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Goldhauben#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die Haube, die das Haar bedeckt, ist ein typischer Bestandteil von Trachten verheirateter Frauen. Daher umschreibt man die Hochzeit auch als "unter die Haube kommen". Vorläufer von Kopfbedeckungen aus Goldgewebe wurden in Gräbern aus dem Mittelalter (Villach-Judendorf, 13. Jahrhundert) gefunden. Die Kopfbedeckung für Bürgerinnen, die in der Barockzeit modern wurde, galt als typisch für Österreich. Ihr Abbild zierte 1948 die 2-Schilling-Marke der Dauermarkenserie "Österreichische Volkstrachten" und 1957 bis 1975 die Zehnschillingmünze.

In Wien trugen zur Barockzeit nicht nur Bürgerinnen, sondern auch Stubenmädchen und die Kellerinnen der berühmt-berüchtigten Gaststätten am Spittelberg Goldhauben.

In Niederösterreich gab es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts "reiche Goldhauben" (Bodenhauben aus Metallfäden mit Stickerei und herabhängenden Schnüren). Ihr Verbreitungsgebiet waren die in den Orte entlang der Straße, die von Graz nach Brünn führte. Die Wachauer Haube war hingegen aus Brokat genäht, der wie Gold wirkte. Die über einem Drahtgestell gearbeiteten Kopfbedeckungen entsprachen der Empire-Mode. Seit 1975 zeigen sich die Goldhaubenträgerinnen organisiert und veranstalten alljährlich am Maria Himmelfahrtstag eine Wallfahrt zu einem Pilgerziel im Mostviertel.

In Oberösterreich treten die "Goldhaubenfrauen" bei festlichen Anlässen auf. Die Linzer Goldhaube wird erstmals 1782 erwähnt. Die Haube besteht aus einem mit Stoff und Tüll überzogenen Drahtgestell. Diese Konstruktion ist dicht mit Golddrahtröhrchen und Pailletten (Flinserl) bestickt. Schwarze Perlhauben sind in gleicher Art hergestellt. In den 1970er- Jahren hätte die Oberösterreicherinnen "ein wahres Goldhaubenfieber erfasst", beobachtete die Trachtenexpertin Gexi Tostmann.

In Vorarlberg ist das "Schäppeli", ein Krönchen aus Goldfäden und Pailletten Bestandteil der Tracht unverheirateter Frauen.

Quelle#


Franz C. Lipp, Elisabeth Längle, Gexi Tostmann, Franz Hubmann (Hg.): Tracht in Österreich. Wien 1984. S. 169 f.
Redaktion: hmw