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Gürtler#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Gürtler
Der Gürtler. 1789. Kupferstich. Aus:»Sechzig eröfnete Werkstätte der gemeinnüzigsten Künste und Handwerke für junge Leute zur Auswahl ihres künftigen Nahrungsstandes. Mit sechzig jede Kunst, jedes Handwerk deutlich erklärenden Kupferstichen «. Verlag Joseph von Kurzbeck: Wien 1789
© Ch. Brandstätter Verlag

Gürtler arbeiteten überwiegend mit unedlen und in geringem Maße auch mit edlen Metallen und werden oft mit Riemern, Sattlern oder Taschnern verwechselt. Die Bezeichnung »Gürtler« stammt aus dem Mittelalter, das Handwerk selbst läßt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen, als metallene Beschläge, Schnallen und Schließen typische Bestandteile der Kleidung waren. Als frühe Erzeugnisse sind ferner Zaumzeuge und metallene Beschläge für Pferdegeschirre und Wagen zu nennen. Neben der Bronze kannte man im Mittelalter bereits das Messing, das in der Herstellung billiger und in der Farbe dem Gold ähnlich war und für unzählige Erzeugnisse der Gürtler Verwendung fand. Auch andere Kupferlegierungen wie Tombak (Rotmessing) und Alpaka (Neusilber), Eisen beziehungsweise Stahl und Zinn (für die Knopfherstellung) wurden verarbeitet. Edelmetalle durften aufgrund der Zunftgesetze nur zum Vergolden und Versilbern der Erzeugnisse verwendet werden.


Ideenreichtum, präzises handwerkliches Können und künstlerisches Einfühlungsvermögen zeichneten die Arbeit des Gürtlers aus, die nahezu alle in den übrigen Metallhandwerken angewandten Techniken umfaßte. Er mußte mit dem Gießen, Treiben, Drükken, Pressen, Prägen, Gravieren, Ziselieren und Punzieren bestens vertraut sein; durch Falzen, Bördeln, Nieten, auch durch Hart- und Weichlöten wurden die Werkstücke dann zusammengefügt und erhielten durch Polieren, Patinieren, Brünieren und Versilbern oder Vergolden ihren besonderen Charakter.


Typische Gürtlererzeugnisse waren: Beschläge für Büchereinbände, Zimmertüren, Fenster, Möbel, Uniformen und Wehrgehänge, Kirchengeräte wie Weihrauchschiffchen, Kerzenleuchter und Ewige-Licht-Ampeln, Hausrat wie Dosen, Besteckgriffe, Türklopfer, Deckel für Krüge, aber auch Prunk -geschirr, Bügeleisen, Fahnenspitzen, Knöpfe, Bijouteriewaren, Orden und Ehrenzeichen.


Zentren des Gürtlerhandwerks hatten sich in Nürnberg (1621 gab es dort bereits sechsunddreißig Meister), Berlin und Wien gebildet. In Wien waren bereits um 1300 Gürtler tätig, und ab 1435 bildeten sie gemeinsam mit den Bortenwirkern eine Zeche. In den großen Städten haben sich aus dem Gürtlerhandwerk einige besonders spezialisierte Berufe herausgebildet, so etwa der Metallknopfmacher (Knopfpresser und -gießer) und Bügeleisenhersteller. Auch die Gelbgießer hatten ihre Wurzeln im Gürtlergewerbe.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.