbahn Michlbach
  • Bächental-Waldbahn
  • Rauchmühle Innsbruck
Zinkentunnel der Mariazellerbahn
Die Zinkentunnel der Mariazellerbahn zwischen Wienerbruck-Josefsberg und Mitterbach. Niederösterreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv. 1909
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv
Salzburg
  • Waldbahnen im Pinzgau(Walchen, Uttendorf und Bramberg)
  • Anschlussbahn Uttendorf-Stubachtal–Kraftwerk Uttendorf I
  • Werksbahn des Eisenwerks Konkordiahütte, Tenneck
  • Werksbahn der Papierfabrik Hallein

Steiermark

  • Schwanberg–Kalkgrub
  • Mürzzuschlag–Hönigsberg
  • Böhlerwerke Kapfenberg
  • Birkfeld–Ratten
  • Stahlwerk Judenburg
  • Frohnleiten–Gamsgraben
  • Lamingtal-Schleppbahn
  • Waldbahn auf der Schanz
  • Werkbahnen im Thörlbachgraben:
  • Hinterberg – Grubegg
  • Deutschlandsberg–Freiland

Oberösterreich

  • Waldbahn Reichraming
  • Waldbahn Klein Reifling
  • Werkbahn Steyrermühl
  • Holzförderbahn Keindlau
Waldviertler Schmalspurbahn
Dampfende Waldviertler Schmalspurbahn auf Schienen durch Wiesen und Wald auf Waldviertler Semmering bei Bruderndorf zwischen Gmünd und Groß Gerungs. Österreich. Photographie. Um 2004
© IMAGNO/Gerhard Trumler
Niederösterreich
  • Waldbahn im Weinsberg Forst
  • Industriebahn Martinsberg–Gutenbrunn
  • Waldbahn St. Valentin–Gollensdorf

Burgenland

  • Werkbahn der Zuckerfabrik Hirm
  • Großpetersdorf–Rumpersdorf
  • Waldbahn Großmürbisch
  • Güssing–Rohr
  • Güssing–Neuberg

Kärnten

  • Anschlussbahn Rechberg
  • Werkbahn beim Bau des Karawankentunnels
  • Waldbahn Gundersdorf
  • Waldbahn im Rijawitzawald
  • Waldbahn St. Vinzenz

Ab 1957 wurden die Salzkammergut-Lokalbahn, die beiden Kärntner Linien (Gurktal, Vellachtal), die Steyrtalbahn, die Bregenzerwaldbahn und die Bahnen im nördlichen Waldviertel (lediglich Nostalgiefahrten ab Heidenreichstein) eingestellt. Auf den übrigen Streckenstücken finden noch Nostalgiefahrten statt.



Der österreichische Pionier in der Feldbahnforschung Manfred Hohn begann 1970 mit einer Bestandsaufnahme aller in Österreich jemals betriebenen Feldbahnen: das Ergebnis waren 1.200 Karteikarten mit ebenso vielen Bahnen. Von diesen waren 1986 nur mehr 13 betriebsfähig (wirklich in Betrieb nur mehr 5).

Literatur#

  • T. H. Mayer, Wie Österreich seine Bahnen baute, 1934
  • E. Hofbauer, Die österreichischen Eisenbahnen 1837-1937, 1937
  • E. R. Kaan, Die österreichischen Staatseisenbahnen, 1946
  • K. Feiler, Die alte Schienenstraße Budweis- Gmunden, 1952
  • W. Krobot und andere, Schmalspurig durch Österreich, 1961
  • G. Zwanowetz, Die Anfänge der Tiroler Eisenbahngeschichte, 1962
  • F. Aschauer, Oberösterreichische Eisenbahnen, 1964
  • Die Eisenbahnen in Österreich (zum 150jährigen Bestehen), 1987
  • K. Gutkas und E. Bruckmüller, Verkehrswege und Eisenbahnen, 1989
  • G. Schmid und andere, Bewegung und Beharrung, 1994.
  • Manfred Hohn, Feldbahnen in Österreich, 2. Band 2011, 304 Seiten

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl