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Farbenmacher#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Beruf: Tüncher
»Der Tüncher« (Maler und Anstreicher). Kupferstich von Christoph Weigel. Aus: »Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände …«. Regensburg 1698
© Ch. Brandstätter Verlag

Farbenmacher (auch Farbenreiber) stellten Farbwaren her, die zum Anstreichen, Färben und Malen gebraucht wurden. Vor allem waren es die natürlich vorkommenden Erdfarben, Hölzer, Blätter, Blüten und Wurzeln, die zur Herstellung von Farbstoffen benutzt und mit einer Flüssigkeit als Bindemittel angemacht wurden. Diese Flüssigkeit war entweder Wasser, Wasser mit Leim, Gummi oder ähnlichen schleimigen Substanzen vermischt; oder sie war eine Auflösung von Harz in Weingeist oder in einem ätherischen Öl wie Terpentinöl (Weingeist- oder Terpentinfirnis). Manchmal handelte es sich auch um ein fettes Öl wie Leinöl oder Leinölfirnis. Manche Farbstoffe wurden auch mit Milch oder Blutwasser gebunden.


Eingeteilt wurden die Farben nach Johann Joseph Prechtls Technologischer Encyklopädie (1830ff) in erdige oder xydfarben, in Lack- und Saftfarben. Zu den ersteren zählten vor allem Eisen- und Kupferverbindungen (Rot- und Brauneisenstein, Ocker, Malachit) und durch Eisenoxyd intensiv gefärbte Tone (Bolus, Umbra), aber auch künstliche Produkte wie Eisen-, Kupfer-, Chrom-, Kobalt-, Blei- und Zinkfarbstoffe, denen sich die Metallfarbstoffe (pulverisierte Metalle, Bronzen) anschlossen. Von den vielfältigen Farbbezeichnungen seien hier nur erwähnt Bleiweiß und Bleigelb, Chromgrün und Chromrot, Berliner Blau, Kupfergrün, Englischrot, Kasseler Braun und Frankfurter Schwarz. Lackfarben entstanden durch Niederschlag löslicher Farbstoffe mittels Fällungsmittel (Salze, Säuren, Seifen usw.) und waren in Wasser schwer löslich. Unter Saftfarben verstand man zunächst die eingedickten Absude oder Säfte von färbenden Pflanzen, die in Wasser oder Alkohol löslich waren und auf der bestrichenen Oberfläche nur eine durchsichtige Schicht (Lasur) bildeten.


Farben, die nicht wie die Saftfarben im Wasser löslich waren, also die eigentlichen Deckfarben, mußten vor ihrer Anwendung sehr fein gerieben werden. Im kleinen geschah dieses Zerreiben im trockenen Zustand in einer Reibschale aus Glas, Steingut oder Serpentin mit einem Pistill (Stößel) aus dem gleichen Material; im feuchten Zustand auf dem Reibstein, einer harten Platte mit glatter Oberfläche, gewöhnlich aus Kalkstein, Marmor oder Porphyr, mit Hilfe des Läufers, eines kegelförmigen Steins mit einer breiten, ebenfalls glatten Grundfläche. Die Farben wurden darauf erst trocken angerieben und dann mit Zusatz von Wasser, Öl oder Ölfirnis zu einem dicken Brei vermischt. Während der Arbeit strich man die ausgebreitete Farbe mit einem Spatel aus Holz oder Horn gegen die Mitte des Steins und unter den Läufer. Die geriebenen Ölfarben waren entweder gleich zum Verbrauch bestimmt, oder sie wurden in Schweinsblasen abgefüllt. Größere Mengen von Farb- und Lackpasten stellte man im 19. Jahrhundert in den Farbmühlen mittels Trichtermühlen her, die mit einer Handkurbel an einem Schwungrad betrieben wurden.


In vielen Malerordnungen wurde darauf hingewiesen, daß die Farben von eigener Hand zuzubereiten waren, was mit allerhand Zeitaufwand verbunden war. Deshalb beschäftigten die Malermeister für diese Tätigkeit oft eigene Farbenreiber.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.