Feuerbestattung in Wien - Austria-Forum : Heimatlexikon
Die Feuerbestattung in Wien#

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Zu jener Zeit, als man in Wien daran ging den Zentralfriedhof zu errichten (Beschlussfassung im Gemeinderat am 7. Dezember 1866; Eröffnung am 1. November 1874), brachten die Anhänger der Hygienebewegung auch die Möglichkeit einer Feuerbestattung ins Gespräch.
Nachdem in der Antike und im Frühmittelalter auch hierzulande Leichenverbrennungen üblich gewesen waren, hatte Karl der Große im Jahr 785 ein generelles Verbot dieser Bestattungsform verfügt. Ab dem 9. Jahrhundert war man in ganz Europa zur Erdbestattung übergegangen.
Dass die Erdbestattung im christlichen Abendland von nun an über viele Jahrhunderte die einzige Bestattungsform blieb, hängt vor allem mit der Vorstellung von der "Auferstehung des Fleisches" zusammen, zumal diese Art der Beisetzung den Gedanken eines schlafähnlichen Todes - mithin die Erwartung der Auferweckung am jüngsten Tage - eingab.
Als im 18. Jahrhundert in Europa vereinzelt Adelige ihre entseelten Körper wieder verbrennen ließen, sorgte dies immer wieder für großes Aufsehen. Am Ende dieses "aufgeklärten" Säkulums setzte sich in unterschiedlichen Gelehrtenkreisen die Meinung durch, die Feuerbestattung sei aus hygienischen Gründen der Erdbestattung vorzuziehen. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keine geeignete Verbrennungsmethode, um die Idee großmaßstäblich umzusetzen.
1872 konstruierte Lodovico Brunetti, Professor für pathologische Anatomie in Padua, einen "Leichenverbrennungs-Apparat", der 1873 bei der Weltausstellung in Wien gezeigt wurde. Jedoch stellte sich heraus, dass sein Verfahren weder den ästhetischen noch den technischen Erfordernissen entsprach. Indes hatte der deutsche Erfinder Friedrich Siemens schon bei der Pariser Weltausstellung 1867 einen Ofen mit patentiertem "Regenerativ- und Gasfeuerungssystem" vorgestellt. 1873 traten Hygieniker an die Gebrüder Siemens mit der Anregung heran, die Regenerativfeuerung auch für die Leichenverbrennung zu verwenden.
Ein Jahr später fand in Dresden eine Probeverbrennung eines Pferdekadavers in einem Siemensofen statt, an der auch der Wiener Stadtphysikus Dr. Innhauser und ein Beamter des Wiener Bauamtes teilnahmen. Obgleich das erzielte Resultat von den beiden Herren als positiv beurteilt wurde und diese auch einen Kostenvoranschlag mitbrachten, wurde die Einführung der fakultativen Leichenverbrennung im März 1875 vom Wiener Gemeinderat abgelehnt. Nichtsdestotrotz stellte die Firma Siemens in ihrer Wiener Verkaufsniederlassung am Opernring das Modell eines Leicheneinäscherungsofens aus, das Interessierte dort besichtigen konnten.
Im folgenden kam es in Wien zu Vereinsgründungen von Feuerbestattungsbefürwortern und es etablierte sich sehr rasch eine fundamentale, vorwiegend gegen die christlich-soziale Weltanschauung gerichtete Bewegung, in deren propagandistischem Zentrum die Ökonomisierung des Todes stand. Die Gegner der Erdbestattung wiesen vor allem auf den Verbrauch kostbaren städtischen Bodens, auf die Dogmen der öffentlichen Gesundheitslehre sowie auf die unnötigen Kosten der herkömmlichen Bestattungsform hin.
Getragen wurde diese Bewegung, wie auch andernorts, in erster Linie von der Arbeiterschaft. Schon im Jahr 1885 war in Wien von den "Freunden der Feuerbestattung" der Verein "Die Flamme" gegründet worden, der ab 1922 als reiner Arbeiter-Feuerbestattungsverein weitergeführt wurde. Im Mai des selben Jahres erfolgte auf den Gründen des Simmeringer "Neugebäudes" der Spatenstich für das von Clemens Holzmeister geplante Krematorium, das am 17. Dezember 1922 feierlich eröffnet wurde.
Obwohl der zuständige Bundesminister dem Bürgermeister einen Tag vor der Eröffnung des Gebäudes mittels Weisung die Inbetriebnahme der Feuerhalle untersagt hatte, fand am 17. Jänner 1923 die erste Einäscherung statt. In weiterer Folge kam es zwei Mal zu einer Beschwerde der betont katholischen Bundesregierung beim Verfassungsgerichtshof, die jedoch beide Male abgewiesen wurde. Während in Österreich staatlicherseits am 15. Mai 1934 die Feuerbestattung der Erdbestattung gleichgestellt wurde, berief sich die Kirche weiterhin auf die Entscheidung des Heiligen Offiziums aus dem Jahr 1886. Dieses hatte sich gegen das Verbrennen von Leichen ausgesprochen und jenen Sterbenden, die ihren Willen bekundet hatten, sich verbrennen zu lassen, die heiligen Sakramente, und in weiterer Folge auch das kirchliche Begräbnis, verweigert. Erst in den 60er-Jahren kam es im Vatikan zu einem Gesinnungswandel. Am 24. Oktober 1964 erteilte Rom schließlich offiziell die Zustimmung zur Leichenverbrennung und im Jahr darauf wurden von der Erzdiözese Wien jene Vorschriften bekanntgegeben, die bei einer Einsegnung anlässlich einer Feuerbestattung zu beachten waren. In den Jahren 1967 bis 1969 erfolgte nach Plänen von Professor Clemens Holzmeister die Erweiterung und ein Umbau des Krematoriums Simmering. Während die Einäscherungsöfen zunächst mit Koks und Gas betrieben worden waren, wurden diese in den Jahren 1984 bis 1986 durch elektrisch betriebene Apparaturen ersetzt.
Da der Leichnam jeweils gemeinsam mit dem Sarg verbrannt wird, haben die Techniker ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem die leichtere Asche des Holzes durch einen Luftzug in einen Kanal geblasen wird, während sich die Summe der Leichenasche unter dem Rost im Nachglühraum sammelt. Nach einer Verbrennungsdauer von zirka eineinhalb Stunden verbleiben vom Toten - je nach dessen Körpergewicht - ein bis zwei Kilogramm Asche.
Quellen:
