unbekannter Gast

Freyung, Wien 1#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Marktstände auf der Freyung im 18. Jahrhundert
Marktstände auf der Freyung im 18. Jahrhundert

Der Platz „Bei den Schotten“ zählt zu jenen, wo seit dem Mittelalter bis in die Gegenwart immer wieder Märkte abgehalten wurden und werden - Vom mittelalterlichen Pferdemarkt bis zum heutigen Altwiener Christkindl- bzw. Ostermarkt. Als 1732 der Platz Am Hof als traditioneller Ort des Jahrmarkts zu klein geworden war, wichen einige Gewerbe offiziell auf die Freyung aus. Praktisch war dies schon früher der Fall, denn 1721 produzierte sich der Hanswurst, Josef Stranitzky, beim Jahrmarkt auf der Freyung. Eine Ansicht aus dieser Zeit zeigt eine Schaubude, Marktstände und die Wurstkessel der Bratelbrater. Gegen Erlag eines Standgeldes durften sie zu Marktzeiten und bei Kirtagen ihre Bratöfen aufstellen und unterlagen den Kontrollen der Fisch- und Fleischbeschauer. 1780 übersiedelte der Viktualienmarkt zum Freihaus auf der Wieden (Wiedner Hauptstraße/Resselgasse/Operngasse), wo sich der Vorläufer des Naschmarktes zu etablieren begann.

Ferdinand von Saar (1833-1906) widmet dem Markt in seinen „Wiener Elegien“ etliche Verse im Zusammenhang mit seinen Erinnerungen an die Zeit als Schotten-Gymnasiast:

„Lockte nicht dort auf bevölkertem Markt bei zarten Gemüsen,/ Duftenden Blumen das Obst, feilschend wie heute umdrängt?/ Schon der Anblick entzückte des reichen, des köstlichen Segens,/ Wie er dem laufenden Jahr lieblich im Wechsel entsproß./ Ach, im Frühling die ersten, die rötlichen Kirschen - im Sommer/ Aprikosen wie Gold neben der Pfirsiche Samt;/ Beeren in Hülle und Fülle - und saftige Birnen und Pflaumen,/ Bis sich die Mispel im Herbst leuchtenden Trauben gesellt./ Und die Äpfel sodann! In allen Formen und Größen -/ In der verschiedensten Pracht waren sie ringsum zu schaun;/ Berge von Nüssen nicht minder - und trockene Feigen und Datteln, / Wie sie Sankt Nikolaus artigen Kindern beschert.“

Bis 1710 hatte die Freyung keine einheitliche Bezeichnung. Teile trugen Namen wie „Bergl“, „Auf dem Mist“ oder „Steinfeld“.Der Name Freyung hängt mit der 1181 verfügten Befreiung des Klosterbesitzes von der landesfürstlichen Gerichtsbarkeit zusammen. Die Schottenkirche lag vor der Stadtmauer, deren Verlauf der römischen Lagermauer entsprach. Als Heinrich II. um 1155 seine Residenz nach Wien verlegte, berief er irische Mönche und schenkte ihnen dieses Areal. Sie wurden als „Schotten“ bekannt, da man Irland damals Neu-Schottland (oder Scotia minor) nannte. Die Benediktiner bauten eine romanische Kirche, deren Chor im Todesjahr des Herzogs, 1177, vollendet war. 1209 ist vom Klosterfriedhof und von einem Brunnen die Rede. Ein Jahrhundert später lag das Areal in der inzwischen erweiterten Stadt und „bei den Schotten“ befanden sich einige Häuser. 1276, 1327 und 1488 erlitt die Umgebung Einbußen durch Stadtbrände, 1443 und 1590 durch Erdbeben.

Das Haus Nr. 7, das um 1770 entstandene Prioratshaus der Schotten, trägt den Spitznamen „Schubladkastenhaus“. Im 19. Jahrhundert entstand aus der unregelmäßigen, teils gotischen Anlage der klassizistische Schottenhof (Nr. 6) als Werk Joseph Kornhäusels (1782-1860). Im Konventgebäude befindet sich das Museum im Schottenstift, wo der gotische Altar des Schottenmeisters zu sehen ist. Seine Tafeln zeigen die ältesten Wiener Stadtansichten (um 1470). Neben der Kirche und Klostergebäuden wird die Freyung von Barockpalais (Nr. 3 Palais Harrach, Nr. 4 Palais Kinsky) und repräsentativen Bauten des Historismus (Miethaus Nr. 1, ehem. Bankbasar mit Cafe Central Nr. 2, Kunstforum Nr. 8) dominiert.

Seit 1846 ziert der Austriabrunnen die Freyung. Die Wiener Bürger stifteten ihn zu Ehren Ferdinand I. (1793-1875). Sie verdankten dem Kaiser die in diesem Jahr vollendete, nach ihm benannte Wasserleitung. Der Münchener Bildhauer Ludwig Schwanthaler (1802-1848) entwarf die Figuren, die Ferdinand Miller in der königlich-bayrischen Erzgießerei ausführte. Vier allegorische Gestalten symbolisieren die Hauptflüsse der österreichisch-ungarischen Monarchie. Darüber erhebt sich die Austria mit Mauerkrone, Lanze und Wappenschild. Nach der Überlieferung soll Alma Goethe (1827-1844), die Enkelin des Dichters, dafür Modell gestanden sein.

Quelle#


Helga Maria Wolf. Die Märkte Alt-Wiens. Geschichte & Geschichten. Wien 2006

Redaktion: hmw