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Die Freiung vom Maxlaun-Markt in Niederwölz Niederwölz, Steiermark #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Lustiger Maxlauner
Der lustige Maxlauner
© Hilde und Willi Senft

„Maxlaun" ist eine Dialektverschleifung des Namens „Maximilian", wie sie im oberen Murtal zu hören ist.

Von den Bewohnern des oberen Murtales wurde der hl. Maximilian schon seit dem Mittelalter besonders verehrt und ihm so auch die Kirche in Niederwölz geweiht. An seinem Patroziniumstag, dem 12. 10., entrichteten die Bauern ihre Zinsen und Abgaben an den Grundherren, und gleichzeitig wurden auch Wallfahrten nach Niederwölz unternommen. Das zog Krämer und Wanderhändler an, und so entstand an diesem Tag ein regelrechter Jahrmarkt.

Schon unter Kaiser Friedrich III. (1440 - 1493) gelang es den Niederwölzern, ein Marktprivileg zu erhalten, welches von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1536 mit einem „Freiheitsbrief" bestätigt wurde.

Die Marktfreiung, eine ausgestreckte Hand mit einem Schwert, war im Mittelalter für einen Markt nicht nur das Zeichen, daß jeder Handel frei und erlaubt sei, sondern war auch als Gerichtszeichen das Symbol für eine „Rechtsfreiung". Unter ihrem Schutz herrschte besonderer Friede, und es war vor allem das „Tragen und Ziehen" von Waffen verboten.

Die Niederwölzer haben nun als einziger Markt in Steiermark diese alte Tradition aufrechterhalten und „tragen am Maxlaunsonntag ihre Freiungaus": Der ausgestreckte Arm mit dem Schwert ist mit bunten Bändern und Kränzen geschmückt und wird auf dem Hauptplatz von Sonntag bis Montag ausgestellt. Beim Aufstellen wird dann auch traditionell der alte Freibrief verlesen.

Schon seit gut 200 Jahren wird die Freiung im Bauernhaus vulgo Stinglbauer aufbewahrt, das vor einigen Jahren sehr ansprechend renoviert wurde. Begleitet wird der Festzug zum Aufstellungsort von der örtlichen Musikkapelle und von einer Chorgemeinschaft sowie von den Honoratioren des Ortes, wobei traditionell bei einigen Gasthöfen Halt gemacht wird. Volkskundlich interessant ist die Anwesenheit eines „Wegauskehrers" beim Festzug, eines phantasievoll gekleideten Mannes mit bunten Bändern an der Hose, einem Spitzhut und mit Ruß beschmiertem Gesicht, der der Freiung vorausspringt, immer wieder „maxlaunerisch" ruft und mit der Weiblichkeit allerlei Schabernack treibt.

Quellen#


Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000


Redaktion: Hilde und Willi Senft