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Eisenschmiede#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Eisenschmied
»Der Schmid« (Huf- und Waffenschmied). Kupferstich von Christoph Weigel. Aus: »Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände …«. Regensburg 1698
© Ch. Brandstätter Verlag

Eisenschmiede gelten als die ersten eigentlichen Handwerker und übten seit der Entwicklung der Eisentechnik (»Zeitalter des Eisens«) das »Mutterhandwerk« aller anderen Eisenarbeiter aus, das als geheimnisvolle Kunst galt. Ihre »Macht über das Feuer« und vor allem der Metallzauber haben den Schmieden überall den Ruf furchtbarer Zauberer eingebracht (Mircea Eliade).


In den Mythen sind die Schmiede meist hinkende, verkrüppelte, hässliche und verschlagene Menschen, deren Schmiedefeuer mit dem höllischen Feuer der Unterwelt in Zusammenhang gebracht wurde. Die Griechen verehrten Hephaistos, den lahmen Sohn des Zeus und der Hera, als Gott des Erdfeuers und der Schmiedekunst, der nach Homer seine Werkstatt auf dem Olymp hatte, die Römer Vulcanus, und in der Edda und Thidrekssage taucht der kunstreiche Schmied Wieland auf, Sohn des Riesen Wate, der bei dem Schmied Mimir und bei Zwergen in die Lehre ging.


Die Nutzung des Eisens gelang erst nach Verwendung der sieben Metalle Kupfer, Gold, Silber, Blei, Zinn, Antimon und Quecksilber, weil es, mit Ausnahme des seltenen Meteoreisens und des noch selteneren tellurischen Eisens, nur unrein vorkommt und sein Schmelzpunkt gegenüber den anderen Metallen relativ hoch liegt. Die Eisenerze, hauptsächlich Eisen-Sauerstoff-Verbindungen, hat man früher durch das Rennverfahren unmittelbar in Schmiede eisen umgesetzt, indem man sie auf einen Haufen glühender Holzkohlen, deren Hitze durch Hand- oder Tretbälge mit Tondüsen angefacht wurde (Rennfeuer), auftrug und damit die notwendige Trennung des Erzes vom Sauerstoff (Reduktion) und von anderen Erzbegleitern (Gangart) erreichte. Der sich sammelnde Eisenklumpen, im Mittelalter Luppe (von lupus = Wolf) genannt, wurde mit Brechstangen und Haken aus dem niedrigen Stückofen durch die geöffnete Ofenbrust gezogen oder durch die Gicht von oben herausgezogen.


Der Schmied bediente sich zur Umformung dieser faust- bis kopfgroßen Eisenklumpen in Gebrauchsgegenstände der wahrscheinlich ältesten Werkzeuge: des Hammers, des Ambosses und der Zange (Gelenk- oder Scharnierzange zum Greifen und Festhalten der glühenden Eisenteile). Als ursprünglichste Bearbeitungsweise galt das Strecken, bei dem der Schmied durch Hämmern des Werkstücks eine Ausdehnung unter Verminderung des Querschnitts erreichte. Unter Stauchen verstand man ein Verkürzen bei Verdickung, und beim Schroten wurden am Rande des Werkstücks Einschnitte eingehauen. Zur Herstellung größerer Gegenstände wurden zwei oder mehrere Eisenteile in sprühender Weißglut zusammengehämmert, was man Schweißen nannte. Erleichtert wurde die Formgebung durch die »Hörner« am Amboß oder durch Gesenke, Hohlformen, in die das glühende Metall eingeschlagen wurde.


Das Schmieden bewirkte aber nicht nur die Verformung, sondern ließ das Eisen auch zäher und biegefester werden, aber kaum härter als gehämmerte Bronze. Um den Härtegrad des Eisens, der unter anderem vom Kohlenstoffgehalt abhängig ist, zu erhöhen, entwickelten vermutlich als erste die Hethiter und Philister (eintausendfünfhundert beziehungsweise tausend Jahre vor Christus) die Technik des Härtens durch Aufkohlen. Luppenstücke, ausgeschmiedete Stäbe oder fertige Werkstücke wie Schwerter, Pflugscharen, Speerspitzen und Steinmeißel wurden mit Holzkohle bedeckt und unter Luftabschluss mehrere Stunden oder Tage bei etwa tausend Grad Celsius geglüht. Eine weitere Verbesserung der Härte erreichte man durch das Abschrecken, wobei das auf Rot- oder Weißglut erhitzte Eisen durch kaltes Wasser, Ochsen- oder Bocksblut, Urin und später Öl rasch abgekühlt wurde. Um Härtespannungen, die zu Rissen führen konnten, abzubauen, erwärmte man das Werkstück langsam wieder, was als Anlassen bezeichnet wurde.


Auf deutschem Boden hat sich erst im Verlauf der Völkerwanderung das Wandergewerbe des Schmiedes zum festen Hausgewerbe umgebildet, das neben den Kampf- und Jagdwaffen vor allem das Ackergerät und auch Werkzeuge wie Sicheln, Äxte, Beile, Hacken, Hämmer, Schnittmesser, Bohrer, Ziehlinge, mit Eisen beschlagene Schaufeln und Spaten herstellte. Kein anderes Handwerk erfuhr im Laufe der Zeit eine größere Spezialisierung als jenes der Eisenschmiede. Die erste Abtrennung erfolgte unter der Herrschaft Karls des Großen, in dessen Verordnung zur Bewirtschaftung seiner Güter (capitulare de villis) neben dem Eisenschmied der Schilderer oder Schildmacher aufscheint. Als nächste dürften sich die Messer-, Klingen- und Sensenschmiede selbständig gemacht haben.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.