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Traditionelle Gemüsesorten - Gartenbohnen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Diese Bohnen gelangten im 16. Jahrhundert aus Lateinamerika nach Europa. Hier fanden sie weite Verbreitung und entwickelten sich zu neuer Vielfalt. Die hochrankenden Stangenbohnen etablierten sich vor allem in wärmebegünstigten Lagen (z.B. Süd-Steiermark, Burgenland, Weinviertel), während Buschbohnen – durch ihre kürzere Vegetationsdauer - auch in höheren Lagen gebaut werden konnten.

Die Saatgutgewinnung ist einfach und nahe liegend: Bohnen fürs nächste Jahr zur Seite legen und anbauen. Auf diese Weise haben sich viele Sorten lange im Anbau gehalten. 1830 ließ Erzherzog Johann eine Bohnensammlung der Steiermark anlegen. Ein Typenvergleich mit einer Sammlung aus den 1980er Jahren ergab, dass sich ca. 80% des Sortiments noch immer im Anbau befand. Allerdings führte zu dieser Zeit das Vordringen des Bohnenkäfers zu einem drastischen Einbruch bei Landsorten. Sie wurden durch zugekauftes Saatgut ersetzt.

Noch heute findet man gelegentlich Bohnen im Anbau, die seit Generationen weitergegeben wurden. Gartenbohnen sind vorwiegend Selbstbefruchter und lassen sich einfach sortenrein vermehren. In vielen Gärten wurden verschiedene Sorten nebeneinander kultiviert. Man findet aber auch gelegentlich Mischungen verschiedenster Typen. Neukombinationen durch Verkreuzung sind da keine Seltenheit – und sie wurden gerne herausselektiert.

Sicher war es die große Variabilität der Bohnenmusterung und –farben, die die Entwicklung eines großen Formenreichtums begünstigte. Die ästhetische Vielfalt fordert das Sammeln neuer Typen geradezu heraus an. Viele Sorten erhielten so ihren typischen Charakter.

In erster Linie wurde die Gartenbohne als Trockenbohne genutzt - eine wichtige Eiweißquelle für die weniger privilegierte Bevölkerung, für die täglicher Fleischkonsum ein Luxus war. In der Bauernschaft der Südoststeiermark kamen Bohnengerichte zweimal täglich auf den Tisch und waren gleichsam ein Grundnahrungsmittel. Am Feld baute man Buschbohnen in Mischkultur mit Mais und Erdäpfeln, um die benötigten Großmengen zu erzielen. Zur Ernte wurden die Pflanzen aus dem Boden gezogen, nachgetrocknet und erst im Winter mit dem „Drischel“ (Dreschflegel) ausgedroschen.

Eine andere Form der Mischkultur mit Mais praktizierten die Weststeirer. Niedrige Stangenbohnen rankten an den Randreihen der Maisbestände hoch. Vor der Maisernte wurden die trockenen Hülsen geerntet – eine Arbeit, die meist Kinder erledigten. Anschließend händisch „ausgescharlt“ (ausgelöst). Von diesen Maisbohnen sind unterschiedliche Samentypen bekannt (gelb, rot, beige, weiß).

Die Verwendung als Trockenbohne bedingte, dass viele Landsorten fädige Hülsen besitzen und sich als Fisole bestenfalls in ganz jungem Zustand eignen. Die Nutzung der Fisolen galt manchen sogar als Verschwendung, weil der Bohnenertrag geschmälert wurde.

Ein weiteres Charakteristikum vieler Landsorten ist ihre Buntheit, wohingegen Zuchtsorten bevorzugt weiße Bohnen haben, weil diese sich bei der Konservierung nicht unansehnlich färben. Als Salatbohnen haben sich heute weißsamige Sorten durchgesetzt. Fisolen sind inzwischen seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges und unentbehrliches Gemüse in unserer Küche. Züchterisch begann man sich ab 1900 verstärkt mit der Selektion von fadenlosen Sorten zu beschäftigen. Die unreifen Hülsen sollten außerdem noch im fortgeschrittenen Stadium nutzbar sein und nicht „bastig“ (faserig) werden. Im Wiener Raum bevorzugte man Sorten mit flachen Hülsen. Die grünhülsige Stangenbohne „Meisterstück“ war lange Zeit eine bevorzugte Marktsorte. Daneben gab es auch die gelbhülsigen Wachs- oder Butterbohnen, die aber wegen ihrer stärkeren Fäulnisanfälligkeit bei Nässe heikler in der Kultur waren (z.B. die Sorte „Goldkrone“).

Unter den Fisolen sind die Kipflerbohnen eine Spezialität des südsteirischen Raums. Ihre charakteristische sichelförmige Form fällt wahrlich „aus der Norm“. In Norditalien sind sie auch als „Annellino“ bekannt. Kipflerbohnen sind vielgestaltig: gelb- oder grünhülsig, mit oder ohne Flammung, gesprenkeltes Korn oder einfärbig schwarz – und das in verschiedensten Kombinationen. Sie sind hervorragende Fisolen und lassen sich auch noch im späten Stadium verwerten, ohne fädig oder bastig zu werden.

Eine Produzentin berichtet, dass Kipflerbohnen zunächst nur für den Eigenbedarf angebaut, später auch auf lokalen Grazer Märkten angeboten wurden. Bis heute sind sie in Österreich auch nur dort erhältlich.

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Mariazeller



Mariazellerbohne #

Ursprung: Mariazell. Trockenbohne. Wurde unter diesem Namen auf einem Grazer Markt angeboten. Ähnliche Sorten: Lengenfelder Berndorfer Rotsprenkel.


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Rotholzer



Rotholzer #

Trockenbohne. Traditionelle Zubereitung mit Erdäpfeln. Tiroler Landsorte, die wegen mangelnder Eignung für maschinelles Ernten 1997 aufgegeben wurde.


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Moosbacher 9-Wochen Bohne



Moosbacher 9-Wochenbohnen #

Trockenbohne. Bedingt auch Fisole. Aus der Oststeiermark, Raum Wenigzell/Vorau. Eine Mischung von 3 Bohnentypen. Die Hülsen ähneln einander sehr, aber nur eine Linie eignet sich zur Fisolennutzung (sehr geschmackvoll, fädig).


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Etsdorfer



Etsdorfer#

Grün, fadenlos Aus Etsdorf bei Krems, Niederösterreich. Mindestens seit den 1960er Jahren im Umlauf. Geschmackvolle, fleischige Fisolen.


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Tiefenbacher



Tiefenbacher #

Trockenbohne, Fisole – gelb, fädig Aus Lichtenau, Waldviertel, Niederösterreich. Mindestens seit den 1930er Jahren in der Familie. Bringt gute Erträge. Nur junge Hülsen als Fisole nutzbar. Stangenbohnen


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Euratsfelder


Euratsfelder #

Trockenbohne. Fisole. Bis 2003 im Raum Amstetten, Niederösterreich angebaut. Ist seit 70 Jahren in der Familie bekannt. Die Bohnen wurden gerne für Salat verwendet. Sehr junge Hülsen auch als Fisole.


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Wieser Kipfler



Wieser Kipfler #

Fisole – gelb, fadenlos Eine Variante der südsteirischen Kipflerbohnen. Als Lokalsorte vom Landesversuchszentrum Wies 1995 in den EU-Sortenkatalog eingebracht.




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Monstranzbohne



Monstranzbohne (Rosenkranz – Bohne) #

Trockenbohne. Für Rosenkränze. Aus Feldkirch, Vorarlberg erhalten. Eine Hinterlassenschaft der Großmutter. Dieser Bohnentyp ist auch aus dem Bayrischen bekannt, wo er gerne für Rosenkränze verwendet wurde.





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Gelbe Reiserbohne



Gelbe Reiserbohne #

Trockenbohne. Genauer Ursprung unbekannt. Vermutlich Steiermark. Niedrig rankende Stangenbohne, im Typus wie „Maisbohnen“. Wurde - dem Namen nach zu schließen - an Baumreisern hochgezogen.

Quelle#


Alle Bilder: © Arche Noah, dem Austria-Forum freundlicher Weise zur Verfügung gestellt

Redaktion: Maga. Lisa Maurer