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Die hohe Kunst des Gamsbartbindens#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Weshalb sollten gerade die Jäger nicht eitel sein und ihren schönsten Gamsbart zur Schau stellen?


Gamsradln
Ausseer "Gamsradln" und -bärte.
© Hilde und Willi Senft

Und so findet einmal in Berchtesgaden, einmal in Bad Goisern im Herzen des Salzkammerguts die „international" beschickte „Gamsbart-Olympiade" statt.

Im gesamten Salzkammergut gibt es Spezialisten auf dem Gebiet des Gamsbartbindens, aber in Bad Goisern und im benachbarten Ausseerland ist die geheimnisvolle Kunst des „Bartbindens", wie die Leute hier sagen, besonders verankert.

Der grundlegende Unterschied zwischen einem bayerischen Gamsbart und einem aus dem Salzkammergut ist folgender: Für den ersteren mit seiner üppigen Haarpracht werden sieben bis acht Gams benötigt, während man sich im Salzkammergut bescheidenerweise mit nur einer zufrieden gibt. Auch Kaiser Franz Joseph machte hierbei keine Ausnahme.

Neben dem Gamsbart gibt es übrigens auch Hirsch-, Dachs-, Hasen- und sogar Wildschweinhärte. Ein Hasenbart ist besonders wertvoll, da ein einziger Hase nur acht Barthaare aufweist. Leicht vorzustellen, wie viele Meister Lampe man für einen ordentlichen Bart benötigt...

Großes Gelächter löst ein unbedarfter Laie aus, wenn er meint, daß - wie bei einem Ziegenbock - die Barthaare der Gams am Haupt, unterhalb des Äsers, zu finden seien. Nein, die Gams hat entlang des Rückens ihren „Bart", und beileibe nicht jede Gams hat einen „würdigen" Bart. Nur wenige Gams sind „Bartgams".

Wildhaarbinderin
Schramml Burgl aus Bad Aussee, die einzige "Wildhaarbinderin" Österreichs, bei der Arbeit.
© Hilde und Willi Senft

Schöne Barthaare müssen „naturreif" sein, und je älter der Bock, desto „reifer" sind seine Haare. Im allgemeinen weist ein fünf- bis siebenjähriger Bock die schönsten Haare auf. Von „schön" spricht man dann, wenn die weißen Endspitzen gleichmäßig ausgebildet sind und die sonst schwarzen Haare einen gleichmäßigen „Reif" aufweisen.

Von Ende September bis Dezember wächst der Bart am Rücken der Garns noch stark an, aber etwa gegen Mitte November ist der optimale Zeitpunkt zum Abschuß einer Bartgams gegeben.

Die Barthaare werden dem erlegten Tier keineswegs abgeschnitten, sondern dem noch warmen Körper in Büscheln ausgerupft! Wobei nach Möglichkeit schon jetzt die nicht bereiften, „blinden" Haare ausgeschieden werden.

Zu Hause geht die aufwendige Arbeit erst so richtig los: Die Haarbüschel werden zunächst einmal zwischen Papierlagen aufbewahrt und vor dem Binden der Größe nach - nach Millimetern abgestuft - geordnet. Dann muß praktisch jedes Haar auf seine Qualität hin beurteilt werden - eine für die Augen sehr anstrengende Arbeit. Nun werden achtzig bis hundert Haare zu einem Büschel zusammengebunden, und siebzig bis achtzig solcher Büschel ergeben schließlich einen „Salzkammergut-Bart"!

Die Hohe Kunst ist jedoch das Binden: Auf einem mit Garn umwundenen Drahtstift werden die Büschel mühevoll aufgebunden, was große Fingerfertigkeit, Geschick, Geduld und „Pflachtl" (wie die Ausseer sagen) erfordert. Das Aufbinden wird mit dem kleinsten Büschel begonnen, und wendeltreppenförmig folgen immer längere Bartbüschel.

Rückenhaare der Gams
Dem noch warmen Körper der erlegten Gams werden die Rückenhaare für den Gamsbart ausgerupft.
© Hilde und Willi Senft

Ungefähr fünfzig Arbeitsstunden benötigt ein größerer Gamsbart, bis er fertig ist. Er darf keine Stufen zeigen, muß gleichmäßig und locker fallen und ein „duftiges Haargebilde" abgeben, wie die Kenner sagen. Ein ganz vernarrter Gamsbartliebhaber hat einmal geschrieben:

„Und nun nimm den Bart in deine hohlen Hände,
hauche deinen Atem hinein und
ziehe ihn wieder durch die Nase auf,
dann duftet aus dem Bart alleine die ganze lebende Gams heraus!"

Wanderung#

Nicht weit von Bad Goisern erhebt sich der wuchtige SARNSTEIN, die schönste Aussichtskanzel auf den Dachstein, die man sich nur vorstellen kann. Wir beginnen unsere Wanderung am ersten Parkplatz nach der „Pötschenkehre" an der Bundesstraße und folgen hier der Markierung Nr. 690 in vielen Serpentinen durch Hochwald aufwärts. Zwischen den Bäumen erspähen wir immer größere Teile des Hallstätter Sees. Nach 2 1/2 Std. gelangen wir hinaus auf die freie Fläche der Sarstein-Alm (1.711 m; Jausenstation während des Sommers), und über gut gestufte Felsbankungen geht es von hier in einer 3/4 Std. zum Gipfelkreuz auf 1.975 m Seehöhe. Der Ausblick zum direkt gegenüberliegenden Dachstein und, nach der anderen Seite, ins Tote Gebirge ist grandios (Kompaß WK Nr. 20).

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft