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Flößer#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Flößer
Floß und Zille auf der Donau bei Grein. Votivtafel aus der Pfarrkirche in Grein. 1642
© Ch. Brandstätter Verlag

Flößer (auch Flößler, Fluderer) führten ungeschnittenes Langholz und Schnittholz (Halbbäume, Kanthölzer, Bretterholz), das mit »Wieden« (aus gedrehten jungen Tannenstämmchen, aus Birken, Weiden, Buchen, Eichen oder Haselstauden), hölzernen Nägeln und Keilen und mit quer über das Holz gelegten Wegspangen zu einem Floß (Gestör) eingebunden wurde, stromabwärts dem Bestimmungsort zu. Man unterschied nach den Bestandteilen Baum-, Ploch-, Laden-, Stecken-, Ensbaum-, Bruckstreu-, Scharbaum- und Dillflöße, nach der Ladung Scheiter-, Kohl-, Stein- und Eisenflöße und nach ihrem Zweck Sag-, Hof- und Soldatenflöße. Mit Flößen konnten viele Flüsse befahren werden, die für die Ruderschiffahrt unpassierbar waren, allerdings war die Steuerung durch ihre Schwerfälligkeit äußerst schwierig. Gelenkt wurden die Flöße gewöhnlich durch Ruder, die vorn und rückwärts angebracht waren. Die Bremsung erfolgte mit »Sperren«, das waren Stämme, die man durch Öffnungen im Floß auf den Flussboden stoßen konnte. Bei einem der vorderen Ruder stand der Nauführer, bei einem der hinteren der Stoirer, unterstützt meistens durch Flößer im Rang von Knechten. Flößer und Schiffmann waren im allgemeinen getrennte Berufe, doch fuhren an jenen Flüssen, an denen Schiffahrt und Flößerei nebeneinander bestanden, ’ Schiffleute mitunter auch als Flößer und umgekehrt.


Beruf: Flößer
Apfelschiffe aus Oberösterreich im Wiener Donaukanal. Um 1905. Handkoloriertes Glasdiapositiv
© Ch. Brandstätter Verlag

Die Bauart der Flöße, die Größe einer Floßtafel (Gestör, Gestöß oder Kahr) und wie viele Floßtafeln zu einem Floßtrain (Fuhr) zusammengehängt werden konnten, wurde beeinflußt durch die terrestrische Beschaffenheit des Flusslaufes, durch die Wehre und die Schiffahrtshindernisse, wie beispielsweise der Traunfall (’ Fallmeister) oder Stromschnellen. Eine Floßtafel konnte drei bis zehn Meter breit und fünfzehn bis fünfundzwanzig Meter lang sein. Die maximale Länge eines Floßtrains war etwa sechzig Meter, mit Ausnahme jener auf der Ybbs, die weit länger waren. »Eine wahre Riesenschlange«, schrieb der Kooperator Josef Zeiger aus Waidhofen an der Ybbs am 2. März 1866 im Südtiroler Volksboten, »wälzte sich über den Ybbsfluss, zwar langsam, aber sicheren Ganges aus den Schluchten des Ötschergebirges kommend, hier herab. Es war ein Floß von 32 Baumlängen oder einzeln zusammenhängenden Flößen mit über 600 Stämmen, darunter einzelne wahre Musterstämme. Diese Riesenschlange bewältigten nur 11 Mann; Männer, die beim Wasser aufgewachsen sind und jede Welle kennen. Die Flößer sind mit Stangen bewaffnet, die mit einem eisernen Widerhaken versehen sind. Unter den Brücken fuhren die Flößer mit so leichtem Spiele dahin, daß man staunte. Nur für das glückliche Weiterkommen über die Wehren fürchtete man. […] Alle Herzen schlugen dem Augenblick entgegen, in welchem die Flöße im Angesichte Waidhofens, über die große Wehre gehen würden. Man konnte ein gewisses Gefühl des Grauens und der Bangigkeit nicht unterdrücken. […] Doch man sah bald, wie leicht solchen Wassermännern auch diese Kunst ankomme. Als der Kopf des Floßes eine schiefe Richtung nach abwärts nahm, stemmte sich der erste Steuermann nach vorne fest an, stieg auf das Steuerruder, so daß es hoch in der Luft schwebte und unten nicht verletzt werden konnte und hielt sich mit der anderen Hand rückwärts an einer befestigten Stange, und so fuhr er stehend in die tiefen Fluten hinab, ohne daß ihm das Wasser über die Knöchel kam.«


Die Zahl der auf einem Floß oder Floßtrain beschäftigten Flößer schwankte zwischen zwei und zwanzig. Nach der Ennser Flößereiordnung von 1889 genügten bei niedrigem Wasserstand bis zu einer Floßlänge von sechsundzwanzig Metern zwei Flößer. Die Flößer trugen an den Stiefeln Steigeisen, um auf den durch ständiges Spritzwasser schlüpfrigen Holzstämmen nicht auszurutschen. Der Tod durch Ertrinken war ein gar nicht seltener Arbeitsunfall. Auf der Brücke über den Lech in Lechbruck erinnert ein steinernes Denkmal an die »Flußhelden« mit der Inschrift: »Dem Gedächtnis der alten Lechflößer und ihrer Meister: Enzensberger, Fichtel, Heißerer, Keller, Knappich, Petz, Weinmüller«.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.