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Glasmaler#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Gloc
»Der Glasmaler«. Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Ch. Brandstätter Verlag

Glasmaler konzentrierten ihr künstlerisches Schaffen darauf, Glas zu bemalen und die Farben einzuschmelzen, um dadurch weiße oder farbige Fensterverglasung zu schmücken. Die Glasmalerei hat sich wohl spätestens gegen Ende des 1. Jahrhunderts aus der frühchristlichen Mosaikverglasung entwickelt, indem man die Schmelzmalerei der Töpferei auf die Fenstermosaiken übertrug. Der Glasmaler hatte zunächst bloß eine Malfarbe, das Schwarzlot. Diese Schmelzfarbe, aus Kupfer-, später aus Eisenhammerschlag und gepulvertem Glas bereitet, diente zum Malen der Umrisse und der Schattierung. Das Silbergelb, ein Gemenge von Chlorsilber mit feinkörnigem Ton, um 1320, vielleicht zuerst in Köln, auftretend, wurde auf die Rückseite des Glases aufgetragen, dem es durch Eindringen des Silbers durchsichtige Goldfarbe in wirkungsvollen Abstufungen verlieh. Die Zeichnung wurde auf einer mit Kreide geweißten Holztafel angelegt; erst vom 15. Jahrhundert an begegnet uns die Werkzeichnung auf Papier, der Karton. Nachdem die Umrisse und Schatten in Schwarz aufgemalt waren, wurden die Glasstücke auf eine mit Kalkpulver bestreute Eisenplatte gelegt und in dem einfachen Ofen eingebrannt. Nach dem Erkalten wurden die einzelnen Teile mittels I-förmiger, gegossener Bleiruten zusammengefügt, das Bleinetz verlötet und sorgfältig verkittet.

Diese musivische, das heißt mosaikartige Glasmalerei war demnach eigentlich ein durchscheinendes Glasmosaik. Daneben erschien seit dem 14. Jahrhundert eine Kleinmalerei, die das Bild auf einer großen weißen Scheibe ausführte, meist unter Verwendung des goldfarbigen Silbergelbs. Wann die Glasmalerei in weltlichen Bauten Eingang gefunden hat, ist nicht bekannt; hier kam hauptsächlich die Kleinmalerei zur Anwendung. Schöne Fenster mit Wappen- und Bildscheiben zierten Burgen, Rats- und Zunftstuben, ein Brauch, der unter anderem in der Schweiz fast zum Stilmittel wurde. Für schweizerische Glasmaler zeichneten Baldung, Holbein, Urs Graf und andere die Vorlagen (»Visierungen«). Das erste Drittel des 16. Jahrhunderts lieferte eine dritte Schmelzfarbe, das Eisenrot, ein stumpfes Rotbraun, das zunehmend als Grund für Ornament und für Fleischteile, auch für Gewandungen und sonstige Einzelheiten Verwendung fand. Erst etwas später bediente man sich der fälschlich »Email« genannten farbigen Auftragfarben, und nach und nach fanden sich Meister, die sich ihrer fast ausschließlich bedienten. Schon vor der Mitte des 17. Jahrhunderts verfiel diese Kunst; Freude und Geschmack an der Farbe waren verlorengegangen.

In Zunftrollen und anderen Aufzeichnungen werden die Glasmaler in enger Verbindung mit den Glasern genannt, was auf eine Arbeitsteilung bei der Herstellung zunächst von Kirchenfenstern zurückgeht. Der Maler entwarf die Zeichnung dazu, und der Glaser übertrug sie, brannte die gemalten Scheiben und setzte sie zusammen.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.