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Die Fischerkanzel von Traunkirchen#

Fließendes und tropfendes Wasser - und doch eine Holzskulptur!

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Fischerkanzel von Traunkirchen
Vollansicht der "Fischerkanzel"
© Hilde und Willi Senft
Fischerkanzel von Traunkirchen
Die romantisch gelegene Pfarrkirche von Traunkirchen mit ihrer interessanten Dachlandschaft gegen den Traunstein.
© Hilde und Willi Senft
Fischerkanzel von Traunkirchen
Die Apostel Jakobus und Johannes ziehen reichen Fischfang ins Boot.
© Hilde und Willi Senft


Schloss Ort und die Pfarrkirche auf der kleinen Halbinsel von Traunkirchen liegen im Wettstreit um den romantischsten Platz am Traunsee. - Gleichgültig: beide Baudenkmäler sind eine eigene Reise wert...

Die ehemalige Klosterkirche, heute Pfarrkirche zu Ehren der Krönung Mariens, im Süden und Osten vom Friedhof mit seinen schmiedeeisernen Kreuzen umgeben, liegt malerisch gegen den Traunsee vorgeschoben.

Ihre besondere Sehenswürdigkeit ist die berühmte Fischerkanzel, ein Meisterwerk der Holzschnitzkunst sowie eine - zumindest in Österreich - einmalige Darstellung von fließendem und tropfendem Wasser als Teil einer Holzskulptur. Kein Wunder, dass sie von den Traunkirchnern, deren Leben und wirtschaftliche Existenz seit jeher eng mit dem See verbunden sind, heiß geliebt und verehrt wird. Sie wurde 1753 von einem unbekannten Meister geschnitzt und stellt das Wunder des reichen Fischfanges dar. Die Apostel Jakobus und Johannes im Boot ziehen das gefüllte Netz empor, von dem das Wasser rinnt und tropft. Im Hintergrund steht Christus, vor ihm kniet Petrus, der voll Staunen über das große Wunder die Worte spricht: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!" Dennoch erhielt er von ihm den Auftrag: „Von nun an sollst du Menschenfischer sein!"

Der Schalldeckel der Kanzel ist von der Statue des hl. Kranz Xaver gekrönt, des großen Missionsapostels der Jesuiten in Indien und Japan. Vier braune und schwarze Gestalten, die Vertreter des Fernen Ostens, sitzen zu seinen Füßen. Eine von ihnen trägt ein Band mit der Zahl 1,200.000. So viele Ungläubige soll Franz Xaver zum Christentum bekehrt haben. Vor dem Heiligen befindet sich ein großer Krebs, der ihm in seiner Schere ein Kreuz entgegenhält. Dazu wird aus dessen Leben erzählt, dass einst eine Woge Franz Xaver das Kreuz aus der Hand schlug, als er damit einen Sturm auf hoher See beschwichtigen wollte. Nach der glücklichen Landung brachte ihm ein großer Krebs das Kreuz zurück.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.

Redaktion: Hilde und Willi Senft