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Falkner#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Der Falke. 1782. Kupferstich. Aus: »Schauplatz der Natur und Künste«, in vier Sprachen, deutsch, lateinisch, französisch und italienisch. Achter Jahrgang. Verlag
Der Falke. 1782. Kupferstich. Aus: »Schauplatz der Natur und Künste«, in vier Sprachen, deutsch, lateinisch, französisch und italienisch. Achter Jahrgang. Verlag

Falkner (auch Falkoniere) waren Jäger, die sich bestimmter Greifvogelarten als Helfer beim Erlegen von Haar- oder Federwild bedienten und die Haltung der zur Beizjagd abgerichteten Beizvögel besorgten. Die Beizjagd blühte in Europa vom 14. bis ins 17. Jahrhundert und bildete eines der vornehmsten Vergnügen der Fürsten und Herren. Abgerichtet wurden hauptsächlich der Gerfalke, der Lanner oder Feldeggsfalke, der Sakerfalke und der Wander falke, aber auch der Habicht und der Sperber. Sie wurden zunächst so weit gezähmt, daß sie, an den Fängen mit schwachen Lederriemen gefesselt, mit über den Kopf gezogener Haube auf der linken, mit starkem Lederhandschuh bekleideten Faust saßen.


Zur Jagd wurde der Falke dadurch abgerichtet, daß man ihn, erst an einen Faden gefesselt, später frei, auf eine Taube stoßen ließ, mit der er auf Ruf (»hilo«), durch die an eine Schnur gebundenen Flügel einer Taube (Federspiel) angelockt, auf die Faust zurückstrich. »Gebeizt« wurden Fasane, Rebhühner, Kraniche, Trappen, Gänse, Enten sowie Hasen und Kaninchen, doch vorzugsweise der Fischreiher, der deshalb auch zur hohen Jagd gehörte (Reiherbeize). Erhob sich ein Reiher, so wurde der Falke von der Kappe befreit und von der Faust geworfen. Konnte der Falke den Reiher überhöhen, so stieß er auf ihn herab und brachte ihn zu Boden.


Beruf: Falkner
»Der Weydmann« (Vogeljäger). Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Ch. Brandstätter Verlag

»Der Falke, der auf einen Kranich fliegt, wird ihn entweder schlagen oder fehlen, festhalten oder auslassen. Wenn er den Kranich schlägt und festhält, darf sich ihm der Reiter, der zu seiner Hilfe heransprengt, nicht von vorn, sondern nur von der Seite her nähern, denn es wäre immerhin möglich, daß er sein Pferd nicht rechtzeitig zum Stehen brächte und der Falke dann unter dessen Hufe geriete und zertrampelt würde. Deshalb sitze er etwas vorher ab und eile zu Fuß rasch hinzu. Sollte jedoch der Hund den Kranich schon gefaßt haben, entferne er ihn, aber nicht mit Schelten, sondern mit gutem Zureden. […] Da es für den Gerfalken nützlich ist, den Schrei des Kranichs zu kennen, damit er sich daran gewöhnt, von ihm zu kröpfen, verfahre man wie folgt. Bei einem Kranich muß so kunstgerecht wie möglich, nahe am Schlund, die Luftröhre freigelegt und das Herz herausgeholt werden; doch darf man den Vogelkörper an keiner weiteren Stelle öffnen. Und weil die Luftröhre nach dem Einschnitt herausgeholt werden soll, ist es ratsam, von da, wo sie freigelegt wurde, die Haut der Länge nach abwärts zu schlitzen. Dann ergreife man das Ende der Luftröhre und blase mit aller Kraft hinein, damit Luftröhre und Lunge sich mit Luft füllen. Um zu verhindern, daß sie wieder entweicht, klemme man das Ende der Luftröhre mit zwei Fingern ab und nehme sie dann vom Mund. Will man, daß der Kranich schreit, so presse man seine Seiten zusammen, indem man zugleich die Finger, die das Ende der Luftröhre zuhalten, lockert. Auf diese Weise wird der tote Kranich wie ein lebender schreien.« Diese Unterweisung stammt aus dem Buch De arte venandi cum avibus, und der Verfasser, dessen Absicht es war, »in diesem Werk über die Beize die Dinge, die sind, so, wie sie sind, darzustellen und dem den Rang einer Kunst zu sichern, wovon keiner bisher Wissen besaß und das noch keiner als Kunst angesehen hat«, war vermutlich einer der geschicktesten Falkner seiner Zeit, der Staufer Friedrich II, Kaiser der Römer, deutscher König und König von Jerusalem und Sizilien.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.