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Gerber#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Lohgerber
Der Lohgerber 1880.
Abb. aus "Was willst du werden? Bilder aus dem Handwerkerleben." Berlin: Winckelmann, 1880
Entfleischen eines Schaffells
Ein Gerber demonstriert das Entfleischen eines Schaffells
Foto: Defa. Aus: Wikicommons unter CC
Gerber
Abbildung aus dem Balthasar Behem Codex von Kraków in Polen aus dem 15./16. Jhd.
Aus: Wikicommons

GerberInnen verarbeiten Großviehhäute (von Rindern) und Kleintierfelle (von Ziegen, Schafen) zu Leder. Dabei werden die Tierhäute durch die Einwirkung von Gerbstoffen in haltbares Leder umgewandelt. Bei der Rotgerbung werden die Häute vorwiegend mit pflanzlichen Gerbstoffen (Rinden, Hölzer, Blätter), bei der Weißgerbung mit mineralischen Gerbstoffen (z.B. Chrom- und Aluminiumsalze) behandelt. Die Sämischgerbung erfolgt mit Fetten (meist Fischöl). In der Rotgerbung wird hauptsächlich Leder für Möbel (z.B. Sitzgarnituren, auch Autositze), Schuhe und Riemen hergestellt, in der Weiß- und Sämischgerbung Leder für Bekleidung, Handschuhe, Taschen, Riemen und sonstige Lederwaren.

Die verwendeten Tierhäute werden durch Kontakttrocknung (Heizplatten) oder durch Einsalzen konserviert, neuerdings jedoch häufig auch ohne Vorbehandlung ("grün") angeboten.

Der erste Arbeitsschritt ist die "Weiche", hierauf folgt das "Äschern" (enthaaren). Die enthaarten Häute ("Blößen") entfleischen sie mit Messerwalzen und "spalten" sie in Spaltmaschinen, wobei sie den minderwertigen "Fleischspalt" vom ästhetisch anspruchsvolleren "Narbenspalt" (Außenteil der Haut) trennen. Nun waschen sie die Häute um die Enthaarungschemikalien zu entfernen. Danach verwenden sie Beizmittel (eiweißabbauende Enzympräparate) um die restlichen Haar- und Fettreste zu lösen.

Die Umwandlung der Haut in Leder findet während der Gerbung statt.

Die Weiterverarbeitung der Häute erfolgt unterschiedlich, je nachdem welches Verfahren angewandt wird (Rotgerben oder Weiß- und Sämischgerben).

Nach der Gerbzeit wird der Großteil des aufgenommenen Wassers an einer Abwalkpresse herausgepresst. Anschließend bringen sie die gegerbten Häute mit einer Walzmaschine auf gleichmäßige Dicke. Danach färben und fetten sie die Häute in einem Fass mit Farbstoff- und Fettlösungen. Im Anschluss trocknen sie die Häute durch Kontakttrockung (Heizplatten) oder im Vakuumtrockner durch Einwirken von Temperatur und Vakuum. In der Zurichtabteilung bügeln sie die Häute und färben sie eventuell nochmals. Manchmal versehen sie die Häute durch Prägung mit einem künstlichen Narbenmuster.

Bei Velour- und Nubukleder schleifen die GerberInnen vor der Zurichtung eine Seite des Leders an, damit der für diese Lederarten bezeichnete Samteffekt erzielt wird.

Besonderes Augenmerk wird auf die Berücksichtigung aller Sicherheits- und Umweltstandards gelegt. Eine wichtige Aufgabe der GerberInnen ist die Vermeidung, Verwertung bzw. Entsorgung der Nebenprodukte und Reststoffe unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Gesichtspunkte sowie die laufende Kontrolle der Abluft-, Abfall- und Abwasserbeschaffenheit im Hinblick auf die gesetzlichen Anforderungen.

Quellen#


Redaktion: K. Ziegler