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Färber - Heimatlexikon - Alltagskultur

Färber#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Beruf: Färber
»Der Färber«. Kupferstich von Christoph Weigel. Aus: »Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände …«. Regensburg 1698
© Ch. Brandstätter Verlag

Färber übten die Kunst aus, Garnen und Geweben (Wolle, Baumwolle, Leinen, Seide) eine bestimmte Färbung der ganzen Substanz zu geben (im Gegensatz zur Färbung nur der Oberfläche, womit sich die Zeug- und ’ Kattundrucker beschäftigten). Die Färberei, die sich im Anschluss an die Körperbemalung entwickelt haben dürfte, bediente sich ursprünglich ausschließlich natürlicher Farbstoffe, die aus Wurzeln, Blüten, Kräutern und Blättern, Früchten und Samen, Hölzern und Rinden, Mineralien und tierischen Produkten gewonnen wurden.


Um 1200 war eine Blütezeit der Färbekunst am Mittelmeer, besonders in Italien, die sich von hier über ganz Europa ausbreitete. Die berühmte Florentiner Calimala-Zunft der Großhändler und Tuchmacher erwarb Rohtuche in Flandern, um sie am Arno färben zu lassen. Mit »Petrus tintore« ist dort erstmals ein berufsmäßig tätiger Färber bekannt geworden. Aber auch die Flamen waren tüchtige Färber, die für die Verbreitung des Handwerks sorgten, und bereits 1208 werden flämische Färber, sogenannte Fläminger, in Wien erwähnt. Nach der Entdeckung Amerikas bekam die europäische Färberei durch Farbhölzer (Pernambuk, Brasilholz, Blau- und Gelbholz) neuen Auftrieb.


Zünftige Zusammenschlüsse der Färber sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt, allerdings blieb das Färben vielfach mit der Tuchmacherei eng verbunden und löste sich nur langsam aus der Weberei heraus. Als erstes selbständiges Gewerbe – allerdings noch von den Leinenwebern abhängig – etablierten sich die Schwarzfärber (beispielsweise 1259 in Regensburg), die zunächst nur Leinwand, sogenannte Grautuche und Loden färbten. Um dauerhafte schwarze Farben zu erhalten, kochten sie Eisensalze, Eisenoxyde oder Eisenfeilspäne (»Schliff«) mit Gerbsäuren in Wasser, später bestand die »Flotte« (Färbebrühe) aus Galläpfeln, Rauschbeeren, Schmack (Sumach) oder Knoppern. Mit der ganzen zur Verfügung stehenden Farbpalette machten sich die Schönfärber ans Werk. Zu den wichtigsten Farben gehörte das Blau des Färberwaids (eine zu den Kreuzblütlern gehörende Pflanze) und das Rot aus den gepulverten Wurzeln des Krapps (Färberröte). Waid wurde vor allem am Rhein und in Thüringen angebaut. Die gestielten, pfeilförmigen Blätter zerquetschte man in Waidmühlen, trocknete sie und brachte sie, als Pulver in Fässer verpackt, in den Handel. Waidmesser und Menger maßen und mischten den Waid dann im Waidhaus, bevor ihn die Waidgießer weiterbehandelten. Noch heute finden sich in Thüringer Ortschaften sogenannte Waidsteine oder Quetschräder, und in der Gemeinde Pferdingsleben (Kreis Gotha), wo noch bis 1912 Waid angepflanzt wurde, ist die letzte Waidmühle erhalten geblieben.


Beruf: Färber
»Der Schwartzferber« (Färber). Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Ch. Brandstätter Verlag

Der Waid wurde ab Mitte des 16. Jahrhunderts allmählich vom eingeführten Indigo verdrängt, der zunächst als »Teufelsfarbe« in üblem Ruf stand und dessen Anwendung eine Zeitlang bei Strafe (in Sachsen sogar bei Todesstrafe) verboten war. Er wurde in kristallisierter Form von den Färbereien eingekauft und dort zerkleinert und feingerieben (in größeren Färbereien von ungelernten Farbreibern im Tagelohn). Neben der bereits erwähnten Färberröte Krapp gewann man rote Farbstoffe aus tropischen Rothölzern (Pernambuk, Brasilholz), aus der getrockneten Körperflüssigkeit der Cochenillelaus oder aus »Drachenblut« (das Harz eines palmenartigen Baums). Gelb wurde mit Wau gefärbt, einem Kraut, das man auch Färberresede, Gelbkraut oder Romantisches Kraut nannte, oder mit der Quer zitronrinde, mit Gelbund und Fisethölzern, wildem Safran oder Gelbbeeren.


Ein weiterer Berufszweig waren die Seidenfärber, die für gewöhnlich ausserhalb der Zünfte standen und sich nur in einzelnen Zentren der Seidenweberei zu einem wirklich großen Handwerk entwickelten. Die Seide wurde vor dem Verweben gefärbt und erforderte mehr Vorbereitung (wie das Entbasten oder Degummieren) als beispielsweise Wolle. Auch wurde Seide nach dem Färben in der Regel durch ein Schlussbad mit Öl und Säure geschönt (aviviert). Die üblichen Farbstoffe wurden noch ergänzt durch den Saflor (der gelbe Farbstoff der Färberdistel), den Orlean (orangegelber Farbstoff) und die Orseille (roter Farbstoff aus verschiedenen Flechten). Die Werkstätten der Färber, die immer an fließendem Wasser lagen, benötigten für ihre Arbeit (Waschen, Beizen, Spülen, Färben) zwar stets reines, weiches und klares Wasser, doch aus ihren Kesseln ergoss sich eine trübe, stinkende Brühe (»Waidmost«) und verschmutzte zum Leidwesen der Anwohner die Gewässer. Bezeichnungen wie Blauhandgasse (Frankfurt am Main) oder Blaubach (Köln) weisen auf dieses Problem hin. Über die Umstände, unter denen die Färber arbeiten mussten, berichtete der italienische Arzt Bernardino Ramazzini (1633–1714), dass die Atmosphäre heiß und feucht war, und dass, »wenn man in dem Augenblick, wo die Farbkessel in Tätigkeit sind, in die Stube tritt, aus der geöffneten Türe ein solcher Qualm dringt, dass man kaum hindurch sehen kann. Jeder Gegenstand, den dieser widerwärtige Dunst berührt, wird von demselben gefärbt; er besteht 1) aus dem Rauch der Öfen; 2) aus den Wasserteilchen, die als Dunst aus den Kesseln emporsteigen; 3) aus den verschiedenen Salzen und Beizen, welche beim Färben angewandt werden; 4) aus den Teilchen, die sich von den vegetabilischen oder animalischen Farbstoffen absetzen. Die Färber müssen ausserdem noch ihre Stoffe in fließendem Wasser waschen, wodurch sie leicht Rheumatismen, Katarrhe, Asthma und Brustwassersucht bekommen. Die Färber, welche in Paris am Fluss Bièvre arbeiten, leiden oft an Wechselfiebern; viele von ihnen bekommen die Schwindsucht. Infolge der Bleipräparate, welche man zu manchen Farben gebraucht, werden die Färber zuweilen von der Metallkolik befallen.«


Im 19. Jahrhundert erfuhr die handwerkliche Färberei vor allem durch die Entdeckung der Teerfarbstoffe (Anilinfarben) 1859 einen gewaltigen Umbruch, denn nun konnte jede Farbnuance erreicht werden, und als substantive Farben verbanden sie sich unmittelbar mit der Faser, was die zur Fixierung erforderliche Beize ersparte. Der Färbeprozess reduzierte sich auf das Waschen und das Bad in der »Flotte«, und die alten Farbstoffe verloren an Bedeutung.


Aquarell, A. Zötl
Bisamratte. Aquarell von Aloys Zötl. 1871
© Ch. Brandstätter Verlag

Ein sicherlich ungewöhnlicher Färbermeister war Aloys Zötl aus Freistadt in Oberösterreich. In seiner spärlichen Freizeit aquarellierte er Reptilien, Vögel, Fische, Muscheln, Insekten und Säugetiere vor imaginären Landschaften, gab den Bildern Namen wie »Der große Makak«, »Die gestreifte Hyäne« oder »Exotische Muscheln« und versah sie mit genauem Datum. Als er 1887 starb, umfasste sein phantastisches Werk schätzungsweise zweihundertsiebenundfünfzig Arbeiten, die sich heute alle im Besitz privater Sammler – unter ihnen Pierre Balmain und Alix de Rothschild – befinden. 1955 und 1956 fanden im Hôtel Drouot in Paris zwei Auktionen statt, bei denen vermutlich die letzten von Zötls Aquarellen versteigert wurden. Der Versteigerungskatalog überraschte mit einem Text von André Breton: »Da uns überhaupt kein biographisches Detail bekannt ist, können wir uns nur mit unserer Phantasie ausmalen, was den Färbermeister aus Oberösterreich antrieb, in den Jahren 1832 bis 1887 mit so großem Eifer das prächtigste Bestiarium zu schaffen, das es jemals gab: Als ob das professionell in der subtilsten Selektion der Farben und Töne geübte Auge Zötls mit einem geistigen Prisma ausgestattet gewesen wäre, das wie ein visionäres Instrument arbeitete und ihm wie in einer Kettenreaktion das Tierreich bis zu seiner entferntesten (verborgensten) Spezies enthüllte, das ja bekanntlich eine rätselhafte Existenz in uns allen weiterführt und eine entscheidende Rolle im unbewussten Symbolismus spielt.«


Quellen:

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.